Städte statt Vornamen Mitteldeutschland mit fünf Städten in neuer Buchstabiertafel vertreten

L wie Leipzig und Ch wie Chemnitz: Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat in die neue Buchstabiertafel auch fünf Städte aus Mitteldeutschland aufgenommen. Damit löst sich das Institut von Diskriminierungen aus dem Nationalsozialismus.

Deutsche Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung (Entwurf von Juli 2021)
Die neue Buchstabiertafel (DIN 5009) enthält fünf Städte aus Mitteldeutschland. Bildrechte: Deutsches Institut für Normung (DIN)

Das Ortseingangsschild von Leipzig
L wie Leipzig – heißt es künftigt in der Buchstabiertafel DIN 5009. Bildrechte: imago/Busse

Fortan heißt es nicht mehr L wie Ludwig, sondern L wie Leipzig. Wer beispielsweise am Telefon seinen Namen normkonform buchstabieren möchte, kann dies auch mit Städten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen tun. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat die neue Buchstabiertafel veröffentlicht. Diese enthält nun fünf Städte aus Mitteldeutschland. Neben Chemnitz vertreten sind Jena, Leipzig, Salzwedel und Zwickau.

Die DIN 5009 für "Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen" greift fortan fast ausschließlich auf Städtenamen zurück. In der Diskussion war auch, den Chemnitzer Stadtteil Yorckgebiet mit aufzunehmen. Dies setzte sich jedoch nicht durch.

A Aachen
Ä Umlaut Aachen
B Berlin
C Cottbus
Ch Chemnitz
D Düsseldorf
E Essen
F Frankfurt
G Goslar
H Hamburg
I Ingelheim
J Jena
K Köln
L Leipzig
M München
N Nürnberg
O Offenbach
Ö Umlaut Offenbach
P Potsdam
Q Quickborn
R Rostock
S Salzwedel
ß Eszett
T Tübingen
U Unna
Ü Umlaut Unna
V Völklingen
W Wuppertal
X Xanten
Y Ypsilon
Z Zwickau

Ungleiche Namensverteilung bei vorheriger Buchstabiertafel

Ein Grund für die Neugestaltung der Buchstabiertafel sind die aus der Zeit gefallenen Namen in der alten Tafel. Das Team der DIN sagt, die alte Buchstabiertafel sei nicht mehr zeitgemäß gewesen. Bislang wurden vor allem Vornamen benutzt, darunter 16 Männer- und sechs Frauennamen. Dies hätte "nicht der heutigen Lebensrealität" entsprochen, so das Institut. Außerdem sei es nicht möglich gewesen, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien hingegen "nicht der Mode unterworfen", rechtfertigt das Institut die Neuauflegung.

Antisemitismus

Für die Neugestaltung sorgte auch die Anmerkung des baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Namen in der Tafel ersetzt, so wurde beispielsweise Nathan durch Nordpol ersetzt.

Buchstabiertafel besteht nicht nur aus Städten

Für die Umlaute Ä, Ö und Ü gibt es keine Städte. Möchte man beispielsweise ein Ä buchstabieren, kann man "Umlaut Aachen" angeben. Will man künftig das Y durchgeben, nennt man es einfach beim Namen. Genauso ist es beim ß – in der Tabelle "Eszett".

Mit der neuen Buchstabiertafel wurden noch einmal neun Städtenamen ersetzt. So schaffte es Augsburg nicht in die Tafel und musste Aachen weichen, um den Doppellaut "Au" zu vermeiden.

Die Norm ist nicht bindend. Gedacht ist sie vor allem für Wirtschaft und Verwaltung.

dpa

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