Sparen Welche Temperaturen vertragen Zimmerpflanzen?

In der kalten Jahreszeit sind nicht immer alle Zimmer in Wohnungen und Häusern geheizt. Bei den aktuellen Heizkosten wahrscheinlich noch weniger. Ist das gefährlich für unsere Zimmerpflanzen? Wie kalt darf es werden? Welche Pflanzen brauchen es sogar kühl? Unsere Zimmerpflanzen-Experten Emily Cox und Volker Croy wissen Rat.

Hand am Thermostat einer Heizung
Heizungsluft tut den meisten Pflanzen nicht besonders gut. Bildrechte: IMAGO/aal.photo

  • Zu viel Wärme - auch durch die Fußbodenheizung - kann zum Vergeilen führen.
  • Die meisten Pflanzen vertragen meist auch kältere Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad Celsius sehr gut.
  • Zugluft sollten Sie bei Zimmerpflanzen vermeiden. Dadurch werden sie geschwächt.
  • Im Winter sollten Zimmerpflanzen nur dann gegossen werden, wenn sie wirklich Wasser benötigen.

Trockene Heizungsluft schadet Monstera und Co.

Die Heizung zu warm laufen zu lassen, schadet nicht nur dem Portmonnaie, auch Zimmerpflanzen kommen mit der Wärme schlechter klar. Gartenfachberater Volker Croy erklärt, dass das Zusammenspiel von Wärme und Licht immer entscheidend ist. Warme Heizungsluft regt den Stoffwechsel der Pflanzen an, doch das wenige Tageslicht im Herbst und Winter reicht zum Wachsen nicht aus. "Sie brauchen viel Nahrung, wachsen aber weniger. Es kann sogar dazu kommen, dass die Pflanzen vergeilen", erklärt Volker Croy. Dies äußert sich in sehr langen Trieben. "Die Pflanzen denken dann, dass sie nur hoch genug wachsen müssen, um ans Licht zu gelangen", sagt der Gartenfachberater. Wenn im Winter also grundsätzlich weniger Licht zur Verfügung steht, sollten die Pflanzen auch kälter stehen, damit die Pflanzen ihr Wachstum ausbremsen.

Das gilt auch bei Fußbodenheizungen. Croy empfiehlt in diesem Fall, den Topf auf einen Rolluntersetzer oder einen gewellten Untersetzer zu stellen, sodass zwischen dem Topf und dem Boden eine Luftschicht ist.

Eine Zimmerpflanze steht auf einem Rolluntersetzer.
Bei Fußbodenheizung sollte die Pflanze auf einem gewellten oder einem Rolluntersetzer stehen. Bildrechte: MDR/Estha Taddigs

Geld sparen und den Zimmerpflanzen helfen

Die optimale Temperatur für die meisten Zimmerpflanzen liegt zwischen 16 und 20 Grad Celsius, erklärt Ziergärtnerin Emily Cox. Doch diese Temperaturen sind kein Muss. Gartenfachberater Volker Croy sagt: "Viele Zimmerpflanzen, wie das Usambaraveilchen oder auch die Diffenbachia vertragen Temperaturen von ungefähr 12 Grad ohne Probleme." Sie würden dann weniger wachsen, problematisch wären die Temperaturen allerdings ab 8 Grad und kälter. Kakteen hingegen seien sogar kälteresistenter. "In der Wüste herrschen nachts ja auch teilweise deutliche Minusgrade. Kakteen vertragen die Kälte also sehr gut."

Vor allem Pflanzen, die im Sommer draußen stehen, wie zum Beispiel die Goldähre, freuen sich im Winter über einen hellen aber kühlen Platz, erklärt Ziergärtnerin Emily Cox. So verfallen sie in eine Stasis, also eine Winterruhe, und leben auf Sparflamme. Dann brauchen sie kein Wasser und keinen Dünger.

Tipps für Terrarium- und Wärmehauspflanzen

Doch es gibt Ausnahmen. Selaginella (Moosfarne) und Warmhaus-Orchideen benötigen auch im Winter Temperaturen von mindestens 20 Grad Celsius. Emily Cox empfiehlt im Zweifel eine Heizmatte in einem Terrarium. Auch die Hoffmannia oder andere Terrarium-Pflanzen brauchen auch im Winter Wärme. Dann sollte darauf geachtet werden, dass die Luftfeuchtigkeit niedriger ist als im Sommer, da sonst Schimmel entsteht.

