Sachbuch der Woche | MDR FIGARO | 01.10.2014 Ann-Marlene Henning & Anika von Keiser: "Make More Love"

Vor zwei Jahren hat ein Aufklärungsbuch für Furore gesorgt: "Make Love" von Tina Bremer-Olszewski und der Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning. Es wurde für den Jugendbuchpreis nominiert und in acht Sprachen übersetzt. Ein Buch für Jugendliche, die erst anfangen, Sex zu haben. Das Motto der Autorinnen war: Lass uns über Sex reden, offen und ohne Tabus. Jetzt hat Ann-Marlene Henning zusammen mit Anika von Keiser eine Fortsetzung geschrieben, dieses Mal an Erwachsene gerichtet: "Make More Love". Katrin Becker stellt unser Sachbuch der Woche vor.

An dem Buch fasziniert, dass die Autorinnen sowohl den Körper als auch die Psyche betrachten. Als Einstieg ins Thema klären sie zu Beginn, wie Körper und Erregung zusammenspielen. Wer seinen Körper nicht kennt, der spürt beim Sex weniger und hat demzufolge auch weniger Lust darauf. Die Hamburger Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning hat in ihrer Praxis beobachtet, dass selbst viele Erwachsene das nicht wissen.

Deshalb gehen die Leser in "Make More Love" zum Einstieg (ähnlich wie im ersten Buch) auf Entdeckungsreise durch den eigenen Körper: Wie tickt der? Worauf reagiert er? Wie benimmt er sich beim Sex? Auf charmante Art erfahren wir zum Beispiel, dass die Klitoris um ein Vielfaches sensibler ist als ihr männliches Pendant. Wir lernen, dass auch Männer einen Beckenboden haben und Frauen eine Prostata. Schließlich ist es mit dem Sex wie mit der Straßenverkehrsordnung: Die Theorie ist lange her, vieles hat man vergessen, und mit den Jahren schleicht sich die Routine ein.

Steife Schultern und ein Klingeln in den Ohren

Weiterhin erklärt das Buch, was in den Wechseljahren hormonell passiert. Auch hier wollen die Autorinnen Tabus brechen, indem sie Wissenslücken schließen. Die Stichworte Menopause und Andropause bekommen je ein eigenes Kapitel.

Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning. Mit ihrem Bestseller "Make Love" will sie Tabus brechen und zu mehr Spaß am Sex und einer erfüllten Partnerschaft verhelfen.
Die Sexualtherapeutin und Autorin Ann-Marlene Henning Bildrechte: Gunnar Meyer

Interessant sind zum Beispiel die kleinen Exkurse am Rande: Hierzulande klagen Frauen in der Menopause oft über Hitzewallungen. Wir erfahren, dass es dafür im Japanischen nicht einmal ein entsprechendes Wort gibt. Stattdessen gelten dort steife Schultern und ein Klingeln in den Ohren als körperliche Zeichen für die Wechseljahre.

Wie im Vorgänger-Buch werden auch hier wieder echte Liebespaare im Bett abgebildet. Diesmal haben sie allerdings die 50 deutlich überschritten. Die Paare werden jeweils über eine ganze Fotostrecke begleitet. Das hat einen narrativen Charakter und vermittelt ein starkes Gefühl für das, was die beiden verbindet: für Vertrauen und Nähe.

"Make More Love" ist ein leichtfüßiges und zum Teil sogar witziges Buch, das einem die Angst vor dem Altern nimmt. Dass die Autorinnen ihre Leser duzen, passt zum Thema und wirkt nie unseriös. Ihnen ist ein praktischer und lehrreicher Ratgeber gelungen, der dennoch nicht belehrend daherkommt.

Angaben zum Buch Ann-Marlene Henning & Anika von Keiser: "Make More Love"
352 Seiten
erschienen bei Rogner & Bernhard
ISBN 978-3-95403-070-5
22,95 Euro