Coronavirus-Pandemie Ticker vom Donnerstag: Stiko empfiehlt dritte Impfung für Immungeschwächte

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischungsimpfung gegen Corona für Immungeschwächte. Der Abwärtstrend bei den Neuansteckungen setzt sich fort. Fachleute warnen jedoch vor Leichtsinn. Ein neues Forschungsprojekt soll Aufschlüsse über die Spätfolgen von Covid-19 bringen. Aktuelle Entwicklungen lesen Sie im Ticker.

Eine Spritze an einer Impfdosis
Senioren und Immungeschwächte können sich bereits seit drei Wochen eine Auffrischungsimpfung geben lassen, nun hat auch die Stiko eine entsprechende Empfehlung gegeben. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Donnerstag, 23. September 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

22:05 Uhr | Stiko empfiehlt dritte Impfung für Immungeschwächte

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Auffrischungsimpfung gege dan Coronavirus für Immungeschwächte. Stiko-Chef Thomas Mertens sagte, eine Empfehlung für die sogenannten Booster nach Altersgruppen gebe man derzeit noch nicht. Er bestätigte damit einen Bericht der Funke Medien.

Bei der Stiko-Empfehlung geht es Mertens zufolge um Menschen mit Immundefekten oder Erkrankungen, bei denen das Immunsystem medikamentös herunterreguliert wird, etwa bei Autoimmunerkrankungen oder nach einer Transplantation. Mertens betonte, auch in dieser Gruppe solle differenziert werden. Der Zeitpunkt der Impfung solle sich danach richten, wie weit das Immunsystem geschwächt sei.

20:13 Uhr | Portugal beendet fast alle Corona-Beschränkungen

Portugal will fast alle verbliebenen Corona-Einschränkungen beenden. Wie Ministerpräsident Antonio Costa mitteilte, dürfen ab Ende nächster Woche auch Bars und Nachtclubs wieder öffnen. In Gaststätten und bei Kulturveranstaltungen könnten wieder alle Plätze besetzt werden. Lediglich die Maskenpflicht bleibt bestehen.

19:57 Uhr | Britische Regierung beschwichtigt Sorgen vor Lieferengpässen

Die britische Regierung tritt Sorgen in der Bevölkerung vor Lieferengpässen bei Lebensmitteln entgegen. Wirtschaftsstaatssekretär Paul Scully sagte dem Sender Times Radio, für Panikkäufe gebe es keinen Anlass. Die Lage sei nicht mit den 1970er Jahren vergleichbar, als Inflation und Streiks für wirtschaftliches Chaos gesorgt hätten.

Zuvor hatte der Bauernverband von Premier Boris Johnson Notfall-Visa gefordert, um ausländische Arbeitskräfte zu rekrutieren. Wegen des Brexits und der Corona-Pandemie fehlen in Großbritannien allein 90.000 LKW-Fahrer.

18:12 Uhr | Deutschlandweite Inzidenz bei 70

Deutschlandweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei knapp 70 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen. Das geht aus Daten des Risklayer-Projekts hervor. Damit setzt sich der Abwärtstrend seit rund zwei Wochen fort. Am 9. September lag der Wert noch bei 90. Fachleute warnten zuletzt jedoch, im Herbst sei wieder ein massenhafter Anstieg an Infektionen zu erwarten. Grund ist demnach, dass bei kühleren Temperaturen mehr Menschen in Innenräumen zusammenkommen, wo das Ansteckungsrisiko deutlich höher ist als im Freien.

Insbesondere das stockende Impftempo beschäftigt Politik und Experten. In Kliniken wurden zuletzt fast ausschließlich Covid-19-Patientinnen und -Patienten ohne Impfschutz behandelt, darunter auch viele jüngere. Deutschlandweit sind derzeit knapp 63 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Sachsen ist mit eine Impfquote von 54 Prozent Schlusslicht. Auch Thüringen (58 Prozent) und Sachsen-Anhalt (60 Prozent) sind unter dem Durchschnitt, Spitzenreiter sind Bremen (74 Prozent) und das Saarland (70 Prozent). Schätzungen zufolge ist eine Impfquote von 85 Prozent erforderlich, um die exponentielle Ausbreitung des Virus zu stoppen.

15:49 Uhr | Griechische Justiz reagiert auf Anzeigenwelle von Corona-Leugnern

Die Justiz in Griechenland will künftig keine Verfahren mehr einleiten, wenn sich die Strafanzeigen gegen die Corona-Maßnahmen richten. Gehe es dem Anzeigenerstatter nur darum, die Maßnahmen auszuhebeln, soll die Anzeige als unzulässig abgelehnt werden. Das berichtet die Tageszeitung "Kathimerini" unter Berufung auf ein Rundschreiben der Staatsanwaltschaft des obersten griechischen Gerichtshofs an die Staatsanwälte im gesamten Land.

Vorausgegangen war eine Anzeigenwelle von Impfgegnern und Corona-Leugnern. Die Anzeigen richteten sich vor allem gegen Lehrkräfte, die Kinder gemäß den Präventionsregeln nur mit Maske und Corona-Test in die Schule ließen. Auch Ärztinnen und Ärzte gerieten zunehmend ins Visier.

