Buchtipp Sabine Ebert beendet Trilogie über die Leipziger Völkerschlacht

Mit dem Roman "Das Geheimnis der Hebamme" landete Sabine Ebert 2006 ihren ersten großen Coup. Das Buch, das von der Entstehung der Erzgebirgsstadt Freiberg handelte, wurde der Journalistin förmlich aus den Händen gerissen. In weiteren Geschichten setzte sie die Hebammen-Saga fort. Es folgten das Opus "Kriegsfeuer" über die Leipziger Völkerschlacht und "1815 – Blutfrieden". Jetzt erschien mit "Die zerbrochene Feder" der Abschluss dieser Trilogie. Kann der historische Roman der Autorin aus Aschersleben überzeugen?

Sabine Ebert im Porträt
Sabine Ebert wurde 1958 in Aschersleben geboren. Bildrechte: Helmut Henkensiefken, Pixxwerk

Die Hauptfigur von Sabine Eberts jüngstem Buch ist eine Witwe namens Henriette Trepte. Sie spielte bereits in den zwei Vorläuferbänden des Romans eine zentrale Rolle. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig entwickelt sie sich zu einer radikalen Kritikerin der sozialen und politischen Verhältnisse in Deutschland. In der traditionsreichen Nicolaischen Verlagsbuchhandlung versucht sie ihre heiklen Schriften zu veröffentlichen, doch der Inhaber bremst ihre Hoffnungen aus.

Leseprobe aus "Die zerbrochene Feder" "Aha", wiederholte Henriette kühl. "Soll ich also die betreffenden Abschnitte entfernen?" Parthey schloss die Augen und wirkte tief in Gedanken versunken, ehe er weitersprach. Schließlich öffnete er die Lider und blickte Henriette ins Gesicht. "Ich fürchte, das wird nicht genügen, meine Liebe", sagte er besorgt. "Sie haben in allerhöchsten Kreisen Missfallen erregt. So leid es mir tut um Sie und Ihr Buch – darf ich Ihnen noch einen dringenden Rat geben: Sie sollten sich umgehend davon distanzieren und zum Zeichen guten Willens etwas Gefälliges schreiben. Etwas Nettes. Lauschige Naturbetrachtungen oder die romantische Liebesgeschichte eines patriotisch gesinnten Paares."

Kritik einer jungen Frau am preußischen König

Sabine Ebert: Die zerbrochene Feder
"Die zerbrochene Feder" ist der dritte Teil der Völkerschlacht-Trilogie von Sabine Ebert nach "Kriegsfeuer" und "1815". Bildrechte: KNAUR

Henriette hält sich nicht an die Empfehlung des gewieften Büchermachers und übt weiterhin frech Kritik am preußischen König, der sich weigert, Reformen zu organisieren und eine Ständeverfassung einzuführen. Die Zensurbehörden hängen ihr deshalb ständig an den Fersen und sorgen nicht nur für ein Publikationsverbot, sondern außerdem für strafrechtliche Konsequenzen, die darin gipfeln, dass die junge Frau von Beamten eines Nachts aus Berlin verbannt wird. Dabei argumentieren die Ordnungshüter ideologisch mit eiserner Konsequenz.

Leseprobe aus "Die zerbrochene Feder" "Sie ist eine gefährliche Aufrührerin und wird auf Anordnung des Polizeipräsidenten mit sofortiger Wirkung aus Preußen ausgewiesen. Sie haben eine Stunde zum Packen, Madame, dann deportieren wir Sie über die Landesgrenze, nach Sachsen. Die Kutsche steht unten schon bereit." Fassungslos und unfähig, auch nur ein Wort zu sagen, starrte Henriette ihn an. Durch die geöffnete Tür drang Eiseskälte in den Flur, die sie nach der Ankündigung noch mehr erstarren ließ.

Unfreiwilliger Umzug der Protagonistin nach Freiberg

Sehr plastisch und unterhaltsam schildert Sabine Ebert die unfreiwillige Übersiedlung ihrer Heldin in die Erzgebirgsstadt Freiberg, wo sie den Ex-Soldaten Felix Zeidler heiratet, der wie sie den Monarchen und deren Restaurationsbestrebungen total ablehnend gegenübersteht. Sie schlägt den Weg als Lehrerin an einer Mädchenschule ein, obwohl sie über keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt. Doch ihr neuer Mann stärkt ihr dabei entschieden den Rücken.

Leseprobe aus "Die zerbrochene Feder" "Du weißt auf jeden Fall mehr als deine Schülerinnen. Wo der Nil und der Amazonas fließen, ist per se erst einmal unpolitisch und damit unverdächtig. Du hast doch dieses Buch 'Geographie für Frauen' von deinem Oheim. Nimm das als Grundlage! Und ich helfe dir, es anzureichern. Wir haben Fachleute und Studenten aus vielen Ländern an der Bergakademie: Russen, Norweger, Polen, Brasilianer, Nordamerikaner. Wir laden sie einzeln hierher zu einem gemütlichen Essen, und du kannst sie dabei mit Fragen über Taiga und Tundra löchern, über Urwald und Wüste."

Historische Präzision

Obwohl die Autorin flüssig erzählt, erweisen sich ihre hölzernen und geschraubten Dialoge mitunter als störend. Bisweilen schleichen sich sogar Elemente des Kitsches in ihre Sprache ein. Dann fühlt man sich an Hedwig Courths-Mahler oder Eugenie Marlitt erinnert. Zum Glück bleiben solche Szenen selten. Aufgewogen werden derartige Schwächen durch die Präzision, die Sabine Ebert stets dort walten lässt, wo es um die Schilderung geschichtlicher Situationen geht. Etwa dann, wenn Henriettes Onkel bei einem Besuch in Freiberg seine Verwandten über eine eben anhebende Welle von Repressalien informiert.

Leseprobe aus "Die zerbrochene Feder" "Es kommt gerade zu massiven Überprüfungen, Hausdurchsuchungen und Verhaftungen in Berlin, und diese Woge wird auch hierher zu euch nach Sachsen schwappen. Vorerst sind hauptsächlich meine Universität in Berlin und die neu gegründete in Bonn betroffen. Die Burschenschaften werden verboten. Allein die Mitgliedschaft in einer solchen, nun illegalen Vereinigung führt in Preußen zu langjährigen Haftstrafen, sogar zu Todesurteilen. Und all jene, die den Attentäter Sand als Helden feiern, sollen zum Schweigen gebracht werden."

Realität und Fiktion verschwimmen

Geschickt mischt Sabine Ebert Realität und Fiktion. Trotzdem kann sie mit Meistern des modernen historischen Romans wie Stephan Puchner oder Ralf Günther nicht Schritt halten, weil ihr letztlich die stilistische Raffinesse fehlt.

Angaben zum Buch Sabine Ebert: "Die zerbrochene Feder"
480 Seiten, erschienen bei Knaur
ISBN: 978-3-426-22711-4

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. November 2021 | 12:40 Uhr

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