Nach 44 Jahren Jazztage Dresden: Uschi Brüning und Günther Fischer feiern großes Comeback

Einer der großen Höhepunkte im Programm der diesjährigen 21. Jazztage Dresden ist das Comeback von Sängerin Uschi Brüning und Bandleader, Komponist und Arrangeur Günther Fischer mit seinem Quintett. 44 Jahre nach der Veröffentlichung der gemeinsamen Amiga-LP standen beide Jazz-Künstler erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne. Das Konzert war ausverkauft und das Comeback im Ostra-Dome in Dresden ein voller Erfolg, meint unsere Musikredakteurin.

Jazz-Künstler Uschi Brüning und Günther Fischer auf der Bühne 8 min
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Uschi Brüning und das Günther Fischer Quintett standen auf den Dresdner Jazztagen nach 44 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne. Heidi Eichenberg war beim großen Comeback des Jahres dabei.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 01.11.2021 06:00Uhr 07:42 min

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Vor mehr als vier Jahrzehnten standen die Sängerin Uschi Brüning und der Bandleader, Arrangeur und Komponist Günther Fischer gemeinsam auf der Bühne. 1973 war ihre Platte "Uschi Brüning und das Günther Fischer-Quintett" bei Amiga erschienen. Als Günther Fischer am Sonntagabend auf den Dresdner Jazztagen mit seiner Band die Bühne betrat, brach Jubel im Publikum los, der Saal war ausverkauft und fast bis zum letzten Platz besetzt.

Der Musiker und Komponist Günther Fischer
Der Musiker und Komponist Günther Fischer Bildrechte: dpa

Was unter der beeindruckenden nachtblauen Zeltkuppel des Dresdner Ostra-Domes den Raum erfüllte, war ein Abend der Reminiszenzen und kleinen Andachten für musikalische Weggefährten: etwa für Manfred Krug, der fast genau vor fünf Jahren, am 21. Oktober 2016, starb und mit dem Günther Fischer eine lange, nicht ganz unkomplizierte, gemeinsame Geschichte hat. Von Uschi Brüning ging ein großes Kompliment an die Dichterin Gisela Steineckert, von der alle deutschen Lied-Texte dieses Abends stammten. Trotzdem wehte von der Bühne der Hauch eines Neuanfangs, bewusst und zuversichtlich im Hier und Jetzt, zwei Jahre nach überstandener Corona-Zwangspause.

Unverwechselbarer Stil zwischen Chanson, Jazz, Rock und Philly-Sound

In den Siebziger Jahren war Günther Fischer die erste Adresse für Sängerinnen und Sänger, die der spießigen DDR-Schlager-Klamottigkeit etwas unverklemmt Weltoffenes entgegensetzen wollten, und vor allem konnten. Uschi Brüning und Manfred Krug zählten zu den wenigen, die mit den genialen Arrangements und Kompositionen von Fischer ihr eigenes Repertoire fanden und einen eigenständigen unverwechselbaren Stil zwischen Chanson, Jazz, Rock und Philly-Sound kreierten. Gisela Steineckert verdichtete kühn ostdeutschen Zeitgeist in Jugendsprache mit Poesie. Auch für Regine Dobberschütz ("Solo Sunny") und Veronika Fischer schrieb Günther Fischer Songs, die Hits wurden. Bei Uschi Brüning konnte er auf die große Begabung als Jazzsängerin setzen. Zwar hatte sie sich sicherheitshalber als Gerichtssekretärin ausbilden lassen, das Studium der Platten von Ella Fitzgerald oder Aretha Franklin reizte sie aber viel mehr.

Vom Kennenlernen zweier Jazz-Legenden

Ihre ersten größeren Schritte hat Uschi Brüning in der Band von Klaus Lenz gemacht. Lakomy, der damals noch bei Fischer gespielt hat, besuchte so ein Konzert und war begeistert. Es folgte der Versuch einer Abwerbung, aber der gelang nicht sofort, denn es gab eigentlich keinen Grund für Uschi Brüning, die Klaus Lenz Band zu verlassen. Bis auf einen, und das war der entscheidende: es gab die Aussicht auf eigene Songs und mehr Aufmerksamkeit. Für die angehende Soul-Sängerin war es wichtig, ihre Stimme zu finden und zu formen. Sie ging dann auch bald eigene Wege und musste lernen, dass Singen und eine eigene Band managen zwei verschiedene Jobs sind. Aber sie hat sich durchgebissen und ist im Laufe der Jahre zur "Grande Dame des deutschen Jazz" gereift. Unvergessen sind ihre Konzerte mit Manfred Krug, 2014 eroberte sie erstmals die gesamtdeutschen Charts mit dem Album "Auserwählt", 40 Jahre nach ihrem Debüt in der DDR.

