Gesellschaft und Träume Was kommt im Theater? – Fünf spannende Aufführungen in Halle und Leipzig im Januar 2023

Die Theater in Leipzig und Halle bieten im neuen Jahr 2023 ein vielfältiges Programm mit spannendem Blick auf die Gesellschaft – von Schauspiel bis Oper, von klassisch bis experimentell. In dieser Übersicht finden Sie die Spielplan-Highlights im Januar. Mit dabei: gesellschaftskritische Oper und anrührendes Schauspiel in Leipzig, ein Klassiker von Erich Kästner für Kinder und traumhafter Tanz mit Puppen in Halle.

Ein Mann in weißen Anzug und roten Haaren hält zwei Maske seines eigenen Gesichts neben sich.
In Halle verbindet sich im Stück "Peer Gynt" geschickt Tanz und Puppentheater. Die Inszenierung gehört zu den Highlights im Theater im Januar 2023. Bildrechte: Bühnen Halle/Yan Revazov

Junges Schauspiel: "Konferenz der Tiere" am TdJW Leipzig 

Eine Katastrophe jagt die nächste, so scheint es beim Blick in die Nachrichten. Meistens versuchen wir, Kinder von schlechten Nachrichten fernzuhalten, ihnen ihr Kindsein zu bewahren. Aber natürlich wissen auch die Jüngsten, dass es Probleme gibt. Der Dresdner Autor Erich Kästner hat dem mit seinem Stück "Die Konferenz der Tiere" Rechnung getragen. Darin versammeln sich Tiere, um die Probleme der Menschen zu besprechen.

Die Inszenierung am Theater der Jungen Welt in Leipzig verzichtet dabei auf billige Verkleidung, sondern zeigt die Geschichte als ein Spiel im Spiel, und die Schauspieler verkörpern die Tiere vor allem durch überzeugenden inneren Ausdruck. Auch das Publikum darf sich beteiligen: "Die Inszenierung nimmt Kinder mit ihren Sorgen ernst, vertuscht die Probleme der Welt nicht. Doch meist gelingt es, mit Musik, kleinen Choreografien und witzigen Spielszenen – etwa, wenn die Tiere sich mit angeklebten Mäusezähnchen daran machen, die Akten der Menschen zu zerkauen – die Utopie eines gemeinsamen Aufbruchs als fröhlichen Weg zu zeichnen", so Kritiker Dimo Rieß in der "Leipziger Volkszeitung". 

Schauspieler in Jacken und bunten Kostümen tanzen mit ausgestreckten Armen
Mit nur einigen Feinheiten wird das Ensemble im Theaterstück "Die Konferenz der Tiere" am TdJW Leipzig zu Tieren. Bildrechte: Tom Schulze

Weitere Informationen "Die Konferenz der Tiere" von Erich Kästner

Adresse:
Theater der Jungen Welt
Lindenauer Markt 21
04177 Leipzig

Termine:
7. Januar, 17 Uhr
8. Januar, 17 Uhr

Für Schauspiel-Fans: "Fischer Fritz" am Schauspiel Leipzig 

Mit einem Schlaganfall ist die Welt und die Sprache der Welt aus den Fugen: Fischer Fritz kann nicht mehr fischen und auch sonst tut es keiner mehr. Doch seit seinem Schlaganfall kann Fritz auch nicht mehr sprechen. Sein Sohn Franz, der nur noch als Hobby fischt, weil es für den Markt sowieso nicht mehr genug Fische gibt, engagiert eine Pflegekraft aus Polen, die ebenfalls mit der Sprache kämpfen muss.

Die Autorin Raphaela Bardutzky erzählt diese Geschichten in einem hoch-artifiziellen Text, der von Sprachspielereien und -rhythmus lebt. Dennoch wird eine anrührende und vielschichtige Geschichte von "Fischer Fritz" darunter deutlich. Regisseur Enrico Lübbe lässt den Text glänzen, findet starke Spielsituationen in dem nur rudimentär angedeuteten Dorfhaus und kann sich so ganz auf die Gefühlstiefen der Figuren einlassen. "Zusammen mit der immensen sprachlichen Leistung der Schauspieler*innen, die dieses hochgradig schwierige Formspiel mühelos tragen, ergibt sich eine ganz eigene Form des artifiziellen, stilisierten Erzähltheaters", zeigt sich Stephanie Drees bei "nachtkritik" begeistert, die die Uraufführung der Leipziger Produktion bei den 25. Autor:innentheatertagen am Deutschen Theater Berlin gesehen hat.  

