Der Redakteur | 22.03.2022 Grundwasser-Projekt zum Mitmachen soll Veränderungen erfassen

Beim Projekt "Unser Wasser" kann jeder mitmachen. Beteiligte können ein Foto von einem Flussarm oder Bächlein hochladen und damit helfen, den aktuellen Status unseres Grundwassers besser zu erfassen.

Ein Mädchen hält eine Hand in einen Fluß
Haben Sie einen kleinen Bach vor der Haustür? Dann können Sie beim Projekt "Unser Wasser" helfen. Bildrechte: imago/McPHOTO

Der ARD-Themenschwerpunkt "Unser Wasser" hat natürlich einen ernsten Hintergrund. Die trockenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, die Grundwasserspiegel sinken, viele Flüsse und Bäche führen stellenweise kein Wasser mehr. Doch wo genau? Und: liegt es immer am Klimawandel oder gibt es auch regionale Ursachen durch Eingriffe von uns Menschen?

Jeder kann mitmachen und möglichst in den nächsten 14 Tagen quasi seinen Bachlauf oder Flussarm vor der Gartentür inspizieren und fotografieren. Dann ganz einfach ein aktuelles Foto und – wenn verfügbar – ein Foto der gleichen Stelle von früher hochladen und ein paar Fragen beantworten, fertig.

Ein Mann misst den Grundwasserstand und liest dazu Daten wie z.B. die Ganglinie des Grundwassers aus 15 min
Bildrechte: dpa

Kleine Tiere halten Wasser sauber

Hinter diesem Projekt steht das Institut für Grundwasserökologie an der Universität Koblenz-Landau. Ihr Blick auf unser Grundwasser ist auch ein Blick auf die Tierwelt darin. Kleine Krebstierchen, ähnlich wie Wasserflöhe oder Hüpferlinge, Würmer, Schnecken und auch Muscheln. Also ähnliche Tiere, die auch in unseren Gewässern vorkommen, nur etwas andere Arten.

Nun ist unser Grundwasser eine wichtige Basis für unser Trinkwasser und die Vorstellung, dass das eigentlich das Badewasser diverser Lebewesen ist, hinterlässt doch ein leicht unangenehmes Gefühl. Zu Unrecht, ohne die Tierchen wäre unser Wasser nicht so sauber und wir könnten es gar nicht trinken.

Gemeiner Wasserfloh in einer vergrößerten Aufnahme.
Im Wasser leben kleinste Tiere - und das ist auch gut so. Bildrechte: IMAGO

Die Biologie hält das Wasser sauber, das ist die sogenannte Selbstreinigungskraft des Wassers.

Dr. Hans Jürgen Hahn Institut für Grundwasserökologie Uni Koblenz-Landau

Vorher-Nachher-Bilder hochladen

Die Wissenschaftler interessieren sich aber für das Projekt weniger für das Grundwasser, sondern konkret für das Oberflächenwasser, also unsere Flüsse und Bäche. Denn letztlich hängt natürlich alles irgendwie zusammen. Dazu ist es wichtig, Informationen aus den Regionen zu bekommen, Beobachtungen von Einheimischen, die oft genau wissen, wie es in ihrer Kindheit oder vor 10 Jahren hier ausgesehen hat. Der Fragebogen gibt diese Möglichkeit, entsprechend "Vorher-Nachher-Bilder" hochzuladen.

Warum interessieren sich Grundwasser-Experten für Flüsse?

Wenn es bergab geht mit unserem Wasser, dann ist auch immer ein Anteil Grundwasser mit dabei. Und wenn es lange nicht geregnet hat, dann muss man kein großer Experte sein um zu erkennen, dass das Fließgewässer von irgendetwas gespeist werden muss.

Die Schneeschmelze im Frühling ist eigentlich eine gute Sache für die Neubildung von Grundwasser, weil es langsam geht. Das ist wie ein sanfter Landregen, der Boden hat Zeit, das Wasser aufzunehmen und nach unten durchzureichen. Doch die Schneeschmelze gibt es leider nicht überall. Und wenn im Februar, März und April die Niederschläge fehlen, dann findet die eigentlich jahreszeitlich übliche Grundwasserneubildung nicht statt.

Ein Bach führt Hochwasser
Die Schneeschmelze ist der Freund des Grundwassers. Foto: Klettbach Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Dass Grundwasser abfließt und wieder neu entsteht, ist aber Teil des natürlichen Kreislaufs. Und es ist auch nicht so, dass uns irgendwie Wasser verloren gegangen ist. Der Süßwasseranteil an der Gesamtwassermenge der Erde beträgt rund drei Prozent, ein Drittel davon ist Grundwasser. Und mit dem Wasser ist es manchmal wie mit dem Geld, es haben mitunter andere.

Die Kreisläufe und Strömungsverhältnisse verändern sich, sagt Dr. Hahn. In bestimmten Regionen fällt mehr Regen, in anderen weniger und es verteilt sich übers Jahr auch anders, zum Beispiel mit Starkregenereignissen. Und Starkregen landet eher selten in den Grundwasserspeichern, der rauscht durch zum Meer. So wie vom massenhaften Transitverkehr auf der Autobahn die einheimischen Gastwirte auch selten etwas abbekommen.

Da muss man gucken, wie sieht es bei uns aus in der Gemarkung, wie steil sind die Flächen, mit was wird da gewirtschaftet, wie funktioniert eigentlich die Wasserabführung?

Dr. Hans Jürgen Hahn Institut für Grundwasserökologie Uni Koblenz-Landau

Restrukturierungen der Landschaft können zwar nicht gegen den Klimawandel helfen aber das Wasser letztlich abbremsen. Hecken einziehen, ist eine Möglichkeit. Ausgetrocknete Böden sind auch in Abhängigkeit von der Bodenart bzw. den Gesteinsschichten darunter, genauso wenig in der Lage, das Grundwasser zu speisen, wie gesättigte Böden. Was dann genau nötig ist, welche technischen Lösungen vielleicht helfen können, das muss man sich vor Ort sehr genau anschauen, sagt Dr. Hahn.

Wo braucht man Speicherbecken, wo sind Versickerungsbecken sinnvoll? Letztlich muss man auch schauen, wo die Landwirtschaft Beregnungsbedarf hat. Selbst wenn es uns gelingt, den Klimawandel irgendwann zu stoppen, die ersten Auswirkungen sind jetzt schon da und entsprechend müssen die Maßnahmen aussehen. Eine Blaupause gibt’s da aber nicht, sagt Dr. Hahn, deswegen müsse man regional oder lokal schauen. Und genau das ist der Sinn des Projekts. 

Quelle: MDR THÜRINGEN (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 22. März 2022 | 15:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/034ead36-dd79-423a-9198-ed9991a201dc was not found on this server.