Jubiläen und Ausstellungen 2022 in Thüringen: Das sind die kulturellen Highlights

Trotz der andauernden Corona-Pandemie gibt es in Thüringen große Pläne fürs Kulturjahr 2022: Luthers Bibel-Übersetzung auf der Wartburg jährt sich zum 500. Mal, Weimar gibt Cranach eine große Bühne und am Theaterhaus Jena gibt es eine neue Chefin – ein Ausblick auf die kulturellen Highlights im kommenden Jahr.

"Luther 2021/22. 500 Jahre Bibelübersetzung" steht auf einem Transparent am Eisenacher Rathaus.
Rund um das Luther-Jubiläum "500 Jahre Bibelübersetzung" sind in Thüringen zahlreiche Veranstaltungen geplant. Bildrechte: dpa

"Welt Übersetzen": diesen Titel trägt 2022 das touristisch-kulturelle Themenjahr in Thüringen. Es lehnt sich natürlich an das Jubiläum 500 Jahre Bibelübersetzung an – 1522 vollendete Martin Luther auf der Wartburg seine Niederschrift des Neuen Testaments. Schwerpunkt aller Aktionen und Veranstaltungen wird deswegen Eisenach sein. Dort wird eine theatral inszenierte Lutherwanderung stattfinden, auch ein großes Fest zur Kraft der Worte und eine künstlerische Auseinandersetzung von Studierenden mit dem Thema.

Koordinatorin Sophia Spangenberg: "Die Studierenden aus Münster gehen damit in den ganzen Stadtraum von Eisenach und werden mit ihren Installationen und Skulpturen zeigen, wie breit man dieses Wort 'Übersetzen' ziehen kann."

Große Bühne für Cranach in Weimar

Es gehe im Kern um eine aktuelle, zukunftsgewandte Auseinandersetzung mit einem 500 Jahre zurückliegenden Ereignis, so Spangenberg. Ein Ansatz, den man auch bei der Klassik Stiftung Weimar wiederfindet. Dort erhält Cranach die große Bühne: Im Renaissancesaal der Anna Amalia Bibliothek wird im Juni eine auf mehrere Jahre angelegte Ausstellung eröffnet, die trotz des historischen Ambientes eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Ausnahmemaler bieten soll. Übertitelt mit "Cranachs Bilderfluten" will die Schau deutlich machen, welch großen und auch fragwürdigen Einfluss Cranach mit seiner massenhaften Bilderproduktion zur Zeit der Reformation hatte.

Kurator Sebastian Dohe: "Im Streit um den wahren Glauben geht es sehr scharf um Meinungen. Alle reformatorischen Bewegungen sind fest davon überzeugt, dass sie die Wahrheit kennen. Und das wird unter anderem mit Bildern ausgefochten und begleitet: Da wird verspottet, da werden derbe Satirebilder gezeigt. Heute würden wir sagen – da wird 'Hate Speech', nur mit entsprechenden Bildern, in die Welt gesetzt."

Die Cranach-Werkstatt reagierte geschäftstüchtig auf die Situation, indem sie Bilder, Gedrucktes und Medaillen für alle politischen Lager anfertigte. Eine vielfältige Auswahl dieser Werke wird ab Juni in der Anna Amalia Bibliothek zu sehen sein.

Weniger Ausstellungen 2022 wegen Corona-Pandemie

Was weitere, große Sonderausstellungen angeht, so muss man die Erwartungen 2022 in Thüringen allerdings etwas zurück schrauben. Die Pandemie habe Folgen, die Zeit der "Blockbuster" sei vorbei, so formuliert es der Präsident des Thüringer Museumsverbands Thomas T. Müller.

Die Zahl der Fördermittelanträge sei so niedrig gewesen wie schon seit Jahren nicht mehr: "Zum Teil sind das 50 Prozent weniger Anträge gewesen. Weil große Unsicherheit herrscht, man konnte nicht richtig vorbereiten. Und so habe ich das Gefühl, dass das Ausstellungsgeschehen, das zum Teil ja auch mit hohen Kosten verbunden ist, auf Sparflamme läuft."

Sonderausstellung zu Andy Warhol und George Grosz in Jena

Natürlich gibt es dennoch einiges zu sehen: Kleine, hoffentlich feine Ausstellungen, wie etwa im Greizer Sommerpalais, wo eine Personalausstellung zum Cartoonisten Tetsche angedacht ist. Im Freilichtmuseum Hohenfelden will man unter dem Titel "Haarspalterei" der volkskundlichen Sicht auf unseren Kopfbewuchs nachgehen. Und die Kunstsammlungen Jena stellen George Grosz und Andy Warhol in einer gemeinsamen Schau in den Fokus.

Andy Warhols Serie Marilyn
Andy Warhols berühmte Serie "Marilyn". Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

In Jena weht dann auch am Theater ein bisschen frischer Wind – das Wunderbaum-Ensemble wird sich im Sommer verabschieden, und Lizzy Timmers übernimmt als künstlerische Geschäftsführerin. Sie will ein paar neue Akzente setzen: "Ich möchte mehr Raum für Musiktheater schaffen, weil ich es selbst sehr liebe, Musiktheater zu machen. Ich würde auch gerne weiter mit Live-Musik auf der Bühne arbeiten. Dafür werde ich ein bisschen mehr Raum machen."

Neuer Wind am Theaterhaus Jena

Im Großen und Ganzen will Timmers den Wunderbaum-Kurs der letzten Jahre aber fortführen, sie will etwa weiter auf eigene Stückentwicklungen aus dem Ensemble und auf Recherchetheater setzen. Gerade, so verrät sie, laufen Interviews zu einem neuen Stück namens "Liebe in Lobeda" – welchen Einfluss hat die Pandemie auf unsere sozialen Beziehungen, so die Frage des Ensembles. Eine szenische Antwort gibt es dann ab der nächsten Spielzeit am Theaterhaus Jena.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Januar 2022 | 07:10 Uhr

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