Bühnenszene mit drei Schauspielerinnen in langen weißen Hemden: eine steht vorne an einem Mikro, dahinter tanzt eine mit einem Koffer in der Hand, die dritte kletter in einem Gerüst aus Holzbalken und Leuchtröhren.
"Fischer Fritz" am Schauspiel Leipzig überzeugt mit Sprache und Geschichte. Bildrechte: olf Arnold

Weitere Informationen "Fischer Fritz"
Sprechtheater von Raphaela Bardutzky

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Diskothek
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Dauer: 80 Minuten ohne Pause

Termin:
7. Januar, 20 Uhr
18. Januar, 20 Uhr

Für Ballett- und Tanzfreunde: "Peer Gynt" an den Bühnen Halle 

Peer Gynt ist die skandinavische Version des Doktor Faustus. Erst sorgt er im heimischen Dorf für viel durcheinander, bevor er sich auf eine Reise in die Welt aufmacht, einen Pakt mit dem Teufel schließt und doch wieder nach Hause findet. Gerade wegen der berühmten Musik von Edvard Grieg wird die Geschichte gerne auch getanzt auf die Bühne gebracht. An der Oper Halle wird die Compagnie unterstützt vom Puppentheater: "Der überdimensionale Kopf von Peer selbst ist der zentrale Spielort in dieser märchenhaften Bühnenwelt. Wir, das Publikum können somit seine Gedanken sehen und wissen gleichzeitig: Alles, was wir sehen, ist Fantasie, sind die Träume und Albträume des Peer Gynt", so Reinhard Bärenz bei MDR KULTUR. 

Eine Theaterbühne, als Bühnenbild dient ein überdimensionaler Kopf, in dem sich die gesamte Handlung abspielt.
Die Handlung von "Peer Gynt" spielt sich in der Inszenierung der Oper Halle in einem überdimensionalen Kopf ab. Bildrechte: Bühnen Halle/Yan Revazov

Weitere Informationen "Peer Gynt"
Ballett in zwei Akten von Michal Sedláček nach Henrik Ibsen mit Musik von Edvard Grieg und Sidney Corbett

Adresse:
Oper Halle
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)

Dauer: 145 Minuten, eine Pause

Termine:
27. Januar, 19.30 Uhr

Für Opernkenner: "Otello" an der Oper Leipzig 

Shakespeares "Othello" ist kein leichtes Stück in dieser Zeit: Zwar wird die immer noch wichtige Frage verhandelt, wie ein rassifizierter Mensch in der Gesellschaft aufsteigen kann. Aber dennoch ist Shakespeare ein Kind seiner Zeit. Am Deutschen Nationaltheater Weimar wurde das Stück mit Augenmaß angepasst (auch eine große Empfehlung für einen Tagesausflug). Mit der Oper "Otello", wo jedes Wort in Noten gesetzt wird, ist das nicht so leicht – an der Oper Leipzig ist es dennoch geglückt.

Regisseurin Monique Wagemakers hat Desdemona, die versteinerte Gesellschaft und die ihr innewohnende Frauenfeindlichkeit in den Mittelgrund gerückt. Geschickt, wie MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky urteilt. Dabei bleibt die ausdrucksstarke Musik von Giuseppe Verdi nicht auf der Strecke: "Die Musik, die die Handlung nicht nur illustrativ ausmalt, sondern psychologisch grundiert, ist hier auf den Punkt gebracht, kommt hier exemplarisch zur Geltung."

Weitere Informationen "Otello"
Oper von Giuseppe Verdi

Adresse:
Oper Leipzig
Augustusplatz 12
04109 Leipzig

Termine:
4. Januar, 19.30 Uhr
8. Januar, 17 Uhr
13. Januar, 19.30 Uhr

Für Experimentierfreudige: "Cosmic Tap" am Lofft Leipzig

Das Lofft, das Leipziger Off-Theater, ist unter anderem für Tanz-Performances bekannt, die auch an den Grenzen der Sparten wandeln. Ein fester Bestandteil des Programms ist auch seit einigen Jahren der Stepptanz der Sebastian Weber Company. Zwei Tänzer dieser Gruppe, Andrea Alvergue und Nikolai Kemeny, haben sich für "Cosmic Tap" mit zwei außergewöhnlichen Musikern, Klarinettistin Dorit Schäffler und Trompeter Markus Stockhausen, zusammengetan.

Die Tänzer bestimmen den Rhythmus und machen den Raum zum Instrument, die Musiker bewegen sich im Raum und reagieren auf den Tanz. Auch die Stimmung des Publikums soll so Einfluss auf die Show haben. Ob das gelingt, wird sich jedoch bei jeder Aufführung im Einzelnen zeigen.

Weitere Informationen "Cosmic Tap" – eine audiovisuellee Begegnung

Adresse:
Lofft Leipzig
Spinnereistraße 7, Halle 7
04179 Leipzig

Termin:
20. Januar, 20 Uhr
21. Januar, 20 Uhr
22. Januar, 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. März 2022 | 08:40 Uhr

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