Corona-Newsletter | Freitag, 30. September 2022 Das ist der Corona-Plan für den Winter

Bild einer jungen Frau
Bildrechte: Martin Neuhof

Bundesweit gibt es wieder mehr Corona-Fälle. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist die 7-Tage-Inzidenz sprunghaft angestiegen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler blicken dennoch vorsichtig optimistisch Richtung Herbst und Winter. Grund dafür sind Impfungen, das Medikament Paxlovid, Corona-Daten und neue Schutzmaßnahmen ab Oktober.

Frau mit FFP2 Maske spiegelt sich in Bahnfenster
Masken gehören auch in diesem Herbst und Winter wieder dazu. Bildrechte: dpa

Guten Abend,

haben Sie auch gerade mit einer laufenden oder verstopften Nase zu kämpfen? Dann geht es Ihnen wie Millionen Menschen in Deutschland, die laut Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) seit der vergangenen Woche eine Atemwegserkrankung haben. In den meisten Fällen sei das nur ein Schnupfen, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Auf Platz zwei der festgestellten Erkrankungen ist laut Wieler jedoch: Corona. Die Fallzahlen sind in den vergangenen Tagen sprunghaft angestiegen. Dazu später mehr.

Gesundheitsminister Lauterbach sagte bei der Pressekonferenz: "Wir befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle." Er sei jedoch optimistisch, dass Deutschland sie bewältigen könne. Auch RKI-Präsident Wieler sagte, er habe keine "riesige Sorge".

Was die Gründe für Lauterbachs und Wielers vorsichtigen Optimismus sind und wie berechtigt der ist, das schaue ich mir heute an.

Optimismus-Grund 1: Die Impfung

Lauterbach hofft, dass sich mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. Vor allem bei Personen über 60 Jahren, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) bereits eine vierte Impfung empfiehlt, gibt es Lauterbach zufolge große Impflücken. Die vierte Impfung könne aber – auch im Vergleich zum ersten Booster – deutlich dazu beitragen, nicht an einer Covid-Erkrankung zu sterben.

Im August, kurz nach der Stiko-Empfehlung für den Booster ab 60, haben wir im Newsletter Ihre Fragen rund um die Impfung beantwortet.

Mittlerweile empfiehlt die Stiko Impfstoffe, die an die Omikron-Varianten BA.1 und Ba.4/5 des Coronavirus angepasst sind.

In Sachsen werden die angepassten Impfstoffe ab Oktober verimpft. Laut Deutschem Roten Kreuz können Personen ab zwölf Jahren den Booster bekommen.

Dem Omikron-Booster ab zwölf Jahren empfiehlt auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Was die Impfstoffe bringen, erfahren Sie hier.

Mehrere Studien zeigen, dass die Impfung auch bei der Omikron-Variante die Wahrscheinlichkeit senkt, dass man sich mit dem Coronavirus ansteckt oder einen schweren Krankheitsverlauf hat. Wer im Sommer trotz Impfung an Covid-19 erkrankt ist, kann laut Empfehlung der Stiko noch etwas mit dem Booster warten: Im Normalfall sollen sechs Monate zwischen Genesung und Impfung liegen.

Wie hoch die Impfquote in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt aktuell ist, erfahren Sie im Zahlen-Block. Wie sie sich entwickelt, wird sich zeigen. Lauterbach kündigte an, dass in wenigen Wochen eine neue Impfkampagne starten soll. Die hatte er im Sommer allerdings schon für Ende September in Aussicht gestellt.

Optimismus-Grund 2: Paxlovid

Lauterbach setzt weiter auf das Medikament Paxlovid. Das soll vor allem Risikogruppen vor einem schweren Verlauf schützen. Paxlovid ist seit Ende August nicht mehr nur in Apotheken erhältlich, sondern Patientinnen und Patienten können es direkt in der Arztpraxis bekommen.

Bis dahin hatten sich eine Million Packungen des Medikaments, die der Bund bestellt hatte, als Ladenhüter erwiesen. Seitdem Ärztinnen und Ärzte Paxlovid selbst ausgeben dürfen, wird es deutlich häufiger verschrieben, berichtet die Deutsche Apothekerzeitung mit Verweis auf Daten des Bundesgesundheitsministeriums.

In klinischen Studien hatten Corona-Patienten, die Paxlovid bekommen haben, fast 90 Prozent seltener schwere Verläufe als Patientinnen und Patienten, die die Erkrankung ohne das Medikament durchmachten. Ein Wundermittel für die gesamte Bevölkerung ist es allerdings nicht: Neben häufigen Nebenwirkungen wie Durchfall, Erbrechen oder Kopfschmerzen gibt es laut Packungsbeilage zahlreiche Medikamente, mit denen Paxlovid nicht eingenommen werden sollte.

Optimismus-Grund 3: Daten

Gesundheitsminister Lauterbach sagte, in diesem Jahr gebe es bessere Daten zum Infektionsgeschehen. Unter anderem solle das Abwasser auf Coronaviren untersucht werden. Studien zeigen, dass mit Hilfe von Abwassermonitoring sowohl ermittelt werden kann, wie verbreitet das Coronavirus ist, als auch, welche Virusvarianten sich entwickeln.

Bislang gab es in Deutschland nur Pilotprojekte, um Abwasser auf Coronaviren zu untersuchen. Jetzt ist im Pandemieradar des RKI bereits ein Feld für die Abwasser-Viruslast zu finden. Daneben sollen Daten wie die Kapazität von Krankenhäusern, Notaufnahmen und belegbaren Betten im Herbst und Winter dabei helfen, auf das Pandemiegeschehen zu reagieren.

