Opernmagazin Spezial Humperdinck und Tschaikowsky: Das spielen Theater in Chemnitz, Halberstadt und Gera im Advent

Für viele Theater ist der Advent die wichtigste Zeit im Jahr – denn nur selten sind die Auslastungszahlen besser. Viele Schulklassen nutzen die Zeit für einen Besuch im Theater und auch Familien wollen besinnliche Momente in den Kulturinstitutionen erleben. Dafür haben sich auch die Häuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein besonderes Programm überlegt. MDR KLASSIK hat stellvertretend einer Auswahl wichtiger Produktionen zusammengestellt.

Zwei Sängerinnen gehen Hand in Hand über die blau beleuchtete Bühne.
In Gera wandern Hänsel und Gretel durch Traumwelten. Bildrechte: Ronny Ristok

Opernklassiker: "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck 

Dass Engelbert Humperdinck ein Verehrer von Wagner war, ist seinem bekanntesten Werk durchaus anzuhören, immerhin finden sich immer wieder romantische und tondichterische Passagen. Dennoch entstand dieses Werk eher zufällig: Als Humperdinck für den familiären Kreis einige Kinderlieder niederschrieb, sie zu einem Singspiel ausweitete und später in seine Oper einarbeitete, die in ihrer Verbindung von Musikdramatik und volksliedhaftem Charakter fast schon einzigartig ist. Dass sie am 23. Dezember 1893 in Weimar uraufgeführt wurde, machte die Märchenoper wirklich zum Weihnachtsstück. 

Humperdincks Märchenoper mit viel Bühnenzauber in Gera 

Das Theater Altenburg-Gera hat das Werk zwölf Jahre nicht gespielt und nun scheint das ganze Haus begeistert, den Klassiker wieder auf dem Spielplan und im Repertoire zu haben. Die Inszenierung von Intendant Kay Kuntze und in der Ausstattung von Duncan Hayler setzt dafür auch ganz auf das Märchenhafte und Magische. Mit Fantasie und cleveren Verwandlungen begleiten sie die Kinder in ein Traumwelt, in der sie ihre Sorgen überwinden können. Die Titelrollen werden von Mitgliedern des Opernstudio übernommen und besitzen daher auch stimmlich eine wunderbare Jugendlichkeit.

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In der Inszenierung von Kay Kuntze und der Ausstattung von Duncan Hayler.
Es spielt das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera unter der Leitung von Ruben Gazarian oder Thomas Wicklein

Termine:
16. Dezember, 19.30 Uhr
17. Dezember, 14.30 und 19.30 Uhr
23. Dezember, 18 Uhr
25. Dezember, 16 Uhr

Moderner Ansatz für Hänsel und Gretel im Harz 

Marco Misgaiski entwirft ein sehr modernes und zeitgenössisches Szenario: Die Geschwister leben nicht in einer heruntergekommenen Hütte, stattdessen steht eine Designer-Couch auf der Bühne. Dennoch sind die Kinder arm – an Zuneigung. Die Hexe ist hier von Anfang als gruseliger Clown präsent, als verführerische Gefahr. "Regina Pätzer und Bénédicte Hilbert singen ihre Titelheldinnen-Rollen grandios, ihre Stimmen sind voller frischer Leichtigkeit und in allen Passagen sicher", urteilte Uwe Kraus in der Mitteldeutschen Zeitung zur Premiere.

In einer Szene "Hänsel und Gretel" scheint der Hexe  der Besen weggenommen zu werden.
Am Nordharzer Städtebundtheater wird die klassische Geschichte aktualisiert. Bildrechte: Nordharzer Städtebundtheater

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In der Inszenierung von Marco Misgaiski und der Ausstattung von Gretl Kautzsch.
Es spielen die Harzer Sinfoniker unter der Leitung Fabrice Parmentier

Termine:
8. Dezember, 19.30 Uhr in Salzwedel
11. Dezember, 15 Uhr in Halberstadt
17. Dezember, 17 Uhr in Güstrow
25. Dezember, 18 Uhr in Halberstadt

Bildgewaltige Inszenierung von "Hänsel und Gretel in Leipzig 

Auch die Inszenierung von Birgit Eckenweber läuft bereits seit 2010. Die Regisseurin modernisierte die Märchenoper nur bedingt: Die Ausstattung von Alexander J. Mudlagk lässt die Familie ganz in orange Auftreten und schuf Bühnenräume, die traumhaft und dabei symbolistisch reduziert wirken. Doch dann tritt der Weihnachtszauber in Form eines ganz klassischen Lebkuchenhauses auf. Mit dem Gewandhausorchester im Graben können auch die Wagnerschen Anteile des Werks ordentlich leuchten. 