Ich bin der Meinung, dass die Stücke, die ich damals mit Günther Fischer gesungen habe, nie die große Reichweite hatten, die sie verdient hätten.

Uschi Brüning, Jazz-Sängerin

Uschi Brüning
Uschi Brünings Jazz-Karriere begann in der Band von Klaus Lenz. Bildrechte: IMAGO / Andreas Weihs

Woher die Idee zum großen Comeback kam, erklärt Uschi Brüning gestern in Dresden: "Der Gedanke tauchte immer mal auf in all den Jahren. Und da Fischer und ich dasselbe Management haben, nahm das immer mehr Formen an. Und es gab auch Fragen vom Publikum, was denn nun sei mit der Formation und ob die denn nun endlich mal wieder zusammenkäme. Letztlich mündete es in den Entschluss von allen Beteiligten, es doch einfach nochmal zu versuchen, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass die Stücke, die ich damals mit Günther Fischer gesungen habe, nie die große Reichweite hatten, die sie verdient hätten." – Das stimmt, 44 Jahre nach der Veröffentlichung taucht das Album wieder in den internationalen Top 100 der besten Alben, die kaum einer kennt, auf – zusammengestellt vom deutschen "Rolling Stone"-Magazin.

Dresdner Jazztage versammeln Stars der ostdeutschen Jazzszene

Mit seinen Kompositionen und Arrangements hat Günther Fischer nicht nur Sängerinnen wie Uschi Brüning oder Künstlern wie Manfred Krug zu internationalem Ansehen verholfen, sondern ihm standen auch von Anfang an hervorragende Musiker der ostdeutschen Jazzszene zur Seite: Und so war Wolfgang Zicke Schneider, seit 1967 Schlagzeuger im Günther Fischer Quintett und damit selbst schon Legende, in Hochform auf der Bühne der Dresdner Jazztagen anzutreffen. Auch Rüdiger Krause an der Gitarre, Tom Götze am Bass und Matthias Bätzel am Piano parierten die ausgeklügelten Arrangements der Titel wie "Hochzeitsnacht", "Einer wie Du" oder "Wenn es so ist" mit Einfallsreichtum, Humor und unterstützten tatkräftig mit Gesang.

Günther Fischer Band
Das Günther Fischer Quintett Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Fischer führte wie in einem Workshop am Flügel die assoziative Kraft seiner Kinomusiken vor. Ursprünglich eigentlich auf der Geige von Armin Müller Stahl gespielt, aber es funktioniert auch als Demo am Flügel. Dann überlegt er blitzschnell, welches seiner beiden Saxophone er greift, nimmt das Sopran und flutet den ganzen Raum augenblicklich mit unwiderstehlicher Eleganz. Die zuweilen unperfekt wirkende Improvisation ist zu erfrischend und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hier Meister ihrer Instrumente aufeinander verlassen können.

Und was hat sich für Uschi Brüning nach all den Jahren verändert? "Die Grundessenz ist ja da, aber nun kommen Erfahrung und Mut dazu. Ich bin jetzt 74, und da hat man ja auch eine andere Art zu singen. Ich kann viel besser gestalten, weil ich jetzt wirklich etwas erlebt habe. Und was ich erlebt habe, singe ich. Und das macht den Unterschied aus. Es geht jetzt alles viel tiefer, und dadurch ist es auch Meins, was ich dann abliefere. Das war ja immer auch mein Bestreben."

Weitere Konzerte von Fischer und Brüning geplant

Es war eine Premiere und ein doppeltes Heimspiel, denn Günther Fischer und Uschi Brüning haben viele Konzerte in Dresden gegeben und auch gestern Abend mit der Premiere ihres Comebacks das Publikum begeistert. Weiteren gemeinsamen Konzerten steht also nichts im Wege. Darüber hinaus gibt es jede Menge Anfragen von Veranstaltern und auch schon Zusagen der Künstler für weitere Konzerte. Denn – und hier sei Gisela Steineckert mit einer Textzeile eines der schönsten Songs des gestrigen Abends zitiert – "Ohne Lieder leben, wer kann denn das?"

Informationen zum Zusatzkonzert von Uschi Brüning und dem Günther Fischer-Quintett:

Samstag, 12. November 2022, 19:30 Uhr im Ostra-Dome im Rahmen der 22. Jazztage Dresden (21.10. - 20.11.2022)

Besetzung:
Günther Fischer (Saxophon)
Uschi Brüning (Gesang)
Wolfgang Schneider (Schlagzeug)
Rüdiger Krause (Gitarre)
Tom Götze (Bass)
Matthias Bätzel (Piano)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. November 2021 | 08:40 Uhr