Romane, Sachbücher, Kinderbücher Die besten Bücher im Frühling: 10 Buchtipps zum Welttag des Buches

Die Neuerscheinungen im Frühling sind vielseitig. Es gibt neue Bücher für jedes Alter und jeden Geschmack. Wir haben zehn Literatur-Empfehlungen aus der Region zusammengestellt. Mit dabei sind ein Krimi, eine Liebesgeschichte, historische Zeitreisen, aufsehenerregende Debüts, Sachbücher und auch Kinderbücher: Kurz: Bücher für jedes Alter und jeden Geschmack.

Frau sitzt auf einer Wiese und liest ein Buch.
Welche literarischen Neuveröffentlichungen hat der Frühling hervorgebracht? Wir haben für Sie zehn besonders lesenswerte Buchtipps zusammengestellt. Bildrechte: Colourbox.de

ROMANE

Domenico Müllensiefen: "Aus unseren Feuern" – Gesellschaftsroman im Mantel eines Krimis

Der Magdeburger Domenico Müllensiefen hat mit seinem Romandebüt "Aus unseren Feuern" einen packenden Krimi vorgelegt, der im Leipzig der Nachwendezeit spielt. Sein Protagonist Heiko arbeitet – wie der Autor übrigens auch schon – als Bestatter und muss seinen alten Schulfreund beerdigen. Als sich der Geheimdienst nach dem toten Freund erkundigt, will Heiko nicht mehr an einen Unfalltot glauben und verfolgt die Spuren seines Freundes bis zurück in die gemeinsame Jugend. "Aus unseren Feuern" ist ein ungewöhnliches, explosives und rasend unterhaltsames Buch geworden, über das Erwachsenwerden und die Suche nach dem Sinn im Leben – ein Roman der trotz Themen wie Tod und Trauer eine Menge Lesespaß verspricht.

Bettina Wilpert: "Herumtreiberinnen" – Ein Roman, der Frauen ihre Stimme zurückgibt

In ihrem neuen Roman "Herumtreiberinnen" verknüpft Schriftstellerin Bettina Wilpert eine Leipziger Straße mit den Schicksalen dreier Frauen aus verschiedenen Generationen. Lilo, Manja und Robin leben nacheinander im Dritten Reich, in der DDR und schließlich im wiedervereinten Deutschland. Was die drei "Herumtreiberinnen" verbindet, ist ein und dasselbe Haus in der fiktiven Lerchenstraße – zunächst als Gefängnis, später als sogenannte "Tripperburg" und schließlich als Geflüchtetenunterkunft. Trotz aller Schaurigkeit gelingt es Wilpert, wie schon in ihrem Debüt "Nichts was uns passiert", die jungen Frauen für sich sprechen zu lassen – und ihnen somit ein erneutes Verurteiltwerden zu ersparen.

André Kubiczek: "Der perfekte Kuss" – Eine tiefsinnige Liebesgeschichte in der DDR

Vor 20 Jahren debütierte André Kubiczek mit dem Band "Junge Talente" und erntete dafür höchstes Lob. Jetzt präsentiert der studierte Germanist mit "Der perfekte Kuss" eine kühne Lovestory, angesiedelt in Halle Mitte der 80er-Jahre. Kubiczek erzählt darin voller Sarkasmus und Ironie von einer abenteuerlichen Leidenschaft, die aus politischen Gründen unerfüllt bleibt. Unter dem Strich erweist sich der Liebesroman als von finsterem Humor geprägte Abrechnung mit der SED-Despotie – in der deutschen Gegenwartsliteratur sucht man nach ähnlich niveauvollen Liebesgeschichten vergeblich.

