Elektromobilität E-Autos zuhause laden: Reicht der Strom?

Wer sich ein E-Auto anschaffen will, für den ist die zentrale Frage: Wo kann ich mein Fahrzeug laden? Die eigene Ladestation zuhause, also eine sogenannte Wallbox, ist dabei wohl die bequemste Variante. Bis Oktober hat der Bund den Einbau mit 900 Euro bezuschusst. Die Nachfrage war groß. Aber macht es das Stromnetz mit, wenn sich immer mehr Menschen zuhause ihre eigene Ladesäule aufstellen?

Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule aufgeladen.
Mit einer sogenannten Wallbox kann man sein E-Auto auch zuhause laden. Bildrechte: dpa

Ungefähr 20 Ladestationen für E-Autos hat er schon in privaten Haushalten eingebaut, sagt Elektrotechnikmeister Hannes Witting aus der Gemeinde Geratal im Thüringer Wald. Die Nachfrage sei durch die staatliche Förderung auf jeden Fall gestiegen.

Geht das so weiter, kann Witting sich vorstellen, dass es mancherorts eng wird mit der Netzkapazität. "Nehmen wir mal den Fall: Es ist Weihnachten, im Backofen liegen Plätzchen drin, die Frau kocht oder der Mann, die Waschmaschine läuft und so weiter und dann hängt da noch ein Elf-Kilowatt-Auto draußen dran. Und wenn das in einem ganzen Straßenzug dann passiert, dann ist meine Meinung, dass so ein Straßenzug mit seiner Trafostation irgendwann an die Grenze kommt." Das gelte insbesondere dort, wo noch alte Stromkabel liegen oder besonders viele Menschen ihr E-Auto laden wollen – insbesondere dann, wenn sie stärkere Ladeboxen nutzen.

Große Nachfrage nach Wallboxen

Wallboxen muss man beim Stromnetzbetreiber anmelden. Dass der Einbau abgelehnt wurde, weil das Netz keine weiteren Ladestationen verkraftet, ist Witting zwar noch nicht untergekommen. Einige hätten aber schon vorgebeugt: "Es haben sich auch schon Kunden eine Wallbox hingehangen, ohne überhaupt ein Elektroauto zu haben."

Stand heute gelte tatsächlich das Windhundprinzip, sagt Jan Strobel vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Wenn zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus schon zwei Wallboxen eingebaut seien und das Netz nicht mehr hergebe, gingen andere potenzielle Kunden womöglich leer aus. "Ganz grundsätzlich haben wir im heutigen Netz schon eine sehr gute Basis für das Thema Elektromobilität, wobei es eben in bestimmten Situationen lokal zu Engpässen kommen kann."

Entwarnung von Netzbetreibern

Eine Auswertung des Verbands habe aber gezeigt, dass man rund 13 Millionen E-Fahrzeuge ins Netz integrieren könne. Etwas über eine Million sind laut Bundesregierung bislang zugelassen. Auch der größte Netzbetreiber in Ostdeutschland, Mitnetz Strom, gibt Entwarnung. Ulf Aleit leitet dort den Bereich für Netzausbau und -entwicklung. Man beobachte die Nachfrage genau und baue das Netz stetig aus. "Also grundsätzlich ist unser Netz erstmal für die Anforderungen der E-Mobility ausgelegt. Insofern, aktuell können wir alle Netzanschlussanfragen erfüllen."

Auch die "Thüringer" Energienetze teilen mit, der Ladenetzausbau für E-Mobile werde nicht am Netz scheitern. Kommt es lokal doch zu Engpässen, haben die Netzbetreiber noch einige technische Möglichkeiten, das Netz anzupassen. Beispielsweise intelligentes Lademanagement, also indem sie den Strom genau dorthin zu bringen, wo er gerade gebraucht wird und ihn andernorts dafür etwas drosseln.

All das gehe aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, sagt Ulf Aleit von Mitnetz. Am Ende bleibe nur der Ausbau des Stromnetzes. Mitnetz wünscht sich hier von der Politik, dass das künftig schneller geht. "Wir müssen es schaffen, dass diese Genehmigungsverfahren deutlich gestrafft werden, um den Netzausbau zu beschleunigen, damit eben dann genau Bedarf und Netzausbau zusammenpassen." Die Netzbetreiber raten Kunden, die sich eine eigene Wallbox anschaffen wollen, sich frühzeitig bei ihnen zu melden und sie an der Planung teilhaben zu lassen. Dann lasse sich in der Regel für alle eine Lösung finden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Dezember 2021 | 06:15 Uhr

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