Wer auch beim Terrarium oder der Pflanzenvitrine Geld sparen möchte, für den hat Volker Croy diesen Tipp: "Auch Terrariumpflanzen halten es kälter aus, wenn sie ausreichend Licht bekommen. Dazu die Vitrine oder das Terrarium direkt an das Fenster stellen. In dieser Zeit wachsen die Pflanzen dann nicht großartig weiter, aber auch diese können bei 12 Grad überleben."

Orchidee Cattleya Hybride
Die Warmhaus-Orchidee "Cattleya" braucht auch im Winter Temperaturen über 20 Grad Celsius. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Zugluft schadet mehr als Kälte

Grundsätzlich ist Gartenfachberater Volker Croy überzeugt: "Zugluft schadet deutlich mehr als Heizungsluft oder anhaltende Kälte." Doch gerade im Winter ist Lüften in den Wohnräumen wichtig. Die Pflanzen sollten also vorher möglichst in Sicherheit und nach dem Lüften zurück an ihren Platz gebracht werden. Ein Kälteschock kann sonst dazu führen, dass die Pflanze geschwächt wird.

Eine Grünlilie steht im Zug eines gekippten Fensters.
Zimmerpflanzen sollten keiner direkten Zugluft ausgesetzt werden. Bildrechte: MDR/Estha Taddigs

Dadurch werden sie anfällig für Schädlinge. Die häufigsten Zuglufterscheinungen sind laut Croy Wollläuse und Schildläuse. "Die ersten sehe ich nicht", sagt er. Pflanzenbesitzer werden meist erst auf den Befall aufmerksam, wenn sich die unliebsamen Gäste ausgebreitet haben. Eine regelmäßige Kontrolle aller Blätter hilft dabei, früh eingreifen zu können.

Wolllaus auf einem Blatt  3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gießen? Ja, aber wenig

Wenn Pflanzen bei niedrigen Temperaturen von etwa 12 bis 18 Grad stehen, ist es wichtig, dass sie nicht zu oft gegossen werden. Ihr Stoffwechsel fährt herunter. Sie wachsen bei diesen Temperaturen kaum und brauchen deshalb weniger Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Wasser.

Daher kann es durchaus passieren, dass einige Pflanzen bei Temperaturen um die 17 Grad Celsius einige ihrer Blätter abwerfen, um den Stoffwechsel weiter zu reduzieren. Dazu gehören zum Beispiel Farne oder Euphorbien, wie die Spuckpalme, erklärt Ziergärtnerin Emily Cox. Die Pflanzen sind in diesem Fall also nicht krank, sie haushalten lediglich mit ihrer Energie.

Eine Spuckpalme steht auf einer Fensterbank über einer Heizung. Eines ihrer Blätter ist braun.
Diese Spuckpalme stößt bereits ein erstes Blatt ab. Bildrechte: MDR/Estha Taddigs

Volker Croy empfiehlt im Winter Gießwasser, das bereits ein paar Tage älter ist: "So kann sich noch etwas Sauerstoff im Wasser anreichern und es bekommt Zimmertemperatur." Der Sauerstoffgehalt im Wasser sei bei kälteren Temperaturen im Wohnraum besonders wichtig. Gießen Sie zu viel, steht die Pflanze im Zweifelsfall eine ganze Weile in Wasser, aus dem sie bereits den gesamten Sauerstoff aufgenommen hat. Sie würde also ersticken. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, taucht die Pflanze in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen und lässt sie dann noch etwa eine Stunde zum Abtropfen stehen.

In der Winterzeit gilt also folgende Regel: Pflanzen mit wenig Wasser gießen, welches viel Sauerstoff enthält und Zimmertemperatur hat.

Wasserspartipp: Fangen Sie vor dem Duschen das kalte Wasser auf, während Sie auf warmes warten. Lassen Sie es ein paar Tage stehen und nutzen Sie es zum Gießen.

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Eine gesunde Schefflera-Pflanze Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

MDR Garten (eta)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 04. Dezember 2022 | 08:30 Uhr

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