Zwei Menschen in gelben Anzügen liegen aneinandergeschmiegt in einem Nest.
"Hänsel und Gretel" überzeugt in Leipzig mit großen Bildern. Bildrechte: Ralf Martin Hentrich

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In der Inszenierung von Birgit Eckenweber und der Ausstattung von Alexander J. Mudlagk
Es spiel das Gewandhausorchester unter der Leitung von Lukas Beikircher oder Johannes Debus

Termine:
18. Dezember, 17 Uhr
19. Dezember, 11 und 18 Uhr
20. Dezember, 11 Uhr
26. Dezember, 15 Uhr

Ballettklassiker: "Der Nussknacker" von Peter Tschaikowsky 

Der andere große Klassiker der Vorweihnachtszeit ist das Ballett "Der Nussknacker" mit Musik von Peter Tschaikowski – ein Klassiker, der fast schon prototypisch für das Ballett steht. Sicherlich hat fast jeder in der westlichen Welt schonmal ein Stück aus dieser Komposition gehört und viele denken bei Ballett genau an dieses Stück. Es basiert auf der Erzählung "Nussknacker und der Mäusekönig" des romantischen Dichters E.T.A. Hoffmann. Ein fantasiereiches Märchen, in dem sich auch die Abgründe und Bestrebungen der Menschheit zeigt.  

Klassische Choreografie für Ballettklassiker in Chemnitz 

Die Choreografin Sabrina Sadowska greift immer wieder gerne auf das klassische Bewegungsmaterial des romantischen Balletts zurück, so auch in ihrer Adaption des "Nussknackers". Sie hat den Klassiker nur ganz sanft modernisiert und die Geschichte um einige Jahre näher an unsere Zeit gerückt, an den Beginn des 20. Jahrhunderts. So konnte sie den Klassiker etwas entstauben, aber ihm trotzdem sehr treu bleiben mit großen Ballszenen, klassisch anmutenden Pas de Deux‘ und vielen Pirouetten. 

Ein Paar steht vor einem reich geschmückten Weihnachtsbaum. Im Vordergrund tanzt ein Frau mit weißem Kleid und einer Mäusenase.
Die Choreografie in Chemnitz ist ganz klassisch. Bildrechte: Nasser Hashemi

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Choreografie von Sabrina Sadowska
Es spielt die Robert-Schumann-Philharmonie unter Dan Raţiu oder Diego Martin-Etxebarria

Termine:
11. Dezember, 14 Uhr
11. Dezember, 19 Uhr
14. Dezember, 18 Uhr
15. Dezember, 18 Uhr
16. Dezember, 19 Uhr
22. Dezember, 19 Uhr
23. Dezember, 16 Uhr
25. Dezember, 15 Uhr
25. Dezember, 20 Uhr

"Nussknacker" mit viel Spaß in Eisenach und Meiningen 

Andris Plucis leitet das Tanz-Ensemble in Südthüringen bereits seit einigen Jahren und arbeitet am liebsten mit großen Gruppen. Doch regelmäßig greift er auch auf klassische Handlungsballette zurück, bei denen er sich mehr auf die Geschichte, denn auf eine abgehobene Tanzkunst konzentriert. So spielt auch seine Inszenierung des "Nussknackers" mit viel Humor wenn die Tänzerinnen die Trompetenstöße Mimen und die Ensemble-Mitglieder immer wieder ineinanderlaufen. Dazwischen gibt es aber trotzdem immer wieder Momente reinen Tanzes, der zwischen Klassik und Moderne steht, geprägt von einer großen Leichtigkeit. 

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Choreografie von Andris Plucis
Es spielt die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach unter der Leitung von Tamara Lorenzo Gabeiras

Termine:
in Eisenach
6. Dezember, 19.30 Uhr
7. Dezember, 19.30 Uhr
26. Dezember, 19.30 Uhr

in Meiningen:
28. Dezember, 19.30 Uhr

Gelesen in Annaberg-Buchholz 

Das Eduard-von-Winterstein-Theater hat kein eigenes Tanzensemble und kann den Klassiker auch nicht in der üblichen Form. Stattdessen liest und spielt Asia Schreiter die Geschichte mit kleinen Details, während drei Mitglieder des Orchesters hinter ihr sitzen und die berühmte Musik des russischen Komponisten spielen. Eine schöne Art, die Geschichte kennenzulernen, doch in der Kammerfassung kann die Komposition Tschaikowskys nur bedingt ihre Wirkung entfalten.

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Inszenierte Lesung mit einem Text von Annelen Hasselwander und mit Musik von Peter Tschaikowsky

Termine:
4. Dezember, 11 Uhr
18. Dezember, 11 Uhr 
28. Dezember, 10 Uhr

Neues Musiktheater für Kinder 

Für viele Häuser ist die Weihnachtszeit auch eine wunderbare Gelegenheit, junges Publikum für das Theater zu begeistern – und das eben nicht nur mit Klassikern aus dem 19. Jahrhundert sondern auch mit neuen Stoffen. Auf den Opernspielplänen finden sich in der Adventszeit daher auch Kinderopern von zeitgenössischen Komponisten. 

