Der Redakteur | 16.06.2022 Wieso können Amateurfunker UKW-Radio auch über große Entfernungen empfangen?

Timo Metso aus Valkeala in Finnland ist Funkamateur und hat MDR THÜRINGEN über UKW gehört. Wie ist das möglich bei einer Entfernung von 1.500 Kilometer?!

Mehrere Männer sitzen über Eck an Tischen auf denen ganz viel Technik steht. Sie sehen konzentriert aus. An einer Wand hängen vier Weltkarten
Hier wird in die ganze Welt gefunkt und manchmal sogar bis zur ISS. Bildrechte: MDR/Carmen Ullmann

1.500 Kilometer sind für einen UKW-Sender eigentlich nicht zu schaffen. Ultrakurzwellen breiten sich quasi wie ein Lichtstrahl aus, wenn man sie empfangen will, muss man grob Sichtkontakt haben. Denn die Ultrakurzwelle krümmt sich nicht mit der Erdkrümmung mit, weshalb sie irgendwann im Nirwana verschwindet.

Ausnahme: Besonders im Frühjahr und Frühsommer entsteht durch Ionisierung von Gasschichten in rund 100 Kilometer Höhe durch die Sonne eine Art "Lichtleiter", ein XXL "Glasfaserkabel" oder Reflexionsfläche. Und dann sind wir bei der physikalischen Weisheit Einfallswinkel = Ausfallswinkel, die das UKW-Signal von oben wieder weiter Richtung Erde schickt - und fertig ist die Überreichweite.  

Das ist wie beim Eishockey, wenn man den Puck gegen die Bande spielt, kommt er im selben Winkel wieder zurück. Hier geht es einmal hoch und einmal runter.

Björn Bieske, Ortsverbandsvorsitzender der TU Ilmenau vom Deutschen Amateur-Radio-Club

Und wenn man sich dort befindet, wo die Strahlen landen, kann man sich glücklich schätzen und eben MDR THÜRINGEN hören und das durchaus auch in 2.500 bis 3.000 Kilometern Entfernung. Beinahe wöchentlich erreichen uns Bitten bezüglich einer Empfangsbestätigung, denen wir gern nachkommen und somit Menschen glücklich machen - zum Beispiel in Irland und Nordirland, Lettland, Österreich oder der Ukraine. Und immer wieder ist auch Finnland dabei, dorthin scheinen die Winkel besonders günstig zu sein.

Funkstation wird eingeschaltet 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Diesen Teil des MDR-THÜRINGEN-Programms konnte Funkamateur Timo Metso in Valkeala in Finnland hören.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 16.06.2022 15:40Uhr 00:36 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-funken-mdr-finnland-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Fürs Sammlerherz: Empfangsbestätigungen

Nun sind wir natürlich nicht der einzige Sender, der das Interesse der Funkamateure weckt. Diese sammeln quasi statt Briefmarken Empfangsbestätigungen aus aller Welt und sind dann interessiert am Rufzeichen der Station (MDR THÜRINGEN), dem Standort (Inselsberg), der von der Internationalen Fernmeldeunion vergebenen ITU-Zone (28) und der nicht ganz so feingliedrigen, aber im Amateurfunk gebräuchlichen CQ-Zone (14).

In beiden Fällen ist die Erde jeweils in Zonen eingeteilt, bei CQ sind es 40 Zonen, bei der ITU 90. Und dann ist noch die Ausrüstung interessant. Also: Mit welchem Gerät wird gefunkt und mit welcher Leistung. Hier können wir unsere Empfangsbestätigungen für die Freunde in aller Welt also durchaus noch erweitern.

Empfangsschreiben Amateurfunk
Solche Empfangsschreiben sammeln Amateurfunker. Bildrechte: MDR/Thomas Becker

Was sammelt man noch so in der Luft?

Statt der Signale von Radiosendern können auch die Signale anderer Funkstationen oder Funker gesammelt werden. Björn Bieske, der wegen der Kürze und wegen des "ö" nur unter "Ben" firmiert, ist als Ortsverbandsvorsitzender der TU Ilmenau vom Deutschen Amateur-Radio-Club mit seinen Mitstreitern in diesem Bereich schon mehrfach Weltmeister geworden. Da geht's um Punkte, die durch das Senden und Empfangen von Signalen unterschiedlichster Stationen gesammelt werden können. Und am Ende gibt es eben einen Sieger.

Aber die Funkamateur-Vereine stellen auch Verbindungen zur Neumayer Station in der Antarktis her oder zur ISS und dann können zum Beispiel Schulklassen direkt ihre Fragen loswerden. Ansonsten ist der Amateurfunk ein sehr völkerverbindender, wenn auch unpolitischer Sport. Aber dort, wo er verboten ist oder unmöglich gemacht wird, ist es mit der Demokratie oft nicht so weit her, resümiert Björn Bieske.

Ein Mann dreht an einem Schalter. Vor ihm stehen viele technische Geräte mit ganz vielen Schaltern, Reglern und Tasten 26 min
Bildrechte: MDR/Carmen Ullmann

Funkdisziplin auf der Kurzwelle

Disziplin ist eine ganz wichtige Angelegenheit für einen Funkamateur. Technisch ist zwar vieles möglich, aber wer sich auf Frequenzen bewegt, die ein verbotener Raum sind - Stichwort Flugsicherung - der muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Ansonsten geht es über unseren Köpfen recht freundschaftlich zu.

Die Sprache ist auch kein Problem, man kommuniziert oft in Kürzeln miteinander. Die Zahl 55 bedeutet zum Beispiel "viel Erfolg", die 99 "bitte räumen Sie die Frequenz", 88 sind viele Küsse für die Damen und mit einer Zahl verabschiedet man sich gewöhnlich auch. Tschüss, bye bye, freundliche Grüße oder kurz: 73!

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. Juni 2022 | 15:40 Uhr

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