"Sparwasser" Jürgen Sparwasser und die DDR-Fußballgeschichte: Theater Magdeburg beleuchtet die WM 1974

Bei der Fußball-WM 1974 erlangte ein Stürmer des 1. FC Magdeburg Weltberühmtheit: Jürgen Sparwasser schoss für die DDR beim Spiel gegen die Bundesrepublik das entscheidende 1:0. Dieser historische Moment wird am Theater Magdeburg nun wieder ins Rampenlicht gerückt: Das Stück "Sparwasser" bietet Theater für die ganze Familie, bei dem nicht nur Fußball-Fans etwas lernen können. Verfasst wurde es vom ehemaligen Magdeburger Stadtschreiber Jörg Menke-Peitzmeyer, der das WM-Spiel als 9-Jähriger vor dem Fernseher live verfolgt hat.

Ein Stück mit dem Titel "Sparwasser" und das dann auch noch am Theater der fußballverrückten Stadt Magdeburg – da muss doch der Ball rollen? Doch da ist erstmal kein rundes Leder im Spiel. Auf der kleinen Studiobühne des Magdeburger Theaters erinnert auch nichts an einen Fußballplatz. Bühnenbildner Konrad Schaller lässt da eher die Fernsehstudio-Atmosphäre der 1970er-Jahre aufleben. Und hat einen Traum in Orange mit einem weißen Ledersofa als einzigem Requisit aufgebaut.

Plötzlich ist Musik zu hören, die Show beginnt. Durch den Vorhang in der Mitte springen die vier Spieler des Abends, zwei Männer und zwei Frauen, allesamt in einem coolen Einheitslook auf die Bühne. Die Schlaghosen knallbunt, die Oberteile supereng und anschmiegsam. Das Haupthaar wird lang und wallend getragen, damit wir auch gleich wissen, wo wir sind. Im Sommer der Fußballweltmeisterschaft 1974.

Wie die Fußball-WM 1974 die deutsch-deutsche Geschichte prägte

"Es gab zwei Deutschlands, die BRD und die DDR. Eins im Westen, eins im Osten. Eigentlich wie heute, nur waren sie damals so richtig geteilt, mit einer Mauer, mit Stacheldraht und allem drum und dran" – mit diesen Worten führt uns der vierstimmige Chor ein, in eine Zeitreise, bei der es nicht nur um Fußball, sondern vielmehr um deutsch-deutsche Geschichte und schlussendlich auch unser heutiges Miteinander geht.

Die DDR Nationalmannschaft 1974
Das Fußballteam der DDR gewann bei der WM 1974 dank Jürgen Sparwasser ein Spiel gegen die BRD. Am Ende wurde trotzdem die Bundesrepublik Weltmeister. Bildrechte: imago/Werner Schulze

Ehemaliger Magdeburger Stadtschreiber und Zeitzeuge schrieb das Stück

Geschrieben hat das alles Jörg Menke-Peitzmeyer. Der hat das Sparwasser-Tor als Neunjähriger im Ruhrgebiet erlebt. Er wurde später Schauspieler und Dramatiker, der vor allem Stücke für Jugendliche schreibt. Das aber auf eine Weise, die auch Erwachsene interessieren kann. Einer seiner Schaffensschwerpunkte ist dabei der Fußball. Und Jürgen Sparwasser ist offenbar sein Thema, seit Menke-Peitzmeyer im Jahr 2020 Stadtschreiber von Magdeburg war.

Damals entstand die zauberhafte Geschichte eines westdeutschen Jungen, der sich für ein Autogramm seines Idols Jürgen Sparwasser aus tiefster westdeutscher Provinz aufmacht in den Osten – und dabei selbst zweimal die Grenze passiert und es am Ende tatsächlich schafft. Bis nach Magdeburg und zu einem Autogramm von seinem Idol. Gespielt wird die Geschichte von einem Team, in dem keiner das Sparwasser-Tor selbst im Fernsehen gesehen hat. Nicht weil sie sich nicht für Fußball interessieren würden, sondern schlicht weil sie damals noch gar nicht gelebt haben.

Drei Menschen auf einer Theaterbühne jubeln nach einem Tor.
Beim Stück "Sparwasser" am Theater Magdeburg rollt zwar kein Ball über die Bühne – trotzdem dreht sich alles um Fußball. Bildrechte: Andreas Lander

Theaterstück in der Länge eines Fußballspiels

Aber das ist kein Problem: denn hier geht es um eine Geschichte, die jungen Leuten von heute viel über die Zeit von damals erzählt – auch über Jürgen Sparwasser und sein Tor. Das dem übrigens nicht nur Freude und Freunde, sondern von allem auch das Gegenteil beschert hat. Wie das manchmal so ist im Leben. Von dem dieses Stück in einer wilden Weise erzählt.

Das vierköpfige Spielerteam wechselt ständig die Rollen, ist unterwegs an vielen Orten und in verschiedenen Zeiten. Und braucht dafür ungefähr soviel Zeit, wie Jürgen Sparwasser damals für sein Tor. Das fiel in der 78. Minute. Halten wir im Spielbericht fest: Das ist vergnügliches Theater für die ganze Familie, bei dem man was über den Fußball und das Leben lernt.

Auf einer Theaterbühne schießt ein Mann mit dem Fuß und wird von einer Frau angefeuert.
Beim Stück "Sparwasser" am Theater Magdeburg kann man nicht nur etwas über Fußball lernen – sondern auch über das Leben. Bildrechte: Andreas Lander

Theater für Kinder, Familien und Fußball-Fans

Wer weiß – wenn der 1. FC Magdeburg demnächst den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft hat, werden vielleicht die Fans in Blau-Weiß auf dieses Angebot aufmerksam und schauen mal vorbei, im Theater ihrer Stadt. Das Sparwasser-Team vom Theater ist für alles offen: "Warum nicht, wir würden uns freuen, wenn hier mal ein paar Leute im Publikum auftauchen, die sonst nicht so viel mit Theater am Hut haben."

Jürgen Sparwasser
Jürgen Sparwasser wurde 1948 in Halberstadt geboren und spielte in der DDR für den 1. FC Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angaben zum Stück "Sparwasser"
Von Jörg Menke-Peitzmeyer
Familienstück
Uraufführung
Ab 10 Jahren

Theater Magdeburg
Schauspielhaus
Otto-von-Guericke-Str. 64
39104 Magdeburg

Vorstellungen:
22.04., 19:30 Uhr (Premiere)
24.04., 16:00 Uhr
01.05., 16:00 Uhr
03.05., 11:00 Uhr
07.05., 16:00 Uhr
28.05., 18:00 Uhr
10.06., 19:00 Uhr

Mehr Theater aus Magdeburg

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. April 2022 | 07:10 Uhr

Mehr MDR KULTUR