15:18 Uhr | Israel: Testverweigerer dürfen nicht unterrichten

In Israel werden Lehrer, die sich nicht auf das Coronavirus testen lassen wollen, vom Unterricht freigestellt. Das gilt, wenn sie auch keinen sogenannten Grünen Pass vorweisen können. Diesen gibt es für Geimpfte und Genesene. Eine Sprecherin des Erziehungsministeriums sagte, die Lehrer dürften dann auch nicht online unterrichten und erhielten kein Gehalt.

14:51 Uhr | Nobelpreise werden erneut dezentral überreicht

Wegen der Corona-Pandemie werden die Nobelpreise auch in diesem Jahr nicht in Stockholm, sondern in den Heimatländern der Preisträger überreicht. Das teilte die Nobel-Stiftung mit. Beim Friedensnobelpreis bestehe weiterhin die Möglichkeit, ihn traditionsgemäß in der norwegischen Hauptstadt Oslo zu überreichen. Darüber werde Mitte Oktober entschieden.

14:03 Uhr | Bund fördert Erforschung von Long Covid

Die Bundesregierung lässt die Spätfolgen von Coronavirus-Infektionen erforschen. Wie Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Donnerstag ankündigte, werden zehn Forschungsprojekte mit insgesamt 6,5 Millionen Euro gefördert. Beteiligt daran sind auch Universitätskliniken in Mitteldeutschland.

13:54 Uhr | Haseloff für Entlastung von CO2-Abgabe

Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff hat die Erhöhung der CO2-Abgabe wegen der Coronavirus-Pandemie infrage gestellt. "Wir brauchen angesichts der Corona-Krise Flexibilität", sagte der CDU-Politiker der Magdeburger "Volksstimme". Die Belastung von privaten Haushalten wie auch der Unternehmen müssten bei den politischen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen.

12:27 Uhr | "Corona-Auszeit für Familien" startet

Die Bundesregierung fördert kurze Urlaube von Familien mit geringem Einkommen, damit diese sich von der Coronavirus-Pandemie erholen können. Wie das Bundesfamilienministerium heute mitteilte, können ab sofort Aufenthalte gebucht werden, die ab Oktober beginnen. Bei der "Corona-Auszeit" können Familien eine Woche in einer gemeinnützigen Familien-Ferienstätte oder einer Jugendherberge Urlaub machen. Sie müssen dabei nur rund zehn Prozent der regulär anfallenden Kosten tragen.

Weitere Informationen und teilnehmende Einrichtungen sind auf der Internetseite des Ministeriums zu finden. Telefonisch werden Fragen an der kostenlosen Hotline: 0800-8661159 beantwortet.

Förderberechtigt sind Familien mit besonders niedrigem Einkommen. Das Ministerium arbeitet nach eigenen Angaben an einem eigenen Online-Rechner, um die Anspruchsberechtigung zu prüfen. Bis dahin könne auch dieser Rechner genutzt werden.

Die "Corona-Auszeit für Familien" gehört zu einem sogenannten Aufholprogramm der Bundesregierung, für das zwei Milliarden Euro bereitstehen, darunter 50 Millionen für die "Corona-Auszeit".

12:05 Uhr | EMA entscheidet über Booster-Impfungen

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA entscheidet angeblich bald über Auffrischungsimpfungen mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf "Insider". Demnach soll die Entscheidung nun Anfang Oktober fallen. Anfang September hatte die Überprüfung der EMA begonnen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte gestern grünes Licht für eine dritte Dosis dieses Impfstoffs bei Menschen ab einem Alter von 65 Jahren und bestimmten Risikogruppen gegeben.

11:35 Uhr | Hohe Zahl an Toten in Russland

In Russland liegt die Zahl der täglich gemeldeten Covid-19-Toten wieder auf dem bisherigen Höchststand. Die Regierungs-Taskforce meldete binnen 24 Stunden weitere 820 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus – so viele wie beim Rekord am 26. August.

09:10 Uhr | VdK-Präsidentin hat "riesige Bedenken"

Auch der Sozialverband VdK kritisiert den Beschluss, ungeimpften Beschäftigen keinen Quarantäne-Verdienstausfall mehr zu zahlen. Präsidentin Verena Bentele äußerte gestern Abend im TV-Sender Phoenix "riesige Bedenken". Es gebe immer noch etliche chronisch kranke Menschen, die kein Attest hätten, weil die Studienlage noch nicht ausreichend sei. "Gerade für die Menschen, die deswegen Sorge haben, sich impfen zu lassen und kein Attest bekommen, wäre die Existenzgefährdung sehr hart", sagte Bentele.

Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, sprach dagegen von einer richtigen Maßnahme. Er wird von der "Augsburger Allgemeinen" mit den Worten zitiert, Impfen sei "ein sozialer Akt". Wer sich trotz wiederholter Impfangebote und vieler Möglichkeiten nicht impfen lasse, "muss auch die Konsequenzen seines Handelns tragen".

