Die Medienschau

Kommentare zu türkischen Forderungen an die Nato

Das Handelsblatt aus Düsseldorf stellt fest: "Nichts hat den Westen zuletzt strategisch so herausgefordert wie der Angriff auf die Ukraine. Doch die westliche Allianz erwies sich als standhaft und trat (...) überraschend geschlossen auf. Das ändert sich jetzt mit der Drohung des türkischen Präsidenten, den Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens zu blockieren. ( ... ) Ein türkisches Veto würde nicht nur die Sicherheit der beiden skandinavischen Länder aufs Spiel setzen, sondern wäre auch ein unverhofftes Geschenk an Russlands Präsidenten Putin."
Die Märkische Oderzeitung aus Frankfurt an der Oder schreibt zu Erdogan: "Kaum jemand glaubt, dass er seine Ankündigung ernst meint, mit einem Veto den Beitritt der Nordstaaten zu verhindern. Als wahrscheinlicher gilt, dass sein Manöver taktisch darauf abzielt, die USA von einer Lieferung neuer Kampfjets zu überzeugen."

Auch der Weser-Kurier aus Bremen ist sich sicher: "Der Autokrat will Waffengeschäfte durchboxen (...). Und er weiß um seine starke Position: Für die Südostflanke der Nato ist die Türkei unverzichtbar. Das ist das Problem."

Die Süddeutsche Zeitung aus München meint: "Das Bittere ist, dass Erdogans Erpressung funktionieren dürfte. Der Nato-Beitritt der Finnen und Schweden darf nicht scheitern. Also werden die anderen Regierungen dem Zocker in Ankara etwas geben oder im Zweifelsfall diskret wegschauen müssen - sei es in der Kurdenfrage, bei den Waffen oder bei der systematischen Zerstörung jeder Rechtsstaatlichkeit im Land."

tagesschau.de kommentiert: "Der Westen hat in all den Jahren kein Mittel gefunden, Erdogan wirklich zu bremsen. Er lässt sich von den pragmatischen Kehrtwendungen des türkischen Präsidenten immer wieder aushebeln. Und bei keinem Streit in all den Jahren lassen es die USA, die EU oder die NATO drauf ankommen, ob Erdogan vielleicht nur blufft."
Die Leipziger Volkszeitung kommt zu dem Schluss: "Entscheidend ist für ihn eine öffentlich unausgesprochene Frage: Was liegt für sein Land drin, wenn er am Ende Ja sagt? Man kann Erdogans Basar-Mentalität bedauern. Man kann sie aber auch nutzen. Ideal für alle Beteiligten wäre ein neuer Deal mit der Türkei, der die Nato parallel zur Norderweiterung auch im Süden stärker macht als bisher."