Svetlana Lavochkina: "Die rote Herzogin" – Zeitreise in die Ukraine unter Stalin

Svetlana Lavochkina ist im südostukainischen Saporischschja geboren und aufgewachsen. Dort spielt auch ihr Roman "Die rote Herzogin", der zwei Tage vor Beginn des russischen Angriffskrieges beim Verlag Voland & Quist in Leipzig erschien, wo die Autorin mittlerweile lebt. Ihre adlige Heldin wirkt mit an einem Prestigeprojekt Stalins, dem Bau des Dnjepr-Staudamms. Als Frau des Bauleiters und Propagandachefin hofft sie, den drohenden Säuberungen zu entgehen. Wie sie dabei ins Straucheln gerät, das erzählt Lavochkina in einem tragikomischen Roman voller groteskem Sprachwitz und von beängstigender Aktualität.

Mario Schneider: "Paradiese von Gestern" – Ein Buch wie ein spannender Film

Der in Halle lebende Regisseur Mario Schneider, bekannt für seine "MansFeld"-Trilogie, hat seinen ersten Roman veröffentlicht: In "Die Paradiese von Gestern" bekommt die 70-jährige Comtesse Charlotte Louise de Violet-Hascardin Besuch von einem Paar aus Ostdeutschland. Denn im Sommer 1990 fahren René und Ella endlich nach Frankreich – das Land ihrer Sehnsüchte! Doch droht der Urlaub zu eskalieren, als der Sohn der adeligen Hausherrin auftaucht und die bestehende Ordnung durcheinander wirbelt. All das wird bildreich und dynamisch erzählt – offensichtlich hatte der Autor die Szenen beim Schreiben sehr genau vor Augen und bringt sie auch für seine Leserschaft auf eine imaginäre Leinwand.

SACHBÜCHER

Anne Hahn und Frank Willmann: "negativ-dekadent" – Geschichte des Punks in der DDR

In der DDR war Punk nicht nur Mode, Musik, Haltung und Subkultur, sondern auch ein Politikum. Der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, geißelte die No-Future-Generation als "negativ-dekadent" – so heißt auch der von Anne Hahn und Frank Willmann kürzlich herausgegebene Sammelband zur Geschichte des Punks in der DDR. Die beiden waren selber Teil der Punk-Szene im Weimar und Magdeburg der 80er-Jahre. Mit ihrem Buch lassen sie das Lebensgefühl wiederauferstehen, das sie aus eigener Erfahrung nur allzu gut kennen. Der Sammelband zeichnet sich durch seine Vielstimmigkeit aus: er versammelt Anekdoten, persönliche Reflektionen neben sachlichen Analysen und zeigt, wie vielseitig Ost-Punk war.

Bernd Lindner: "Über Mauern. Teilung, Friedliche Revolution und Deutsche Einheit in der bildenden Kunst"

Künstlerinnen und Künstler auf beiden Seiten der Berliner Mauer haben sich jahrzehntelang mit ihr beschäftigt – im öffentlichen Bildgedächtnis sind indessen vor allem dokumentierende Fotos und Filme verankert. Der Wittenberger Kultursoziologe Bernd Lindner schaut in seinem Sachbuch auf die verschiedenen Jahrzehnte, Landesteile, Ost-und Westdeutschland, Kunstrichtungen, Malschulen sowie die jeweils großen Einzelgänger und ordnet seine Recherche chronologisch. "Über Mauern. Teilung, Friedliche Revolution und Deutsche Einheit in der bildenden Kunst" zeigt umfassend, wie der Mauerbau in der Kunst verarbeitet wurde. Mit 420 Kunstwerken von 266 Künstlerinnen und Künstlern aus Ost und West, die das Zeug dazu haben, unser Bild von der Mauer zu ändern.

KINDERBÜCHER

Elys Dolan: "Drache undercover. Voll verplant zum Ritterschlag" – Comic-Roman übers Anderssein

Der Mini-Drache Lennart liebt Bücher und "Das große Ritter-Handbuch für Anfänger" hat ihm seine Bestimmung gezeigt: Er will ein echter Ritter werden. Dabei unterstützt ihn Albrecht, sein majestätisches Schlachtross, das eigentlich ein sprechender Ziegenbock ist. Dieser Comic-Roman von Elys Dolan erzählt in vielen schwarz-weiß-Bildern und einer großen Menge Schriftarten eine verrückte Geschichte, die sich zum Teil auf bekannte Märchen bezieht. Das ist manchmal ein wenig albern und oberflächlich, aber oft auch sehr lustig und unterhaltend. Hier geht es um Spaß an der Story, um ungewöhnliche Freundschaften und auch ums sogenannte Anderssein, was kleine Lesemuffel und Drachen-Fans bei der Stange halten kann.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