08:52 Uhr | Plädoyer für weiter kostenlose "Bürgertests"

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard hat sich dafür ausgesprochen, weiterhin auch kostenlose Covid-19-"Bürgertests" anzubieten. Ohne sie gehe der Überblick über die Pandemie-Lage verloren, sagte die Linke-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es werde dann deutlich weniger Daten geben und "viele Menschen werden sich einfach nicht mehr testen lassen".

08:32 Uhr | Weitere Kritik an Ende von Lohnfortzahlung

Auch die Gewerkschaft Verdi hat kritisiert, dass ungeimpfte Arbeitnehmer in Quarantäne keine Entschädigung mehr für Verdienstausfälle bekommen sollen. Damit werde "enormer Druck" ausgeübt, sagte NRW-Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt heute im "Morgenecho" auf WDR 5. Es gehe hier um eine "Existenzfrage". Unruhe in Betrieben sei zu befürchten und weitere Spaltung.

Der Virologe Hendrik Streeck bemängelte die Neuregelung ebenfalls. Er sagte in der ARD-Talksendung "maischberger.die woche" am Mittwochabend: "Wir arbeiten mit Strafen und das führt zu einem Druck, wo der Mensch am Ende sagt: Ich sage meinem Arbeitgeber gar nicht, dass ich Corona habe."

08:01 Uhr | Bancel: "In einem Jahr ist die Pandemie vorbei"

Der Chef des Impfstoff-Herstellers Moderna, Stephane Bancel, erwartet ein Ende der Coronavirus-Pandemie erst in einem Jahr. Bis Mitte 2022 sei aber genug Impfstoff da, um alle Menschen schützen zu können, sagte Bancel der "Neuen Zürcher Zeitung". Dann werde Covid-19 wie eine Grippe sein und die Impfung dagegen Bestandteil einer kombinierten Impfung gegen diverse Atemwegsviren sein können. Moderna habe eine solche Impfung entwickelt, die ab 2023 bereitstehen könne. "In einem Jahr ist die Pandemie vorbei", wird der Moderna-Chef von der Zeitung aus der Schweiz zitiert.

07:20 Uhr | Dahmen kritisiert Lohnersatz-Streichung

Der Gesundheitsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, hat die Streichung des Quarantäne-Lohnersatzes für ungeimpfte Beschäftigte kritisiert. Im ZDF-Morgenmagazin sagte er heute: "Als Arzt sorgt mich, dass unter Umständen die Menschen dann nicht mehr angeben, wenn sie ein positives Testergebnis haben, sich nicht mehr in Quarantäne begeben und damit wieder zur Gefahr für andere werden, und wir so etwas wie eine versteckte Pandemie bekommen." Ein nötiger Schritt wäre nach Ansicht von Dahmen, am Arbeitsplatz konsequenter zu testen und 3G-Regeln am Arbeitsplatz einzuführen wie in anderen EU-Staaten.

06:45 Uhr | Unterschiedliche Regeln beim Freitesten

Mitteldeutsche Gesundheitsämter gehen beim Freitesten von Kontaktpersonen höchst unterschiedlich vor. Das hat eine Umfrage von MDR AKTUELL ergeben. So ist in Magdeburg in Sachsen-Anhalt ein Test ab dem fünften Quarantäne-Tag möglich. Dagegen erklärte das Gesundheitsamt im sächsischen Leipzig, es gebe derzeit noch keine Rechtsgrundlage, um eine Quarantäne vorzeitig zu beenden. Es handle sich um eine Empfehlung des Robert Koch-Instituts, die keine Gesetzeskraft habe. Man warte auf eine Aktualisierung der Testverordnung des Bundes. Das RKI hatte kürzlich neue Kriterien für die Quarantäne von Kontaktpersonen veröffentlicht. Empfohlen werden nun zehn statt 14 Tage Isolation mit der Möglichkeit, sich vorzeitig freizutesten.

06:30 Uhr | 2G ab heute in Sachsen möglich

In Sachsen ist heute die neue Corona-Schutzverordnung in Kraft getreten, die auch das sogenannte 2G-Modell ermöglicht. Damit können unter anderem die Innen-Gastronomie und Veranstalter entscheiden, nur geimpften oder genesenen Menschen Zugang zu gewähren. Im Gegenzug kann auf die Einhaltung von Abständen sowie auf die Maskenpflicht verzichtet werden. In Schulen und Kitas soll es nun statt drei nur noch zwei Tests pro Woche geben. Ab einer Inzidenz von 35 muss aber auch im Klassenraum weiter Maske getragen werden.

06:10 Uhr | Reaktionen auf Ende der Lohnfortzahlung

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die Abschaffung der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte bei Quarantäne kritisiert. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das sei eine Impfpflicht durch die Hintertür. Zudem bedeute die Neuregelung, dass Beschäftigte ihren Impf-Status offenlegen müssten, wofür es keine Rechtsgrundlage gebe. Lob kam von den Kommunen. Der Städte- und Gemeindebund sowie der Städtetag erklärten, es sei eine individuelle Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen. Die Konsequenzen müsse jeder selbst tragen.

06:00 Uhr | Der Ticker am Donnerstag, 23. September 2021

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie hier in unserem Ticker über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie unten:

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2021 | 06:00 Uhr

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