Empfehlung für "Twilight"-Fans Fantasy-Roman: "Wölfe vor der Stadt" – eine Romanze und ein dunkles Geheimnis

Eine halbverlassene, von Leipzig inspirierte Stadt versinkt im Nebel, und eine junge Künstlerin geht eine Beziehung mit einem Werwolf ein: Autorin Ulrike Serowy legt mit "Wölfe vor der Stadt" einen Roman vor, der fundamentale menschliche Konflikte behandelt und Volksmythen mit einer Fantasy-Romanze verwebt. Fans von "Twilight" und Co. kommen hier auf ihre Kosten.

"Wölfe vor der Stadt" von Ulrike Serowy 6 min
Bildrechte: Edition Outbird

Alles beginnt in einer kleinen Stadt, die wie ausgestorben scheint und seit Wochen schon von dichten Nebelschwaden umgeben ist. Helena hat sich an dieses merkwürdige Phänomen gewöhnt, das die Häuserfassaden ihres Heimatortes verklebt und schrittweise alles in ein undurchsichtiges Terrain verwandelt. Tagsüber arbeitet die junge Künstlerin allein in ihrem Atelier. Abends ist Helena zumeist im "Machandel", einer alten Bar, und bewirtet dort die paar wenigen Gäste, die es noch gibt. Seit einiger Zeit jedoch fühlt sich Helena nicht mehr wohl.

Schon bald taucht im "Machandel" ein unbekannter Gast auf. Auf unerklärliche Weise fühlt sich Helena von dem Mann angezogen. Allerdings trägt der Fremde ein grausames Geheimnis in sich, wurde dieser doch vor langer Zeit von einer Bestie angefallen und in einen Werwolf verwandelt.

Johannes hat keine Erinnerungen mehr daran, was danach geschah, keine genauen, [...] weiß nur, dass es beim ersten Mal so schrecklich schmerzte, ein Aus-der-Haut-Fahren, ein Rädern und Zertrümmern, und alles Innere wurde nach außen gekehrt [...].

Ausschnitt aus dem Roman "Wölfe vor der Stadt"

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Leipzig als Inspiration für den Romanschauplatz

Beim Schreiben ihres Debütromans hat sich Autorin Ulrike Serowy von ihren Empfindungen anregen lassen. Sie habe ein "nebliges nächtliches, geheimnisvolles Gefühl" in den Text bringen wollen. "Und ich finde dieses Gefühl in Städten wie Leipzig, Magdeburg und auch Berlin."

Weil vor allem Leipzig oft so etwas Nebliges und Endliches ausstrahlt, ist das Buch vor allem von dieser Stadt sehr inspiriert.

Ulrike Serowy, Autorin

In Leipzig komme ihr dieser Eindruck vor allem beim Anblick der langen, aus der Stadt hinausführenden Straßen, an denen immer noch viele Häuser leer stehen und man nicht so richtig wisse, wo sie hinführen werden oder was mit ihnen geschehen ist.

Mystery Novel trifft auf Volkserzählung

Helenas und Johannes' Romanze wird schon bald auf die Probe gestellt. Dabei lässt die Autorin das Unbekannte und Fremde zu zentralen Aspekten der Romanentwicklung werden. Neben fesselnden und bizarren Szenen, welche die unwirkliche Beziehung und die Dichotomie der beiden Protagonisten versinnbildlichen, lesen sich vor allem die historischen Verweise auf den Wolfsmenschaberglauben besonders spannend.

Das Buchcover von Ulrike Serowys Fantasy-Roman "Wölfe vor der Stadt" zeigt das Profil einer jungen Frau im Comicstil, einen Vollmond und einen Wolf
Buchcover von Ulrike Serowys Fantasy-Roman "Wölfe vor der Stadt" Bildrechte: Edition Outbird

Im Jahr 1621 besteht ein Gesetz, dass alle bis zum letzten Mann ausziehen müssen, wenn ein Wolf gesichtet wird, [...] sie jagen und verfolgen diesen Wolf so lange, bis sie ihm entweder den Garaus machen oder ihn ertränken oder lebend fangen.

Ausschnitt aus dem Roman "Wölfe vor der Stadt"

So entsteht eine besondere Gruselatmosphäre, die zum Lesen verführt. "Beide Figuren haben ein Geheimnis, dass sie mit sich herumtragen und dass sie davon abhält, in der Mitte der Gesellschaft zu sein", so die Autorin. Gleichsam würden sie sich unterscheiden. Während Johannes sein Geheimnis gern offenbaren und davon erlöst werden wolle, um wieder in die Normalität zurückzukehren, möchte Helena tiefer in das Dunkle rein. "Sie möchte tiefer verstehen, was mit ihr geschieht und was hinter dieser Welt ist."

Düstere Legenden vom Werwolf

Schwarz-weiß-Porträt der Autorin Ulrike Serowy: eine junge Frau mit langen dunklen Haaren
Autorin Ulrike Serowy hat Sprachen und Literatur sowie Geschichte und Archäologie in Köln studiert. Sie schreibt Prosa, Lyrik und Essays. "Werwölfe vor der Stadt" ist ihr erster Roman. Bildrechte: Edition Outbird/Sandra Tilmans

Ulrike Serowy hat sich bei der Figur des Johannes von verschiedenen Überlieferungen inspirieren lassen: "Es gibt da diese Geschichte, dass Menschen sich in Werwölfe verwandeln, sobald sie einen Gürtel aus Menschenhaut anlegen." Die Geschichte gebe es zum Beispiel auch in Kaster in der Nähe von Köln. Da habe es den sogenannten Werwolf von Kaster Peter Stubbe gegeben. "Dieser war ein vielfacher Mörder, der seine Opfer übel zugerichtet hat. Man hat ihn gefasst und sogar einen Werwolf- Prozess gegen ihn geführt."

"Wölfe vor der Stadt" ist nicht nur eine fantastische Geschichte über eine scheue Künstlerin und ihre Beziehung zu einem Wolfswesen. Der Roman erinnert auch an die Tradition alter Märchen, in denen fundamentale Konflikte zwischen Gut und Böse, Alleinsein und Gemeinschaft sowie Krieg und Frieden thematisiert werden.   

Mehr Informationen zum Buch:

Ulrike Serowy: "Wölfe vor der Stadt"
Verlag: Edition Outbird
188 Seiten, 15 Euro
ISBN: 978-3-948887-23-0

Redaktionelle Bearbeitung: Sabrina Gierig

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Das schöne Buch | 25. September 2022 | 14:15 Uhr

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