 Buchcover: Ein kleiner Drache träumt von einer Ritterausrüstung.
Bildrechte: Ueberreuter Verlag

Angaben zum Buch Elys Dolan: Drache undercover. Voll verplant zum Ritterschlag. Aus dem Englischen von Anne-Marie Wachs. Ueberreuter Verlag, 224 Seiten für alle ab 9.
ISBN: 978-3-7641-5202-4

Amy Timberlake: "Dachs und Stinktier" – lehrreiches Kinderbuch über Freundschaft

Bei Dachs klingelt es an der Haustür und sein wohlsortiertes, etwas langweiliges und kontaktarmes Leben ist schlagartig vorbei. Stinktier steht mit gepacktem Koffer auf dem Abtreter und hat die Erlaubnis der Hausbesitzerin, einzuziehen. Schnell nimmt Stinktier das gesamte Haus in Beschlag, bringt die bisherige Ordnung durcheinander und Dachs zur Verzweiflung. Bald lernt Dachs seinen quirligen, chaotischen Gesellen zu schätzen. Das ist die Story von "Dachs und Stinktier", dem ersten der beiden bisher erschienen humorvollen Kinderbücher von Amy Timberlake, in dem man etwas lernt über Hühnerrassen, Steine-Bestimmung und Quantensprünge, über Freundschaft und Kompromisse. Die ironischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind dem oft doppelbödigen Text ebenbürtig – immer mit leichtem Strich und witzig-tiefgründig.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Zeichnung von einem Dachs und Stinktier auf einem Kinderbuch.
Bildrechte: Jon Klassen/cbj-Verlag

Angaben zum Buch Amy Timberlake: Dachs und Stinktier (01). Mit Illustrationen von Jon Klassen. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschahn. cbj, 144 Seiten für alle ab 6.
ISBN: 978-3-570-17722-8

Amy Timberlake: Dachs und Stinktier suchen einen Schatz (02). Mit Illustrationen von Jon Klassen. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschahn. cbj, 176 Seiten für alle ab 6.
ISBN: 978-3-570-17979-6

Katja Frixe: "Jolle und ich. Der Tag, an dem ein Pinguin bei uns einzog" – Kinderbuch über Familie und Akzeptanz

Auf einmal sitzt Kaiserpinguin Jolle auf dem Liegestuhl im Garten von Familie Witt. Und weil es dem sprechenden Pinguin bei ihnen ausnehmend gut gefällt, lässt er sich in ihrem Badezimmer häuslich nieder. Mit Begeisterung mausert sich der herzensgute wie anstrengende Jolle schnell zum festen Familienmitglied. Doch als Jolle durch eine übermütige Idee die berufliche Karriere des Vaters gefährdet, stellt sich schnell die grundsätzliche Frage, ob er wirklich bleiben darf. In kurzen Kapiteln erzählt Katja Frixe in "Jolle und ich. Der Tag, an dem ein Pinguin bei uns einzog" in einer frech-fröhlichen Art und doch hintergründig von Familie und Zusammenhalt, vom Akzeptiert-Werden und "Sich-Zeit-Nehmen". Eine Menge schwarz-weiß-orange-farbige Zeichnungen unterstreichen die Geschichte voller Situationskomik und unterstützen mit Witz das Selberlesen.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Buchcover: Ein Pinguin mit zwei Koffern steuert auf das Haus einer Familie zu. Rechte: Arena Verlag
Bildrechte: Arena Verlag

Angaben zum Buch  Katja Frixe: Jolle und ich. Der Tag, an dem ein Pinguin bei uns einzog. Mit Illustrationen von Stefanie Jeschke. Arena Verlag, 176 Seiten für alle ab 9.
ISBN: 978-3-401-60630-9

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2022 | 22:05 Uhr