Statistik | Hintergrund Warum es unterschiedliche Corona-Fallzahlen gibt

Warum gibt es unterschiedliche Corona-Fallzahlen? Diese Fragen stellen sich viele Menschen immer wieder mit Blick auf die abweichenden Angaben, die regelmäßig von verschiedenen Institutionen gemacht werden. Am häufigsten verglichen werden die Zahlen des Robert Koch-Instituts und der US-amerikanischen Johns-Hopkins-University. Der MDR nutzt außerdem Daten des Karlsruher Projekts "Risklayer". Warum sich die Zahlen unterscheiden.

Eine Ärztin in grünem Schutzanzug, mit Brille und Schutzhandschuhen hält ein Abstrichgerät in der Hand und blickt einen jungen Mann an, der vor ihr auf dem Stuhl sitzt.
Die Testergebnisse von Menschen, die sich auf das Corona-Virus testen lassen, so wie hier in Dresden, werden über eine Meldekette weitergegeben. Der Prozess dauert allerdings, weshalb die Zahlen aus Deutschland bestenfalls den Stand vom Vortag abbilden. Bildrechte: Kathrin König

Die amtlichen Zahlen zur Coronavirus-Pandemie veröffentlicht in Deutschland das Robert Koch-Institut (RKI). Dennoch nennen viele Medien, auch MDR AKTUELL, Zahlen aus anderen Quellen. Diese Zahlen weichen dann häufig erheblich von denen des RKI ab, meistens sind sie höher. Woran liegt das und wieso nutzen nicht alle Medien die RKI-Zahlen?

Die kurze Antwort lautet: Die Daten unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher Meldeketten und Erhebungsmethoden, die jeweils zu einem anderen Zeitverzug führen. Die Zahlen aus anderen Quellen als dem RKI sind zumeist aktueller, weil sie Beispiel direkt auf die Daten von Gesundheitsämtern vor Ort zurückgreifen.

Lange Meldekette beim RKI

Lothar Wieler und Jens Spahn
Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, im Gespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn. Bildrechte: dpa

Beim RKI durchlaufen die Fallzahlen hingegen eine lange Meldekette. Positive Tests melden zunächst Ärzte und Labore an das zuständige Gesundheitsamt; das Amt leitet den Befund spätestens am nächsten Tag an die Landesregierung weiter; die Landesregierung übermittelt die Information an das RKI, wo die Zahlen dann einmal täglich veröffentlicht werden. Dieser Vorgang kann mehrere Tage dauern.

Das RKI selbst spricht von einem "Melde- und Übermittlungsverzug". Das Institut warnt außerdem selbst davor, dass es durch den Verzug zu einer Unterschätzung der 7-Tage-Inzidenz kommen könne, "insbesondere bei dynamischen Entwicklungen, da noch nicht alle Daten vollständig vorliegen".

Aktuelle Daten aus Karlsruhe und Baltimore

Anders machen es private Anbieter wie das Projekt "Risklayer", das am Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) angesiedelt ist. Risklayer erhebt mehrmals täglich die Daten aus Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Zum Teil geschieht das über automatisierte Verfahren, zum Teil sammeln Menschen die Daten manuell ein. Im Ergebnis kann "Risklayer" die aktuellen und bestätigten Fallzahlen teils weit vor dem RKI veröffentlichen. Unter anderem der MDR veröffentlicht wegen der Aktualität diese Daten.

Blick auf die Gilman Hall, erstes Hauptgebäude der Johns Hopkins Universität
Die "Gilman Hall" ist das Hauptgebäude der Johns-Hopkins-Universität in den USA- Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Auf mehrmals tägliche Aktualisierungen setzt auch die Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland. Die JHU ist mit seinem Dashboard insbesondere für die weltweiten Daten zur Pandemie eine Institution. Wie die Daten zur Lage in Deutschland dort zustande kommen, ist aber nicht im Detail klar.

Die Universität beschrieb in einer früheren knappen Erklärung, sie erfasse nicht nur zentralisierte Datenerhebungen, sondern auch lokale Nachrichtenberichte, Daten von lokalen Gesundheitsämtern und Daten von Ärzten, die ein bestimmtes Tool nutzen. Auf einer Seite mit Quellenangaben nennt die JHU aktuell, neben internationalen Organisationen, aus Deutschland die "Berliner Morgenpost", die einen Coronavirus-Monitor betreibt.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

Zusammengefasst: Über die aktuellsten Daten verfügen stets die lokalen Gesundheitsämter. Das ist auch deshalb gut, weil sie als erste auf die lokale Infektionslage reagieren sollen. Anderen Quellen greifen zumeist direkt auf die Daten der Gesundheitsämter zurück – aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2021 | 08:00 Uhr

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