Aktion Adventskalender des Sächsischen Musikrats bringt Musik zu den Menschen

Die Adventszeit steht musikalisch unter keinem guten Stern: Alle Konzerte fallen aus, freiberufliche Musiker bangen um ihre Existenz. Der Sächsische Musikrat will unterstützen. Im Rahmen einer Adventskalender-Aktion vermittelt er Musiker gegen Honorar für kleine Auftritte an Orte, wo Musik gerade dringend gebraucht wird, zum Beispiel in Altersheimen oder in Hospizen. Doch wie funktioniert das während eines Lockdowns? Ulrike Kirchberg ist dazu im Gespräch mit Thomas Bille.

Ulrike Kirchberg, Sächsischer Musikrat
Ulrike Kirchberg vom Sächsischen Musikrat Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Was ist Ihr Anliegen?

Ulrike Kirchberg: Wir möchten mit unseren Partnern, den Mitgliedsverbänden, die uns bei der Aktion unterstützen, wie Sächsischer Blasmusikverband oder Sächsische Posaunenmission, Tonkünstlerverband – möchten wir auf der einen Seite freiberuflichen Künstlern einen kleinen Auftritt vermitteln, als wichtiges Zeichen in dieser Zeit. Auf der anderen Seite wollen wir in Institutionen, in caritative Bereiche eine kleine musikalische Freude bringen, für Personen, die gerade nicht so im Fokus stehen gerade.

Wie viele Künstlerinnen und Künstler haben sich gemeldet?

Circa 100 Bewerbungen sind eingegangen. Wir haben dann Montagnacht das Portal schließen müssen, weil so viele Bewerbungen kamen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Im Moment arbeiten wir die Bewerbungen noch ab, 65 Künstler hab ich bereits für einen Auftritt vermittelt bekommen, wir sind gerade am Koordinieren.

Aber wo finden denn diese Konzerte statt?

Also, es sind zunächst ungewöhnliche Instrumente auch dabei, zum Beispiel hat sich ein Duo gemeldet: keltische Harfe mit Blockflöte oder ein Spieler mit einer indischen Sitar oder auch zwei Alphörner wurden vermittelt. Man muss sich das jetzt so vorstellen: Wir haben ja im Moment eine gültige Allgemeinverordnung, die Freitag nochmal verändert wird für die kommende Wochen, und da ist es gestattet, dass sich maximal zwei Hausstände im Freien treffen dürfen. Das heißt, die Musiker werden im Freien musizieren, sie haben sich mit den Einrichtungen direkt vorher in Kontakt gesetzt und Dinge vereinbart.

Ich hab jetzt die schöne Aufgabe, über ganz Sachsen verstreut, das zu koordinieren. Das sind Auftrittsorte wie Kinderhospiz, Seniorenheime natürlich sehr viele dabei, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Kindergärten, heute Nachmittag wird auf einer Palliativstation gespielt, heute Abend in einem Nachtcafé einer Kirchgemeinde für Obdachlose, Fachkrankenhäuser für Psychotherapie, Kinderheime, Uniklinik Leipzig, Kloster Marienstern und auch spannend, das wollte ich gern, hab das auch hinbekommen: die Jugendstrafanstalt in Regis-Breitingen.

Bekommen die Künstlerinnen und Künstler auch ein Honorar?

Das war ganz wichtig für uns natürlich. Die Musiker werden fair entlohnt, sie erhalten pro Person eine Vergütung von 170 Euro, damit orientieren wir uns an der Empfehlung der Orchestervereinigung, das ist eine Gewerkschaft für Musiker, die das für diese Form von Auftritten empfiehlt.

Können Sie den Adventskalender durchspielen, wenn Sachsen ab 14.12. einen harten Lockdown fährt?

Wir sind sehr optimistisch. Wir gehen davon aus, dass wir die Aktion weiter fortsetzen können, da generell alles im Freien stattfinden wird und wir ja auch in der kleinsten Form mit den zwei Hausständen arbeiten. Wir schauen natürlich mit großer Spannung auf die neue Verordnung, die ist für kommenden Freitag angekündigt. Sollten sich da jetzt noch drastische Veränderungen für uns ergeben, sind wir ganz optimistisch, dass wir gemeinsam mit den Beteiligten und bereits eingeplanten Künstlern nach kreativen Lösungen suchen, die fast immer möglich sind. Da bin ich ein kampfesbereiter Mensch.

Das Gespräch führte Thomas Bille für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Dezember 2020 | 13:10 Uhr

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