500 Jahre Bibelübersetzung "Jahrtausendereignis": Wie die Wartburg-Region Luthers Bibelübersetzung feiert

Reformator Martin Luther war ein Mann der klaren Worte, der "dem Volk aufs Maul schaute". Wie wichtig eine verständliche Sprache für eine offene Gesellschaft ist, soll nun das Thüringer Programm zum Jubiläum von Luthers Bibelübersetzung auf der Wartburg in Eisenach vor 500 Jahren zeigen. Eine Tat, die ihn zum Begründer der deutschen Schriftsprache machte und 2022 in der ganzen Wartburg-Region groß gefeiert werden soll. Geplant sind unter anderem Kunst-Projekte mit der Kunsthochschule Burg Giebiechenstein in Halle, Ausstellungen und eine Festwoche im September.

Martin Luther als Junker Jörg, Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä., 1522
Martin Luther als Junker Jörg, Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä., 1522. Unter dem Decknamen "Junker Jörg" lebte Luther auf der Wartburg und übersetzte vor 500 Jahren die Bibel. Das soll 2022 nun besonders gefeiert werden. Bildrechte: IMAGO

Zum großen Jubiläum von Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren auf der Wartburg gibt es in den kommenden Monaten in und um Eisenach ein vielfältiges Kulturprogramm. Wie Oberbürgermeisterin Katja Wolf am Mittwoch bei der Vorstellung mitteilte, sollen damit "ausgetretene Pfade" verlassen werden. Dafür sorgten beispielsweise Projekte der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle und der Kunstakademie Münster. Von Mai bis August würden die Arbeiten der Studierenden zum Thema "Übersetzen" im gesamten Stadtgebiet zu sehen sein.

Beer: Verständliche Sprache wichtig für offene Gesellschaft

Auf der Wartburg bei Eisenach übersetzte der Reformator um den Jahreswechsel 1521/22 in wenigen Wochen das Neue Testament in ein lebendiges Deutsch und schuf damit einen wichtige Grundlage für eine einheitliche Sprache. Zum Jubiläum hatte Thüringen am Reformationstag 2021 in Eisenach ein Themenjahr unter dem Titel "Welt übersetzen" eröffnet, um auch international für die Lutherstätten im Bundesland zu werben. Kulturstaatssekretärin Tina Beer erklärte am Mittwoch, die Veranstaltungen sollten aufzeigen, wie wichtig eine verständliche Sprache für eine offene Gesellschaft sei.

Freiluft-Ausstellung der Wiedmann-Bibel

Auf dem Programm steht auch eine Freiluft-Ausstellung der Wiedmann-Bibel. Dabei handelt es sich um die einzige Ausgabe der Heiligen Schrift, die das ganze Alte und Neue Testament in 3.333 Bildern vollständig wiedergibt. Der Künstler Willy Wiedmann (1929-2013) schuf das Werk im Laufe von 16 Jahren. Es ist ab 4. Mai in Form großflächiger Drucke auf dem Wartburg-Weg zu sehen. Zudem gibt es eine Begleitausstellung über das Projekt im Eisenacher Stadtschloss.

Ein Mann blättert durch die Seiten der «Wiedmann Art Bibel»
Die Bibel des Künstlers  Willy Wiedmann, bestehend aus über 3.000 Bildern. 2018 wurde sie in Buchform veröffentlicht. Bildrechte: dpa

Festwoche "Die Kraft der Worte" im September 2022

Weitere Programmpunkte sind Ausstellungen auf der Wartburg und im Eisenacher Lutherhaus über die Aktualität von Luthers Bibelübersetzung sowie eine musikalisch geprägte Festwoche vom 11. bis 18. September unter dem Motto "Die Kraft der Worte".

Hoffnung auf friedliche Impulse

Veranstaltet werden die Kunstprojekte, aber auch Ausstellungen und Theateraufführungen von der Stadt Eisenach, dem Wartburgkreis und dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen. Landrat Reinhard Krebs sagte, Luthers Bibelübersetzung sei ein "Jahrtausendereignis" und habe die Region weltweit bekanntgemacht. Der evangelische Superintendent Ralf-Peter Fuchs äußerte die Hoffnung, dass die Veranstaltungen starke Impulse für eine friedliche Gesellschaft setzten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. März 2022 | 17:30 Uhr

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