"Die Königin der Farben" am DNT Weimar 

Nacheinander ruft das Kind im Spiel Farben zu, um dann doch wieder festzustellen, dass etwas stört. Also schickt sie sie wieder weg und ruft den nächsten Spielgefährten, in der Hoffnung endlich die beste Farbe zu finden. André Kassel hat das Kinderbuch von Jutta Bauer im Auftrag des Deutschen Nationaltheaters Weimar in eine Oper verwandelt. Dabei singt die Protagonistin meist in einem Parlando, das sich aber auch mit expressiven Ausbrüchen und ohrwurmartigen Melodien abwechselt. Der Clou besteht jedoch darin, dass die Farben von den Instrumenten verkörpert werden und die Musikerinnen und Musiker gleichzeitig szenisch aktiv werden müssen. 

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Musiktheater von André Kassel nach dem Bilderbuch von Jutta Bauer

Termine:
6. Dezember, 10 Uhr
27. Dezember, 10 Uhr

"Das schlaue Gretchen" an der Semperoper Dresden 

Der tschechische Komponist Martin Smolka ist vor allem für seine sinfonischen Werke bekannt. Die sind vor allem figurativ, zurückgenommen und reduziert, meist geprägt von perkussiven Elementen. Doch er hat auch die Oper „Das schlaue Gretchen“ nach einem nicht so bekannten Grimm-Märchen komponiert. Wie in „Die kluge Bauerstochter“ muss Gretchen in der Fassung des Librettisten Klaus Angermann eine schier unlösbare Aufgabe eines Königs lösen. Dabei kann das Publikum mitraten. 

Weitere Informationen

 Kinderoper von Martin Smolka mit einem Libretto von Klaus Angermann

Termine:
22. Dezember, 16 Uhr
23. Dezember, 16 Uhr
26. Dezember, 14 Uhr
28. Dezember, 16 Uhr
29. Dezember, 16 Uhr

Viel Tanztheater über märchenhafte Stoffe 

Neben den Opern-Ensembles nähern sich auch die Ballett- und Tanz-Ensembles märchenhaften Stoffen in neuen Choreografien. Dabei steht vor allem eine bunte, anregende Gestaltung im Vordergrund, die das junge Publikum für das Tanztheater begeistern soll. Gleichzeitig ist da auch der Wunsch, durch Bewegungen eine Geschichte zu erzählen, die berührt. 

"Elisa und die wilden Schwäne" am Theater Chemnitz 

Große, papierne Elemente fahren vom Bühnenhimmel herab und bilden die Szene. Die Ballettchefin Sabrina Sadowska erzählt, dass sie mit ihrem Ausstatter eine Art Bilderbuch auf der Bühne erschaffen wollte, bei dem auch die Magie des Theaters sichtbar wird. So erzählt sie das Märchen „Elisa und die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen, eines der wenigen mit Happy End, in dem eine junge Prinzessin lange Qualen durchstehen muss, um ihre zu Schwäne verwandelten Brüder befreien zu können. Das Ensemble bewegt sich, wie so oft beim Chemnitzer Ballett, mithilfe des klassischen Bewegungsrepertoire: gestreckte Beine, die Fee dreht sich auf Spitze und die Brüder springen hoch in die Luft, als könnten sie wirklich fliegen. 

Weitere Informationen

Choreografie von Sabrina Sadowska nach einem Märchen von Hans Christian Andersen
Mit Musik unter anderem von Edward Grieg und Ralph Vaughn-Williams

Termine:
21. Dezember, 10 Uhr

"Der Froschkönig" in Halberstadt und Quedlindburg 

Grimms "Der Froschkönig" ist ein etwas albernes Märchen – eine Prinzessin lässt beim Spielen eine goldene Kugel aus Versehen in einen Brunnen fallen und plötzlich wohnt ein Frosch im Schloss. Auch die Choreografin Gabriella Gilardi hat sich in ihrer Tanzadaption auch einige Scherze erlaubt, lässt die Tänzer wie Frösche über die Bühne hüpfen. Doch dann ändern sich die Bewegungen, streben immer weiter in die Höhe. Denn Gilardi will auch eine Geschichte des Erwachsen werdens erzählen, wie zwei Menschen zusammenfinden und füreinander Verantwortung übernehmen. 

Weitere Informationen

Eine Choreografie von Gabriella Gilardi
Mit Musik von Sebastian Bund

Termine:
6. Dezember, 10 Uhr in Quedlinburg
7. Dezember, 10 Uhr in Halberstadt
10. Dezember, 15 Uhr in Eisleben
13. Dezember, 10 Uhr in Straßfurt
14. Dezember, 10 Uhr in Halberstadt
15. Dezember, 10 Uhr in Quedlinburg
16. Dezember, 16 Uhr in Wittenberg
18. Dezember, 18 Uhr in Halberstadt
23. Dezember, 17 Uhr in Quedlinburg
25. Dezember, 15 Uhr in Quedlinburg

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 03. Dezember 2022 | 20:05 Uhr

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