Extreme Hitze Typische Schäden an Pflanzen und was jetzt zu tun ist

Verbrannte Tomaten, gärende Johannisbeeren, braune Blätter - Pflanzen leiden schwer unter extremer Hitze und Trockenheit. MDR-Gartenexpertin Brigitte Goss erklärt, welche Pflanzen sich retten lassen und wie Gärtner sich vor Folgeschäden schützen können.

Sonnenschaden an Tomaten
Wenn die Tomaten so aussehen, kann man sie bei den meisten Sorten nur noch entsorgen. Aber viele Pflanzen und Früchte kann man retten. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Tomaten

Viele Tomatenfrüchte haben während der heißen Tage Verbrennungen erlitten: Bei den handelsüblichen Tomatensorten sollten die Früchte entfernt werden. Die faulen nur. Aber wer alte, samenfeste Sorten hat, könnte die Früchte erstmal hängen lassen. Alte Sorten haben nämlich häufig dickere Schalen. Eventuell werden die Früchte reif. Die braune Stelle kann man dann einfach ausschneiden.

Sonnenschaden an Tomaten
Tiefe, weiche Stellen - typische Anzeichen von zu viel Sonne. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Neben den akuten Verbrennungen gibt langfristige Probleme, die man jetzt noch nicht sieht. In den nächsten Wochen werden vermutlich viele Tomaten die Blütenendfäule bekommen. Gegenüber vom Stiel, an der Unterseite, wird die Tomate braun und schwarz. Das ist ganz klassisch eine Hitzeerscheinung. Während heißer Sommer tritt das Problem gehäufter auf. Betroffene Früchte schmecken nicht, sie müssen weg.

Andere Früchte bekommen einen Grünkragen - das ist vor allem bei der Sorte Harzfeuer, aber auch bei anderen Sorten zu sehen. Am Stielansatz wird die Frucht nicht reif. Diese Früchte kann man ausschneiden. Der grüne Teil enthält Giftstoffe, der muss weg. Den Rest kann man essen.

Vorsicht jetzt mit Gießen. Bekommen die Pflanzen nach großer Hitze zu viel Wasser, kann es sein, dass die Früchte platzen. Auch mit der Bestäubung gibt es nach großer Hitze Probleme. Die Pollen verkleben und die Blüten werden nicht befruchtet. Es kann also sein, dass an einer Rispe nur noch drei Früchte kommen.

Eine Hand hält eine Tomatenrispe.
Schade, aber nicht zu ändern: Durch die Hitze werden die Blüten nicht befruchtet. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Gurken  und Zucchini

Gurken mit ihren großen Blättern verdunsten sehr viel Wasser. Bei der großen Hitze haben sie Stress und stoßen ihre Fruchtansätze ab. Um den Stress der Pflanzen zu reduzieren, sollten sie auch während des Tages gegossen werden, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Im Gewächshaus können der Weg und die Scheiben besprüht werden, um es den Gurken angenehmer zu machen. Vermutlich werden bald die Wärme und Trockenheit liebenden Spinnmilben die Pflanzen befallen. Oder der echte Mehltau überzieht die Blätter mit seinem weißen Belag. Bei echtem Mehltau hilft es, mit verdünnter Milch oder Molke zu spritzen.

Auch Zucchini mit ihren großen Blättern haben jetzt Stress. Sie müssen sehr gleichmäßig gegossen werden. Sind die Blätter von echtem Mehltau befallen, einfach Blätter entfernen. Die Pflanze bildet Früchte und Blätter nach.

Bohnen

Bohnen mögen es zwar warm. Bei großer Hitze bekommen die Blätter jedoch kleine schwarze Punkte oder welken. Aber das schafft die Bohnenpflanze meist zu überwachsen. Die Bohnen sollten also erstmal stehen bleiben.

Sonnenschaden an Bohnen
Bohnen dürfen erstmal stehen bleiben. Meist erholen sich die robusten Pflanzen wieder. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Beerensträucher

Manche Johannisbeeren und Brombeeren sind von der Hitze ganz matschig und zum Teil weiß geworden. Diese Beeren sollten auf jeden Fall abgepflückt und entsorgt werden. Bleiben sie hängen, sind sie ein Herd für Fäulnis und Pilze. Die Pflanzen brauchen Wasser. Sonst können sie keine Nährstoffe aufnehmen. Gerade jetzt wachsen die Herbsthimbeeren und sehen ganz mickrig aus. Eine Pflanzenjauche im Gießwasser kann hier gute Unterstützung bieten. Das wichtigste ist mulchen, mulchen, mulchen. Das hält die Feuchtigkeit und bietet den Pflanzen ein gutes Klima am Boden. Gerade Himbeeren sind Waldpflanzen. Die vertragen keinen heißen Boden. Am besten ist es deshalb, Häckselgut oder anderes Mulchmaterial schön zu verteilen.

Apfel, Birne, Tafeltraube

Normalerweise ist ein Sommerschnitt für Apfel- und Birnbäume eine gute Sache. Aber in der momentanen Situation ist es günstiger, genügend Blätter am Baum zu lassen, damit die Früchte Schatten haben. Bei den Tafeltrauben steht jetzt das genannte Laubarbeiten an. Auch hier gilt: Nicht zu stark schneiden, sondern lieber im Herbst erneut. Denn jetzt ist Schatten das Wichtigste für unser Obst.

Im Ziergarten

Kleinkronige Hausbäume sind sehr beliebt, aber sie haben einen Nachteil: Ihr Stamm wird nie beschattet. Er erhitzt sich bei extremer Wärme und starker Sonneneinstrahlung. Da können Temperaturen bis 50° Grad erreicht werden. Bei solchen Temperaturen gehen Eiweißmoleküle kaputt, die Wachstumsschicht unter der Borke stirbt ab. Man kann den Baum schützen, in dem man den Stamm beschattet: mit einem Kalkanstrich, einer Schilfmatte oder einfach einem Brett

Schlecht geht es bei hohen Temperaturen häufig den Hortensien. Stehen sie in Kübeln in der prallen Sonne, vertragen sie das überhaupt nicht. Die Pflanzen sterben. Trotzdem gilt: Erstmal nicht wegwerfen, sondern ganz zurückschneiden. Oft sind noch kleine Triebspitzen da und die Pflanze treibt neu aus. Wichtig für die Zukunft: Hortensien brauchen den richtigen Standort. Und das ist nicht eine Südseite in der prallen Sonne. Halbschatten ist die bessere Wahl.

Rosen vertragen Wärme eigentlich prima. Aber manchmal wird es selbst ihnen zu viel. In diesem Falle kräftig zurückschneiden, düngen und gießen - dann treiben die Rosen kräftig durch und mit ein bisschen Glück hat man im Herbst erneut eine schöne Blüte.

Grundsätzlich gilt im Ziergarten: Die geschädigte Pflanze optimal versorgen und die Temperaturen senken! Das heißt, die Pflanzen in den Schatten bringen oder sie schattieren. Häufig treiben Stauden wieder aus, auch wenn sie schon tot aussehen. Geben Sie ihnen eine Chance!

Quelle: Gartenberaterin und MDR Gartenexpertin Brigitte Goss; MDR Garten (anz)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 23. Juli 2022 | 09:05 Uhr