Liebling vieler DDR-Kinder Ellen "Ellentie" Tiedtke ist tot

Bekannt wurde sie vor allem seit Mitte der 80er-Jahre durch die Kindersendung "Ellentie" im DDR-Fernsehen. Doch schon lange vorher hatte Ellen Tiedtke als Kabarettistin an der Leipziger Pfeffermühle für Aufsehen gesorgt, ebenso später an der Distel in Berlin. Nun ist die Schauspielerin und Sängerin im Alter von 91 Jahren gestorben.

Ellen Tiedtke
Ellen Tiedtke ist tot. Die als Moderatorin "Ellentie" aus der gleichnamigen DDR-Kindersendung bekannte Schauspielerin starb im Alter von 91 Jahren. Bildrechte: dpa

Die Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Ellen Tiedtke ist tot. Nach Angaben ihres Biografen Jürgen Klammer starb sie am Dienstag im Alter von 91 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Tiedtke war vor allem als "Ellentie" bekannt geworden, Moderatorin der gleichnamigen beliebten Kindersendung im DDR-Fernsehen.

In der Leipziger Pfeffermühle eckt Tiedtke bei den Funktionären an

Tiedtke, geboren 1930 in Ostpreußen, stand schon als Kind gerne mit Darbietungen im Mittelpunkt. Als Rentnerin sagte sie einmal der Deutschen Presseagentur, sie habe sich "immer in den Vordergrund gespielt, wenn zu Hause Besuch da war, habe Gedichte aufgesagt und getanzt". Ihre Mutter sei eine "große Theatergängerin" gewesen. Dann musste die Familie fliehen, zog nach Schwerin – und für Ellen stand fest: Sie wollte nach dem Abitur unbedingt auf einer Theaterbühne stehen.

Tiedtke studierte in Leipzig und ging anschließend an Theater nach Cottbus und Frankfurt (Oder). 1956 wurde sie Kabarettistin an der Leipziger Pfeffermühle – und bekam Probleme mit DDR-Funktionären. Im Programm "Rührt Euch" hieß eine Textzeile: "Wir wollen ja nur, dass das Leben so wird wie in der Zeitung." Das gefiel den Funktionären nicht. Tiedtke berichtete: "Da wurde ein ausgewähltes Publikum reingesetzt, das gebuht hat. Die Bühne wurde gestürmt – und das Programm abgesetzt." Der Vorfall am 15. Dezember 1956 war ein staatlich inszenierter Tumult.

Ellen Tiedtke
Ellen "Ellentie" Tiedtke in einer Kinderrevue im Friedrichstadtpalast Berlin Bildrechte: dpa

Der Durchbruch kommt 1983 als "Ellentie"

Tiedtke zog nach Berlin und wurde Ensemble-Mitglied des Kabaretts Distel. Später wurde Tiedtke Sängerin, eckte auch dabei an. Auf Geheiß der Kulturfunktionäre wurde sie eine Zeit lang fast nirgendwo mehr engagiert. Der große Durchbruch kam 1983. Sie wurde in der Kindersendung "Ellentie" die witzige wie tollpatschige gleichnamige Moderatorin.

Mit ihren Zöpfen, der Latzhose und dem Ringelpulli sah sie eher aus wie ein Mädchen. "Ich war eine alterslose Person, die Kinder nicht mit erhobenem Zeigefinger belehrte, sondern ihre Fehler machte", sagte sie über diese Rolle. Statt als Kabarettistin den Alltag der DDR zu kritisieren, bespaßte sie nun die Jüngsten. Die Sendung lief mittwochs unter dem Motto "Filme, Spaß und sonst noch was".

Nach dem Mauerfall wurde die Sendung 1991 eingestellt. Da war Tiedtke 61 Jahre alt. Sie zog sich von der Bühne und aus der Öffentlichkeit zurück. "Wenn die Ellentie nicht gewesen wäre, würde ich heute ein bisschen verbittert dasitzen", erzählte die verwitwete Künstlerin vor ihrem 90. Geburtstag im Frühjahr 2020.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Februar 2022 | 14:30 Uhr

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