Empfehlung "ZERV": Neue Krimiserie beleuchtet größte Soko der BRD

1992 beginnt die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, kurz "ZERV", mit der Ermittlung und Aufklärung von Verbrechen aus der DDR- und der Wendezeit. Es ist die größte Sonderkomission der Kriminalpolizei der Bundesrepublik Deutschland – und dennoch ist ihre Geschichte bis heute kaum bekannt. Die Arbeit der Polizeibehörden aus Ost und West wird nun in der 6-teiligen Krimiserie "ZERV – Zeit der Abrechnung", die u.a. auch in Leipzig gedreht wurde, mit Nadja Uhl und Fabian Hinrichs neu aufgerollt. Jetzt in der ARD MEDIATHEK.

Die zwei Ermittelnden lehnen jeweils an ein Auto. Links zu sehen ist Kommissar Peter Simon und rechts Karo Schubert.
Die zwei Ermittelnden geben ein ungleiches Duo ab. Bildrechte: ARD/Merav Maroody

Die Vorstellung der ZERV kommentiert die Kriminalhauptkommissarin Karo Schubert mit "Da haben wir ostdeutsche Amateure ja richtig Glück." Zu den ostdeutschen Amateuren gehört die Kriminalhauptkommissarin Karo Schubert. Sie leitet die Ermittlung in einem Mordfall. Ein Mord an einem hohen Mitarbeiter des Abrüstungsministeriums, beauftragt mit der Auflösung der NVA. Ebenfalls in die Mordermittlungen involviert, ist der westdeutsche ZERV-Kollege Peter Simon. Begeistert davon ist am Tatort keiner der beiden – fast wie in einer Screwball-Komödie der alten Schule fliegen zwischen den beiden die Fetzen.

In "ZERV" wächst relativ schnell zusammen, was zusammengehört. Es muss schnell zusammenwachsen. Schubert und Simon – so unterschiedlich sie sind – merken rasch, dass sie nur gemeinsam Ermittlungserfolge erzielen können. Denn es geht nicht um die Aufklärung eines einfachen Mordes, sondern um illegale Waffengeschäfte, um nicht vollzogene Abrüstung und politisches und gesellschaftliches Versagen in der west- und der ostdeutschen Vergangenheit.

ZERV-Kommissar Peter Simon (Fabian Hinrichs, auf der rchten Seite) und Ost-Kollegin Karo Schubert (Nadja Uhl auf der linken Seite) stehen vor einem See.
In der Serie "ZERV" ermitteln Kommissarin Karo Schubert (Nadja Uhl) und ihr West-Kollege Peter Simon (Fabian Hinrichs). Bildrechte: ARD/Merav Maroody

Ein humorvoller Umgang mit Vorurteilen

"ZERV" von Regisseur Dustin Loose funktioniert nach dem altbewährten Rezept: Zwei Ermittler, die sich nicht grün sind, die ihre Abneigung gegeneinander ablegen müssen, um gemeinsam Ermittlungserfolge erzielen zu können. Bei all der Dramatik bleibt der Humor nicht auf der Strecke, das Kabbeln von Schubert und Simon zieht sich zum Glück durch alle sechs Folgen. Er, der Bremer Beamte, der sich in Ostberlin zurechtfinden muss, sie die ostdeutsche Kollegin im wiedervereinten Deutschland. Vorurteile und das Abarbeiten aneinander gehören zum guten Ton der Serie.

Die beiden großartigen Hauptdarsteller Nadja Uhl und Fabian Hinrichs werden von einem bis in die Nebenrollen perfekt besetzten Ensemble unterstützt. Unter anderem Fritzi Haberlandt als Spurensicherin Uta Lampert, Thorsten Merten als Hajo Gärster – einer, der immer schmutzige Geschäfte für die gute Sache gemacht hat – und Rainer Bock.

Ein Mann sitzt auf einer dunklen Leder-Couch an einem Tisch und raucht eine Zigarette. Die Ausstattung erinnert sehr an die DDR.
Die MDR-Serie "ZERV" legt großen Wert auf detailgetreue Ausstattung und Kostüme. Bildrechte: ARD/Merav Maroody

Zeitgeschichte neu interpretiert

Im Fokus stehen zwar die Verbrechen, die ZERV aufklären muss, über Nebenhandlungen werden aber auch ost- west- und gesamtdeutsche Themen aus der Nachwendezeit erzählt. Zum Beispiel von Zwangsadoptioen und Jugendhöfen in der DDR. Auch wenn die Ermittlungserfolge der ZERV hier leider reine Fiktion sind.

Die sechsteilige Serie will Zeitgeschichte aus der Perspektive von Figuren erzählen, die in der DDR geboren und aufgewachsen sind, so MDR-Redaktionsleiterin Johanna Kraus. Ein Unterfangen, das gelingt. Nicht nur durch Ausstattung, Kostüm und Maske – "ZERV" rekonstruiert die Atmosphäre der Wendejahre, erzählt von einer genauso großen wie unbekannten Polizeibehörde und tritt damit in die Fußstapfen von Serien wie "Weissensee". Ein sehenswertes Stück deutsch-deutscher Geschichte, die bisher so noch nicht erzählt wurde.

Mehr Informationen zu Serie ZERV - Zeit der Abbrechnung

Ab dem 15. Februar 2022 in der ARD MEDIATHEK.

Zu sehen im Ersten:
Dienstag, 22. Februar, 20:15 Uhr und 21:05 Uhr Folge 1 und 2
Mittwoch, 23. Februar, 20:15 Uhr und 21:05 Uhr Folge 3 und 4
Donnerstag, 24. Februar, 20:15 Uhr und 21:05 Uhr Folge 5 und 6

Mehr zur Soko ZERV

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Februar 2022 | 18:40 Uhr

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