Jubiläum Verliebt in Sachsen-Anhalt: Wie Verleger Janos Stekovics seit 30 Jahren prachtvolle Bücher macht

Im 350-Seelen-Dorf Dößel im Saalekreis steht das Verlagshaus von Janos Stekovics. Seit 30 Jahren bringt der gebürtige Ungar mit Erfolg prächtige Kunst- oder Reiseführer vor allem für Sachsen-Anhalt heraus. Ob vor der Uta im Naumburger Dom, im Dessau-Wörlitzer Gartenreich oder unterwegs auf der Straße der Romanik – Stekovics findet für seine "Objekte" immer den besonderen Blick. Dabei hatte alles mit einem Beinbruch in Halle begonnen.

30 Jahre wird der Stekovics Verlag in diesen Tagen. Kunstführer, hochwertige Bildbände, Städteporträts, regionale Reiseführer vor allem für Sachsen-Anhalt, aber auch ausgesuchte Belletristik bringt der gebürtige Ungar Janos Stekovics heraus – und findet, es gebe hier immer noch genug zu entdecken:

Eigentlich ist Sachsen-Anhalt ein sehr gutes Land für alles. Man muss es nur entdecken und lieben können. Und das mache ich.

Janos Stekovics Verleger

Mehr als 500 Titel, die glücklich machen

Im 350-Seelen Ort Dößel steht heute das Verlagshaus, das aussieht wie ein Eigenheim. Hinter der holz-gläsernen Fassade: Regale voller Bücher – Schreibtische, Computer und mittig eine Küche. Gemütliche Arbeitsatmosphäre mit kalkuliertem Unternehmergeist – das scheint das Erfolgsrezept von Janos Stekovics zu sein, denn trotz Corona, und diversen Krisen im Buchhandel zieht er nach 30 Jahren eine positive Bilanz:

30 Jahre Verlag Stekovics
Bildrechte: Verlag Stekovics

"Ich habe vor 30 Jahren gedacht, wenn du irgendetwas anfängst, muss es gut werden und sagen wir so: Bei 517 veröffentlichten Titeln war es bestimmt bei 450 Mal ein absolut gutes Gefühl, darüber nachzudenken und festzustellen: 'Ach, du hast jetzt wieder was Schönes gemacht.' Ich war mit den Sachen, die ich gemacht habe, immer glücklich. Und das ist das ist das Wichtigste bei dieser Bilanz."

Verlagsgeschichte beginnt mit Beinbruch in Halle

30 Jahre Verlag Stekovics
Ein Buch aus dem Haus Stekovics, das auf die Herkunft des Verlegers verweist. Bildrechte: Verlag Stekovics

Dabei hatte alles im Januar 1992 in Halle eher durch einen Zufall begonnen: Durch einen Beinbruch konnte der gebürtige Ungar, den das Studium in die Saalestadt verschlagen hatte, seiner Arbeit als freischaffender Fotograf nicht nachkommen und gründete sozusagen aus der Not heraus einen Verlag. Alles in Eigenregie und gemeinsam mit seiner Frau, aber eigentlich ohne jedwede Kenntnis:

"Wir haben versucht, das erste Layout bzw. Satz zu machen, weil es woanders so teuer war. Dann haben wir gemerkt, ohne Computer geht es nicht. Am Anfang standen wir davor und überlegten, wo geht der an. Und meine erste Aktion war dann, das System zu löschen. Das dauerte ein paar Tage, bis wir das in Gang gebracht haben. So fing das an."

1994 Umzug nach Dößel im Saalkreis

30 Jahre Verlag Stekovics
Hier arbeitet der Chef, der inzwischen weiß, wo der Rechner angeht. Bildrechte: Verlag Stekovics

Für eine bessere Qualität ließ er seine ersten Bücher in Italien drucken, erst eine Tourismus-Broschüre, dann bereits ein Buch mit knapp 400 Seiten – da wurde es logistisch schwierig: "Unser Verlag war ein Raum in der vierten Etage. Und nachdem wir die erste Buchlieferung bekommen hatten und diese Palette nicht in den Keller passte, haben wir erstmal alles hochgeschleppt. Und in dem Moment wussten wir, so kann es nicht weitergehen, wenn wir noch einen Titel machen, dann haben wir überhaupt kein Schlafzimmer mehr."

So kam es 1994 zum Umzug nach Dößel im Saalekreis, wo sie eine alte Schule saniert und schließlich einen Neubau drangesetzt haben. Auch die Bücher lagern hier.

30 Jahre Verlag Stekovics: Der Fotograf und Verleger im Einsatz
Der Fotograf und Verleger Janos Stekovics im Einsatz Bildrechte: Verlag Stekovics

Auf der Suche nach der besonderen Perspektive

Stekovics will möglichst alles in eigener Hand halten, so arbeiten neben seiner Frau nur zwei Teilzeitkräfte mit, und er selbst als Fotograf übernimmt auch das Layout:

"Also ich bin nicht im Auftrag unterwegs, um irgendein Bild von der Uta oder von Reglindis im Naumburger Dom zu machen, sondern um zu gucken, wie könnte ich sie anders abbilden, so wie sie noch nie erschienen sind? Und dann fange ich an, mir zu überlegen, welche Perspektive, welche Ansicht und welches Licht ich dazu nehme. Und dann vergeht bei einem Foto plötzlich ein ganzer Tag. Aber dann habe ich von der Uta Bilder in vielleicht 30 Positionen, die ich dann nachher beim Layouten einfach nehmen kann, wie es zum Buch am besten passt."

Ein Statue
Aus: "In Hülle und Fülle - Streifzüge durch 12 Jahrhunderte" Bildrechte: Janos Stekovics für Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Foto-Archiv mit zwei Millionen Aufnahmen

Ein großer Aufwand für einmalige Fotografien, die Stekovics' Bücher dann auch zu etwas Besonderem machen: Ob die Reiseführer zur Straße der Romanik, Städteporträts oder in den letzten Jahren vor allem die opulenten Bildbände zum Wörlitzer Gartenreich oder den historischen Parks in Sachsen-Anhalt. Da, sagt der 62-Jährige, komme ihm nun auch sein Fotoarchiv mit über zwei Millionen digitalen Aufnahmen zugute:

"Die Bücher werden gekauft, und zwar meistens von der älteren Generation. Das bedeutet ab 50 aufwärts, wo man ein bisschen mehr Zeit hat, manche der Orte auch zu bereisen. Und viele stellen sich auch die Frage: 'Wo komme ich her? Was ist die Geschichte meines Ortes oder meines Bundeslandes?' Und in dem Moment haben wir unsere Kundschaft."

"Welterbe in Sachsen-Anhalt" - Ringheiligtum Pömmelte im Sommer
"Welterbe in Sachsen-Anhalt": Sonnenobservatorium in Goseck Bildrechte: Janos Stekovics

Preisgekrönt und begehrt

Einige der Bildbände haben auch Preise gewonnen, Stekovics wurde für seine Verdienste die Ehrennadel des Landes verliehen und das letzte Buch über die Denkmäler der Kulturstiftung war nach 45 Tagen vergriffen. All das scheint doch ein gutes Omen auch für die kommenden Jahre.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2022 | 06:15 Uhr

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