Optimismus-Grund 4: Schutzmaßnahmen

Die vierte Säule, die Lauterbach nannte, um auf die beginnende Herbstwelle zu reagieren, ist das Infektionsschutzgesetz. Ab morgen gilt es deutschlandweit bis zum 7. April 2023. Es beinhaltet Basis-Schutzmaßnahmen, gibt den Ländern aber die Möglichkeit, strengere Corona-Regeln festzulegen, wenn das Gesundheitssystem oder kritische Infrastruktur bedroht ist.

Corona Stufenplan des Bundes
Laut Stufenplan des Bundes können in den Ländern strengere Corona-Regeln gelten, wenn die Pandemielage das erfordert. Bildrechte: Bundesgesundheitsministerium

Einschränkungen stoßen nicht bei allen auf großes Hurra. Diese Rückmeldung habe ich von einem Leser bekommen, der mich unter anderem auf ein Gutachten verwiesen hat, das das Bundesgesundheitsministerium bei einem Sachverständigenausschuss in Auftrag gegeben hat. In dem Gutachten, das im Sommer erschienen ist, haben 18 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen auf mehr als 100 Seiten bewertet, was die Schutzmaßnahmen in den ersten zwei Corona-Jahren gebracht haben.

Ihr Fazit lässt sich weder als jubelndes Befürworten noch als strikte Ablehnung der Corona-Maßnahmen einordnen. Das liegt dem Gutachten zufolge zu einen daran, dass schlicht die Daten fehlen, um sich festzulegen. Zum anderen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Masken, Kontaktnachverfolgung, Lockdown und die 2G/3G-Regeln des letzten Winters das Pandemiegeschehen eindämmen konnten. Sie erkennen aber auch an, dass die Pandemie negative psychosoziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen hatte.

Den Corona-Regeln, die ab Oktober gelten, steht anscheinend ein Großteil der Bevölkerung positiv gegenüber. Dem ZDF-Politbarometer zufolge finden mehr als 70 Prozent der Befragten die Schutzmaßnahmen genau richtig. Was die Regeln schließlich bewirken und wie gut die Länder auf die Pandemielage reagieren, werden die kommenden Wochen und Monaten zeigen.

ZDF Politbarometer zu Corona-Regeln vom 30.9.2022
Laut ZDF-Politbarometer ist die Zustimmung zu den Corona-Regeln aktuell groß. Bildrechte: ZDF

Fazit: Unentschlossen

Mir persönlich fällt es schwer, mir eine abschließende Meinung zu bilden. Mir macht vor allem Punkt 3 Hoffnung: Daten, die Aufschluss über das Pandemiegeschehen geben, die schnelles Reagieren ermöglichen und die hoffentlich anschließend ausgewertet werden.

Was denken Sie? Wie kommen wir gut durch den Herbst und Winter? Was macht Ihnen Hoffnung? Antworten Sie gerne an corona-newsletter@mdr.de.

Auf einen Blick: die aktuellen Zahlen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die 7-Tage-Inzidenz deutlich angestiegen. Bundesweit liegt sie demnach bei 466 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb einer Woche.

In Mitteldeutschland ist die Inzidenz laut RKI besonders in Sachsen (454,2) und Sachsen-Anhalt (402,3) gestiegen – jeweils um über 100 innerhalb von einer Woche. In Thüringen ist die Inzidenz ebenfalls gestiegen, allerdings langsamer, auf aktuell 393,9.

Die bundesweit höchste 7-Tage-Inzidenz hat dem RKI zufolge das Saarland mit 790,8, gefolgt von Bayern (654,8) und Hessen (586,8). Die niedrigste Inzidenz hat demnach Hamburg mit einem Wert von 225,1.

Sachsen

  • Hospitalisierungsrate*: 9,82 (+4,03 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 46, davon 9 beatmet, 56 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 65,0 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 67,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 84 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 50,2 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 16.038 (+8 zu gestern)

Thüringen

  • Hospitalisierungsrate*: 10,57 (+4,84 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 16, davon 6 beatmet, 70 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 70,2 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 52,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 72,8 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,7 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 53,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 7.652 (+14 zu gestern)

Sachsen-Anhalt

  • Hospitalisierungsrate*: 10,19 (+3,27 zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 23, davon 9 beatmet, 36 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 74,0 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 53,0 Prozent
  • 18-59 Jahre: 78,0 Prozent
  • 60+ Jahre: 90,7 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 57,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.716 (+1 zu gestern)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt, schreibt das RKI. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Hospitalisierungsrate, aktive Fälle: RKI | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Kekulés Corona-Kompass 78 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was Sie außerdem wissen sollten

Die Geburtenrate ist in Deutschland in diesem Jahr zurückgegangen. Das könnte daran liegen, dass viele Menschen erst nach ihrer Corona-Impfung schwanger werden wollten.

Ob Long Covid auf Covid-19 folgt, ist bislang eine böse Überraschung. Eine Studie aus Großbritannien zeigt nun, dass Long Covid offenbar früh über das Blut festgestellt werden kann.

Zum Schluss

...wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende – ohne Schnupfen und hoffentlich auch ohne Corona.

Vielleicht träumen Sie wie Florian Zinner davon, endlich mal wieder in die Ferne zu reisen. Der Kollege von MDR WISSEN hat sogar schon einen Flug gebucht. Jetzt versucht er, sich die Reise auch aus Klimaschutzperspektive schön zu reden. Spoiler: Das klappt nicht besonders gut. Dafür gibt's in seinem Klima-Update Ausblicke, wie das Reisen und Fliegen der Zukunft aussehen könnte. Große Leseempfehlung!

Herzliche Grüße

Maren Wilczek

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 30. September 2022 | 12:00 Uhr

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