MDRfragt Karl-May-Festspiele: Ein Drittel hält die Darstellung der Indigenen für nicht mehr zeitgemäß

Seit Jahrzehnten erfreuen sich Karl-May-Festspiele großer Beliebtheit. Doch wie zeitgemäß sind die Aufführungen und vor allem die Darstellung der Indigenen darin heute noch? Dazu haben wir in Zusammenarbeit mit MDR Kultur für ein Podcast-Projekt die MDRfragt-Mitglieder nach ihrer Meinung gefragt. Das Ergebnis der Befragung mit knapp 23.000 Teilnehmenden: Ein Drittel hält die Darstellung nicht mehr für zeitgemäß. Außerdem wünscht sich mehr als die Hälfte, die Spiele sollten mehr über die tatsächliche Geschichte der amerikanischen Ureinwohner aufklären.

Zwei Männer im Indianerkostüm auf Pferden
Proben zu Karl-May-Spielen in Radebeul. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Zwar ist knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ansicht, dass die Darstellung der Indigenen bei Karl-May-Spielen heute noch zeitgemäß ist, ein Drittel tut dies jedoch nicht.

Zeitgemäßheit der Indigenen-Darstellung in Karl-May-Spielen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeder Zweite findet, die Bühnen sollten mehr über die Geschichte der Ureinwohner aufklären

Karl Mays Geschichten entspringen seiner Fantasie. Zwar recherchierte er in der einschlägigen Literatur seiner Zeit. Doch wie es wirklich im Wilden Westen war, konnte Karl May nicht wissen. Heute ist klar: Seine Darstellungen sind ungenau, oft fehlerhaft und von Klischees durchsetzt.

Etwas mehr als die Hälfte der befragten MDRfragt-Mitglieder findet deshalb, dass die Bühnen, die Karl Mays Geschichten spielen, ihre Reichweite nutzen sollten, um mehr über die tatsächliche Geschichte amerikanischer Ureinwohner aufzuklären. Ein gutes Drittel findet das jedoch nicht.

Mehr Aufklärung über Indigenen-Geschichte durch Festspielbühnen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Befragung zu Karl May ist Teil des Podcastprojekts "Winnetou ist kein Apache" von MDR KULTUR. Darin geht es um Fragen der kulturellen Aneignung und Rassismus bei heutigen Karl-May-Spielen. Mehr Informationen dazu finden Sie auf mdrkultur.de. Die erste Folge des sechsteiligen Podcasts finden Sie hier, täglich erscheint eine neue:

Cover für den Podcast "Winnetou ist kein Apache" 43 min
Bildrechte: MDR/Karl-May-Museum Radebeul

Drei Viertel denken, die Spiele erhalten das Kulturgut Karl May

Positiv bewerten die Teilnehmenden an den Karl-May-Spielen den Aspekt, dass sie das deutsche Kulturgut Karl May erhalten: 77 Prozent sind dieser Ansicht.

Festspiele erhalten Kulturgut Karl May
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Knapp die Hälfte findet, Mays Winnetou-Geschichten fördern die Völkerverständigung

Wenn es allgemein um Karl Mays Winnetou-Geschichten geht, sind 49 Prozent sind der Meinung, dass sie die Völkerverständigung fördern. Ein Drittel sieht das nicht so.

Mays Winnetou-Geschichten fördern Völkerverständigung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund die Hälfte meint, das Bild von Indigenen in Mays Winnetou-Geschichten ist unrealistisch

Wir wollten von den Teilnehmenden auch wissen, für wie realistisch sie das Bild der Indigenen und der damaligen Zeit in Karl Mays Winnetou-Geschichten halten. 51 Prozent finden es unrealistisch, etwas mehr als ein Drittel hält es für realistisch.

Wie realistisch ist das Bild von Indigenen in Mays Winnetou-Geschichten?
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr als die Hälfte meint außerdem: Mays Winnetou-Geschichten sind reine Märchen

Die Winnetou-Geschichten insgesamt betrachtet, sind 57 Prozent der Meinung, dass sie reine Märchen sind. Ein Drittel stimmt dem nicht zu.

Mays Winnetou-Geschichten sind reine Märchen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum Realismusgehalt in Karl Mays Geschichten haben uns die Teilnehmenden Kommentare geschickt:

Karl May war nach eigener Darstellung ein 'Lügner', ein Geschichtenerzähler, der die Weiten Amerikas, wie auch die des Nahen Ostens als Hintergrund seiner spannenden Geschichten brauchte. Die Realität interessierte ihn nur am Rande, und als er mit ihr bei einer real stattfindenden Reise konfrontiert war, war er sehr enttäuscht.

Enrico G., 48 Jahre, Bautzen

Ich fand es immer sehr spannend und aufregend. Auch geographisch hat es mich interessiert. Die Filme stellten natürlich nie die wahre Geschichte dar, sondern haben alles verniedlicht und heroisiert. Wie verbrecherisch man mit der indigenen Bevölkerung umgegangen ist, habe ich später in aller Deutlichkeit und Schrecklichkeit erkannt.

Rolf L., 72 Jahre, Nordsachsen

Mir ist schon bewusst, dass Karl May in seinen Romanen keine realen Ureinwohner-Geschichten geschrieben hat. Er hat sich, denke ich, inspiriert aus der Literatur seiner Zeit, doch hat dem ganzen Rollenbilder, Stereotypen und Klischees hinzugefügt. Mir ist das bewusst, aber ich glaube bei Weitem nicht, dass das alle Menschen auf Anhieb verstehen.

Lorenz M., 24 Jahre, Dresden

Es vermittelte einen Einblick in die nordamerikanische Urkultur.

Wolfgang A., 69 Jahre, Leipzig

Was richtig oder falsch in den Werken von Karl May dargestellt wurde - ich kann es nicht beurteilen. Denn ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht gelebt, und schon gar nicht in Amerika. Für mich war und ist es angenehme Lektüre bzw. schöne Filme.

Elke M., 60 Jahre, Wittenberg

Über diese Befragung Die Befragung vom 25.02.-01.03.2022 stand unter der Überschrift:
Karl Mays Winnetou - Wie zeitgemäß ist er heute noch?

Insgesamt sind bei MDRfragt 61.211 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 16.06., 11.30 Uhr).

22.753 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 280 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.381 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 9.702 Teilnehmende
65+: 9.390 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 11.905 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 5.579 (25 Prozent)
Thüringen: 5.269 (23 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 9.693 (43 Prozent)
Männlich: 13.013 (57 Prozent)
Divers: 47 (0,2 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.


Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | artour | 16. Juni 2022 | 22:20 Uhr