GRIMBERG am 31. Juli 2018 Ax schreibt erfreulich über Feinstaub

Wenn der Journalist „ax“ auf der Website der „Stuttgarter Nachrichten“ seine Artikel schreibt, geht es eigentlich immer um Feinstaub: „Am Freitag wird die Luft im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte recht gut. (…) Auf einer Skala von 0 (sehr niedrig) bis 1 (extrem hoch) werden demnach 0,22 Punkte erreicht. Der Wert sagt uns, wie wahrscheinlich sich Feinstaub in der Luft ansammelt.“

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Feinstaub ist im engen Talkassel der baden-württembergischen Landeshauptstadt ein Problem, das Neckartor in Stuttgart ist wegen der hohen Belastung als die „dreckigste Kreuzung Deutschlands“ bekannt. Mit ihrem „Feinstaubradar“ informieren die „Stuttgarter Nachrichten“ regelmäßig über die Situation in allen Stuttgarter Stadtteilen und den Orten im Umland. Dafür wurde die Redaktion jetzt mit dem Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ausgezeichnet. Die ist zwar CDU-nah – das tut hier aber mal nichts zur Sache – der Lokaljournalistenpreis der „KAS“ ist so etwas wie ein Branchen-Oscar.

„Erfreulich“ ist sein Lieblingswort

„Im Schnitt wird die Luft am Freitag voraussichtlich ähnlich gut wie am Donnerstag. Da wurden im Tagesmittel 6,1 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen. Das ist ein guter Wert, der unter dem EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm liegt. Zwischen 6 und 7 Uhr wurden 6,9 Mikrogramm gemessen – das war die höchste Belastung im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte am Donnerstag. Laut der Weltgesundheitsorganisation wird es für Menschen bei Werten über 20 Mikrogramm langfristig ungesund. Die staatliche Landesanstalt für Umwelt (LUBW) hat am Donnerstag an der nächstliegenden Messstelle (Am Neckartor) im Tagesschnitt 25,643 Mikrogramm gemessen“, liest sich der Text von „ax“  dann konkret auf der Website zur Situation in der Innenstadt weiter. Oft findet „ax“ gute Werte auch „erfreulich“. Denn der Kollege „ax“ ist keine Journalistin aus Fleisch und Blut – sondern ein Roboter. Und wahrscheinlich der Erste seiner Zunft, der mit einem Journalistenpreis bedacht wurde.

Schweden ist schon viel weiter

„Automated content“ heißt das als Fachbegriff. Der Textroboter ist dabei längst kein Einzelfall mehr – auch nicht im Lokalen. Vor allem in Skandinavien sind viele Medienhäuser der Entwicklung hierzulande weit voraus. Beispielsweise beim schwedischen Verlag Mittmedia, der über zwei Dutzend regionale Zeitungstitel herausgibt. Hier ist der Kollege Bot schon länger ein geschätzter Mitarbeiter. Mittmedia investiert massiv in Datenerhebung und –analyse im Lokalen, so Robin Govik, Chief Digital Officer bei Mittmedia, im Juni bei einer Branchenkonferenz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Die Mittmedia-Titel berichten über jedes Haus, das im Erscheinungsgebiet verkauft wird, nennen Verkäufer, Käufer und Preis (in Schweden ist das zulässig). Sie thematisieren alle Geschäfte, Unternehmen, Restaurants, die öffnen, schließen oder Insolvenz anmelden. Und beim Sport wird online über jedes Spiel in gleich einem knappen Dutzend Sportarten berichtet. Macht allein beim Fußball über 400 Teams in über 50 Ligen. „We cover them all“, sagt Govik stolz. Als Autorenzeile steht dann da: Mittmedia textrobot.