Hörer machen Programm Worauf es beim Umstieg von Gas auf Fernwärme ankommt

Fernwärme gilt als komfortabel und umweltschonend. Man braucht keinen Schornstein und keinen Wärmekessel. MDR-AKTUELL-Hörer Matthias Hünert aus Halle würde deshalb auch gern mit Fernwärme sein Reihenhaus beheizen. Doch für einen Anschluss ans Netz fehlt es an Angeboten der Stadtwerke.

Fernwärmeleitungen
Wegen der hohen Gaspreise wollen viele Verbraucher auf Fernwärme umsteigen – das ist aber nicht immer einfach. Bildrechte: IMAGO / imagebroker/puchinger

• Fernwärme in manchen Haushalten in Halle nicht möglich
Dresden will Fernwärmenetz erweitern
• Fernwärme in Leipzig nur unter bestimmter Vorraussetzung

Matthias Hünert sagt: "Wir wohnen in Halle in einem Reihenhaus direkt an der Fernwärmleitung nach Halle-Neustadt. Da aufgrund der baulichen Gegebenheiten in einem Reihenhaus Wärmepumpen, Solar-Anlage oder Pelletheizungen nur schwer zu installieren sind, wäre ein Anschluss an die Fernwärmleitung eine mögliche Alternative zum Gas. Leider gibt es von den Stadtwerken dazu keine Angebote. Warum ist das so? Und wie ist es in anderen Städten? Soweit ich weiß, werden in Dresden z.B. Einfamilienhäuser an die Fernwärme angebunden."

Fernwärme in manchen Haushalten nicht möglich

Dass Matthias Hünert nicht ans Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen werden kann, hat einen einfachen Grund: Unser Hörer lebt in Halle in einem Wohngebiet, das offenbar noch nicht für die Fernwärme erschlossen ist. Die Leitung, die an seinem Haus vorbeiführt, sei lediglich eine Transporttrasse für Fernwärme, so teilten es die Stadtwerke Halle auf eine MDR Aktuell-Anfrage mit. Mit dieser Trasse sei eine Versorgung aufgrund spezieller Druckverhältnisse nicht möglich.

Die Umstellung von Gas auf Fernwärme gehe nur schrittweise, so Iris Rudolph von den Stadtwerken Halle: "Mit den Erfahrungen der letzten 25 Jahre bedeutet dies, die kostenintensive Umstellung jeweils für ganze Stadtteile vorzunehmen und hier erstmal ausschließlich auf die Erschließung von Mehrfamilienhäusern zu setzen. Ein Anschluss von Einzelhäusern ist zu teuer und in-effizient, da beispielsweise für den Nachbarn, der nicht umgestellt werden möchte, das Gasnetz weiterbetrieben werden muss."

Sollte die Versorgung eines ganzen Wohngebietes im Halle mit Fernwärme neu geplant werden, müsste neben den Leitungen auch eine sogenannte Wärmeübertragungsstation gebaut werden, so Rudolph. Die Stadt bemühe sich aber, die Bürger mit umweltschonender und kostengünstiger Energie versorgen.

Dresden will Fernwärmenetz erweitern

Ähnlich ist die Situation in Dresden. Dort betreibt das Unternehmen SachsenEnergie ein Fernwärmenetz von 630 km Länge und liefert Fernwärme für 8000 Gebäude bzw. 130.000 Wohnungen, so Viola Martin-Mönnich von SachsenEnergie: "Weite Teile der Stadt vom Zentrum über die Neustadt bis hinaus nach Pieschen, teilweise Klotzsche, Gorbitz, Räcknitz und Prohlis bis in den Dresdner Osten. Insofern ein Gebäude im Bestandsgebiet liegt, kann ein Anschluss an das Fernwärmenetz problemlos erfolgen. SachsenEnergie wird das Fernwärmenetz in Dresden auch künftig verdichten und in bestimmten Gebieten erweitern."

Bedeutet: liegt ein Gebäude im Bestandsgebiet, liegen dort auch automatisch bereits die Leitungen. Ein Fernwärme-Anschluss ist möglich. Liegt das Gebäude außerhalb, geht das nicht.

Fernwärme in Leipzig nur unter bestimmter Vorraussetzung

So ist die Fernwärme-Situation auch in Leipzig. Auf eine MDR-AKTUELL-Anfrage teilten die Stadtwerke mit, dass im Moment circa ein Drittel des Leipziger Wärmebedarfs über Fernwärme gedeckt werde. Jeder könne sich problemlos anschließen lassen. Voraussetzung sei aber, dass in der betreffenden Straße Fernwärme-Leitungen mit ausreichender Kapazität liegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Juni 2022 | 06:21 Uhr

Mehr aus Deutschland

Mehr aus Deutschland