MDR-Handwerkerwoche Fakten zum Handwerk in Mitteldeutschland: Gehälter, Zentren, Frauenquote

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Die große MDR-Übersicht zum Handwerk in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zeigt, welche Handwerksberufe von Frauen dominiert werden, welche Gewerbe in welcher Region besonders häufig angesiedelt sind und wie sich Gehälter im Handwerk entwickelt haben.

Ein Handwerker hält einen Hammer beim Schmieden auf einem Amboss in einer spärlich beleuchteten Werkstatt.
Weit über 100 Berufe gehören zum Handwerk in Mitteldeutschland. Viele davon sind eine Männerdomäne, doch es gibt auch Ausnahmen. Bildrechte: MDR/unsplash/Malcolm Lightbody

So viele Menschen arbeiten im Handwerk

Das Handwerk beschäftigt in Mitteldeutschland insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen. In Sachsen-Anhalt sind es rund 139.000 Frauen und Männer, in Thüringen etwa 127.000 und in Sachsen knapp 288.000. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts liegt die durchschnittliche Betriebsgröße im Handwerk bei sieben bis neun Personen je Unternehmen. Je Mitarbeitenden wird dabei ein Umsatz von rund 103.000 € pro Jahr erwirtschaftet.

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen war im Zuge der Reformierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 zunächst spürbar angestiegen, mittlerweile ist Entwicklung aber stagnierend bis rückläufig:

Organisiert sind die Betriebe in sogenannten Handwerkskammern. Diese vertreten die wirtschaftspolitischen Interessen der Mitgliedsunternehmen und unterstützen beispielsweise bei Unternehmensgründung oder Unternehmensnachfolge. Zudem regeln die rund 50 Kammern in Deutschland die Berufsausbildung der Lehrlinge. Mitteldeutschland ist in folgende Kammerbezirke eingeteilt:

Sachsen-Anhalt
Handwerkskammer Magdeburg
Handwerkskammer Halle (Saale)

Sachsen
• Handwerkskammer zu Leipzig
Handwerkskammer Dresden
Handwerkskammer Chemnitz

Thüringen
Handwerkskammer Erfurt
Handwerkskammer für Ostthüringen
Handwerkskammer Südthüringen

Diese regionalen Handwerkszentren gibt es

Während einige Berufszweige gar nicht oder nur noch sehr selten vertreten sind – wie beispielsweise Steindrucker – sind andere Berufe sehr häufig vertreten. Das Handwerk mit den meisten Betrieben ist das der Friseure: Über 8.200 Unternehmen gibt es hier in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auf Platz zwei kommen die etwa 7.900 Betriebe der Kraftfahrzeugmechaniker und direkt dahinter mit ebenfalls rund 7.900 Firmen die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger.

Für bestimmte Berufe existieren regionale Zentren, also ein Landkreis beispielsweise, in dem sich viele Betriebe des gleichen Berufs angesiedelt haben. Im Vogtlandkreis im Südwesten des Freistaats Sachsen beispielsweise sind fast alle Bogenmacher-Betriebe versammelt, die heute noch existieren und Bögen sowie Zubehörteile für Streichinstrumente wie Violine oder Cello fertigen.

Die regionale Verteilung von über 140 Berufen können Sie sich in folgender Grafik nachsehen:

Wenig verwunderlich ist daher auch, dass sich viele Geigenbauer ebenfalls im Vogtlandkreis niedergelassen haben. Weitere Beispiele sind die Büchsenmacher in und rund um Suhl, die Drechsler im Erzgebirge oder die Feinoptiker im Eichsfeld.

Wie es um den Nachwuchs im Handwerk bestellt ist

Bürokratie, Lohnunterschiede, Berufsorientierung: Die Gründe für eine seit Jahren schleppende Suche nach neuen Auszubildenden sind vielfältig. Besonders deutlich wird das in Sachsen-Anhalt, wo die beiden Handwerkskammern rund ein Drittel weniger Azubis verzeichnen als noch vor zehn Jahren. Der einzige Lichtblick: Die Zahlen entwickeln sich momentan zumindest gleichbleibend. In Sachsen und Thüringen sind nach starken Rückgängen sogar wieder leichte Zugewinne zu beobachten:

Dass Abiturienten ins Handwerk gehen, ist in Sachsen-Anhalt aktuell eher selten der Fall. Einer dieser Ausnahmen ist Jonas Groth aus Halle. Er absolviert nach einem abgebrochenen Studium nun eine Ausbildung zum Schornsteinfeger:

Welche Berufszweige eine Männerdomäne sind – und welche nicht

Betrachtet man die aktuellen Azubi-Zahlen der Handwerkskammer, so zeigt sich insgesamt ein klarer Männerüberhang. Nur etwa 15 bis 20 Prozent der Auszubildenden sind weiblich. Doch hinter diesem Durchschnittswert stecken je nach Gewerbe recht unterschiedliche Geschlechterverhältnisse.

Das Bau- und Ausbaugewerbe, zu dem Berufe wie Maurer/-in, Dachdecker/-in oder Straßenbauer/-in zählen, ist eine klare Männerdomäne. Die Frauenquote in den mitteldeutschen Handwerkskammern liegt dort bei den Auszubildenden nur bei acht bis zehn Prozent. Ähnliches gilt für das Holzhandwerk, im Metall- und Elektrogewerbe ist die Quote sogar noch geringer.

Schaubild: Karriere im Handwerk
Bildrechte: Handwerkskammer Erfurt

Fast ausgeglichen ist das Geschlechterverhältnis hingegen bei Nahrungs- und Lebensmittelgewerbe. Hier überwiegen die angehenden Bäcker, Fleischer oder Fachverkäufer den weiblichen Azubis nur geringfügig. Klare Frauendomänen unter den handwerklichen Berufszweigen sind das Bekleidungs-, Textil- und Ledergewerbe sowie Berufe in der Gesundheits- und Reinigungsbranche. Hier liegt der Frauenanteil flächendeckend bei 60 bis 80 Prozent.

Was man im Handwerk verdienen kann

Zwischen den verschiedenen Berufsgruppen in Handwerk gibt es bei der Bezahlung deutliche Unterschiede. Wie groß diese sind, wie groß oder klein die Differenzen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sind und welche Gründe es für das Lohngefälle im Handwerk gibt, können Sie in dieser Übersicht nachlesen:

Quelle: MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | 18. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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