Nachgerechnet Was kosten Corona-Patienten?

Zum Höhepunkt der vierten Welle im Dezember lagen über 1.000 Corona-Patienten auf Intensivstationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Was kostet die Behandlung? Wir haben einen Kostencheck gemacht.

OP eines Nicht-Corona-Patienten 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeder Tag im Krankenhaus kostet Geld. Dafür kommt das Solidarsystem der Krankenkassen auf. Für Intensivpatienten mit einer Coronainfektion hat die AOK PLUS bisher rund 26.000 Euro pro Fall für die Behandlung bezahlt. Das teilte Hannelore Strobel, die Sprecherin der AOK PLUS für Sachsen und Thüringen, auf Anfrage der MDR-Redaktion "Umschau" mit.

Mussten Corona-Patienten "nur" auf der Normalstation behandelt werden, sind der AOK PLUS Kosten von rund 6.660 Euro pro Fall entstanden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bestätigt Kosten in ähnlicher Höhe, weist aber darauf hin, dass die Kosten von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein können.

Im Extremfall über 80.000 Euro

"Es kommt auf den Krankheitsverlauf an, die Nebenerkrankungen, das Alter des Patienten, wie lange die Liegezeit ist", sagt Eveline Möde von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. Besonders teuer wird es, wenn beispielsweise ein Patient an die sogenannte ECMO, die "künstliche Lunge" muss.

In einer Beispielrechnung kam die Deutsche Krankenhausgesellschaft in einem solchen besonders schweren Fall mit 40 Tagen auf der Intensivstation auf 81.000 Euro. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Verweildauer auf der Intensivstation mit anderen Erkrankungen liegt bei vier Tagen und kostet im Schnitt etwa 1.500 Euro pro Tag.

Genaue Kosten noch unklar

Allerdings handelt es sich bei diesen Berechnungen für Covid-19-Patienten um Schätzungen. Denn aktuell existiert noch gar kein valides Abrechnungssystem für Covid-Behandlungen. Dafür liefern einige ausgewählte Krankenhäuser die Kostendaten für alle Behandlungen mit einem Zeitverzug von zwei Jahren. Bisher war dieser Zeitversatz kein Problem, in einer Pandemie ist das natürlich anders.

Dennoch lässt sich schon jetzt abschätzen, dass Covid-Patienten mehr Kosten verursachen als andere Patienten. Sie liegen länger auf der Intensivstation, im Schnitt elf Tage, und damit fast dreimal so lange wie "normale" Patienten. Zudem braucht ihre Betreuung mehr Personal. So werden für das Umlagern des Patienten in die Bauchlage zur besseren Belüftung der Lunge fünf Mitarbeiter benötigt. Auch durch die Schutzkleidung für das medizinische Personal entstehen höhere Kosten.

Auch die Reha kostet

Patienten, die auf der Intensivstation liegen, haben nach der Krankenhausentlassung häufig noch einen langen Weg zur Genesung vor sich. Anschließende Rehaaufenthalte sind die Regel. Auch Patienten, die nach einer Coronaerkrankung mit anhaltenden Symptomen durch eine Long-Covid-Erkrankung zu kämpfen haben, haben Anspruch auf eine Reha. Für eine dreiwöchige Rehabilitationsmaßnahme entstehen hier etwa Kosten bis zu 2.900 Euro, so die AOK PLUS. Auch das sind Kosten, die nicht der einzelne Betroffene tragen muss, sondern die Solidargemeinschaft.

Quelle: MDR Umschau

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 25. Januar 2022 | 20:15 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland