"Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich" Doku: Wie es ist, als Ostdeutscher schwarz zu sein

In seinem Film "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich" erzählt Regisseur Ared Hubert u.a. die Geschichten einer schwarzen Polizistin in Thüringen, einer Sozialarbeiterin in Magdeburg, eines Fußballtrainers in Erfurt und seine eigene. Als Ostdeutscher schwarz zu sein, sieht er angesichts des Alltagsrassmismus als besondere Herausforderung. Es sei aber gerade viel im Wandel.

Manuel Rost 8 min
Manuel Rost Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt
8 min

In seinem Film "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich" erzählt Ared Hubert u.a. die Geschichte eines Erfurter Fußballers und seine eigene. Als Ostdeutscher schwarz zu sein, sei eine besondere Herausforderung.

MDR KULTUR - Das Radio Do 11.11.2021 06:00Uhr 08:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Doreen Denstädt ist als schwarzes Mädchen in den Nachwendejahren in Erfurt-Nord aufgewachsen, in einer Zeit, die in Ostdeutschland von Rassismus und Gewalt geprägt war: "… Die hatten Springerstiefel an, die hatten weiße Schnürsenkel. Da hat man schon von weitem erkannt, von dem halte ich mich fern." Heute arbeitet sie als Polizistin in Thüringen. Besonders anstrengend findet sie den versteckten Alltagsrassismus, der sich auch hinter normal auftretenden Personen verstecken kann.

Das ist das Anstrengende: Wenn man zum Bäcker geht, dass man es mit Alltagsrassismus zu tun bekommen kann, obwohl man nicht damit rechnet.

Doreen Denstädt, Polizistin

Doreen Denstädt
Die Erfurterin Doreen Denstädt arbeitet als Polizistin in Thüringen. Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Fragen nach Herkunft verletzen

Denstädt ist eine der Protagonistinnen des Dokumentarfilms "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich" von Ared Huber und Susann Reich. Neben ihr haben die Filmemacher auch die Magdeburger Sozialarbeiterin Juliana Gombe begleitet, die für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und Manuel Rost, der die erste Fußballmannschaft des FC Rot-Weiß-Erfurt trainiert.

Einen Spruch, den er sehr oft beim Einkaufen im Konsum, beim Fleischer oder Bäcker gehört hat ist: "Du sprichst aber gut Deutsch." Das ein- oder zweimal zu hören, sei okay für ihn. "Aber wenn man das in der Woche fünfmal hört und das auf Jahre gesehen, ist das natürlich irgendwann ätzend."

Manuel Rost 8 min
Manuel Rost Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt

MDR KULTUR - Das Radio Do 11.11.2021 06:00Uhr 08:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Manuel Rost 8 min
Manuel Rost Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt
8 min

MDR KULTUR - Das Radio Do 11.11.2021 06:00Uhr 08:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Bagatellbeispiel: Du gehst zum Konsum oder zum Fleischer oder zum Bäcker und dann sagt die Verkäuferin: Du sprichst aber gut Deutsch.

Manuel Rost, Fußballtrainer

Manuel Rost wurde bei Gotha geboren, wird aber immer wieder erstaunt nach seiner Herkunft gefragt: "Der Moment, in dem es passiert, der ist immer unangenehm und immer mit Schmerzen verbunden. Zumindest mit emotionalen Schmerzen. Und das ist der Punkt, den ich auch immer wieder Leuten zu vermitteln versuche, dass das sehr weh tut. Dass man das nur sehr schwer beschreiben kann, was das innerlich mit einem macht."

Auch Regisseur erlebt wöchentlich Alltagsrassismus

Filmemacher Ared Huber habe der Optimismus und die Energie der Protagonistinnen beeindruckt, "das heißt also, die sich nicht zurücknehmen, sondern sehr einbringen, also jeder in seinem Umfeld, jeder in seiner Stadtgemeinschaft dort versucht, wirklich was voranzubringen."

Juliana Luisa Gombe
Juliana Luisa Gombe ist Sozialarbeiterin in Magdeburg und hat für Engagement das Bundsverdienstkreuz erhalten. Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Wir sprechen ja hier nicht nur über schwarze Deutsche, wir sprechen in diesem Film über schwarze Ossis. Und das ist noch eine Stufe mehr.

Ared Hubert, Regisseur

Im Film erzählt Regisseur Ared Huber auch von seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Geboren und aufgewachsen ist er in Dresden, sein Vater kam aus Guinea zum Studium in die damalige DDR. Auch er erlebe nahezu wöchentlich Alltagsrassismus.

Filmemacher Ared Hubert und Juliana Gombe
Filmemacher Ared Hubert und Juliana Gombe beim Filmdreh für "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Egal, ob ich jetzt privat oder für den MDR als Regisseur unterwegs bin, begegnen mir schon diese Menschen, die also da mit Distanz, teilweise mit mit Argwohn, begegnen, der dann teilweise bis zu zu Aggressivität sich äußert." Das sei bei weitem nicht die ganze Gesellschaft. "Aber es gibt diese Menschen, die durch Intoleranz, durch ihre Vorurteile nicht reflektieren."

Spezielle Situation für Schwarze im Nachwende-Osten

Ich bin ein Optimist. Ich ... bin der Meinung, es kommt da eine neue Generation, die jüngere Generation, die viel verstärkter und viel engagierter ihre Rechte einfordert.

Ared Hubert, Regisseur

Aus Hubers Sicht habe es gewisse Gründe, warum schwarze Ostdeutsche erst jetzt stärker ihre Rechte einfordern. Denn die Situation in Ostdeutschland sei nach der Wende eine spezielle gewesen: In dieser Zeit habe sich die Mehrheitsgesellschaft in der Region selbst an den Rand der Gesellschaft gedrückt gefühlt. Für die noch kleinere Gruppe von schwarzen Ostdeutschen habe die Kraft gefehlt, um sich damit auseinanderzusetzen. "Und deswegen bin ich ja so froh, dass wir jetzt diesen Film machen können, dass wir ... diese Gruppe, diese Generation von Menschen beleuchten können."

Man grüßte sich wie Motorradfahrer: 'Hallo, schön, dass du da bist' ... Heute käme ich aus dem Grüßen gar nicht mehr raus. ... Das gesellschaftliche Bild wandelt sich, und damit wird sich natürlich auch die Sicht auf schwarze Deutsche ändern.

Ared Hubert, Regisseur

Noch in den 90er-Jahren sei die Situation so gewesen, dass man sich als Schwarze gegenseitig gegrüßt habe, wie es etwa unter Motorradfahrern üblich sei: "Hallo, schön dass du da bist!" Heute käme er aus dem Grüßen nicht mehr heraus. Daran zeige sich, dass sich das gesellschaftliche Bild ändere. "Und damit wird sich natürlich auch die Sicht auf schwarze Deutsche ändern. Gott sei Dank."

Informationen zum Film: "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich."

Ein Film von Ared Huber und Susann Reich

Die Dokumentation ist ab 6. November in der ARD Mediathek abrufbar und wird am 11. November, 22.40 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Mehr zum Thema

Kultur

Seit 2014 erinnert ein Mahnmal an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda. mit Audio
Seit 2014 erinnert ein Mahnmal an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda. Wer Näheres über die Ereignisse erfahren möchte, muss allerdings erst einen QR-Code einscannen. Im Hintergrund steht der restliche Block des Vertragsarbeiterwohnheims. Bildrechte: ohne Angabe

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. November 2021 | 06:15 Uhr

Abonnieren