Waldbrandgefahr Waldschutz-Experten: Betretungsverbote nur schwer kontrollierbar

Carolin Voigt, Autorin, Redakteurin und Sprecherin
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Um den Ausbruch eines Waldbrandes zu minimieren, ist es ab Gefahrenstufe 5 möglich, den Wald zu sperren. Auch Betretungsverbote können verhängt werden. Eine Umsetzung halten Experten jedoch für schwierig und verweisen auf Alternativen.

Es gibt Situationen, da ist der Wald so gefährdet, dass er vor dem Menschen geschützt werden muss. Das ist im Moment vielerorts so, weil es zu heiß und trocken ist und Waldbesucher oft zu achtlos mit Feuer- und Hitzequellen umgehen.

Die Behörden können dann auf Basis der Landeswaldgesetze verfügen, dass Wälder nur eingeschränkt oder gar nicht betreten werden dürfen. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro zahlen. Aber es kann auch teurer werden.

Ein Hubschrauber wirft Wasser über einem Waldbrand ab, im Intergrund Windkraftanlagen 7 min
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Waldbrände in Brandenburg, Sachsen und Tschechien Die Feuer-Lage bleibt angespannt

Die Feuer-Lage bleibt angespannt

Am Donnerstag gibt es erste Entspannungssignale aus dem brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet. Im Elbsandsteingebirge brennt der Wald dagegen weiter mit ganz verschiedenen Folgen.

MDR um Zwei Do 28.07.2022 14:00Uhr 07:07 min

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Christoph Rullmann ist Bundesgeschäftsführer beim Verein "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" und erzählt eine Anekdote: "Wir kommen ja aus Bonn. Und da hat ein Blogger immer wieder Bilder veröffentlicht, wie er im Siebengebirge übernachtet und dort auch Feuer macht. Und das hat die Verwaltung jetzt tatsächlich mal mit einem Bußgeld von 10.000 Euro geahndet."

Experte: Öffentlichkeitsarbeit statt Waldkontrollen

Ein Extremfall und eher die Ausnahme, sagt Rullmann. Dass solche Verstöße als Ordnungswidrigkeit geahndet werden und nicht als Straftat, reiche aus. Der Waldexperte setzt vor allem auf ein Umdenken in der Bevölkerung. Flächendeckende Kontrollen sieht er nicht. "Die Frage ist: Wer setzt das durch? Es gibt unzählige Zugänge zum Wald und es kann nicht an jedem Eingang jemand stehen und sagen: Du darfst hier nicht rein. Und deswegen muss man in den nächsten Jahren viel stärker in die Öffentlichkeitsarbeit gehen bei diesem Thema", fordert der Waldschützer.

Bilder Waldbrände in der Böhmischen und Sächsischen Schweiz

Ein Fotograf macht ein Bild von  einem Waldbrand aus einem Helikopter
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Fotograf macht ein Bild von  einem Waldbrand aus einem Helikopter
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Eine Tafel auf der steht, dass der Wald nicht betreten werden darf
Seit Dienstag gilt ein ganztägiges (24-stündiges) Betretungsverbot aller Wälder des Landkreises in den Regionen Sächsische Schweiz und Osterzgebirge: Schilder weisen an allen Waldwegen daraufhin. Bildrechte: xcitepress
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl, neben ihm steht ein Mann in Uniform und erklärt etwas
Sachsens Innenminister Armin Schuster schaute auf der tschechischen Seite vorbei, um sich dort ein Bild von Zusammenarbeit zu machen. Bildrechte: xcitepress
Eine Gruppe von Uniformierten und in Zivil gekleidete Menschen stehen im Kreis
Forstminister Wolfram Günther und Innenminister Armin Schuster haben sich am Donnerstag in Bad Schandau ein Bild von der Lage gemacht. Bildrechte: xcitepress
Ein Polizist hat eine Landkarte vor sich ausgebreitet und telefoniert
Neben Feuerwehrkräften sind auch zahlreiche Polizisten in der Sächsischen Schweiz im Einsatz, Bildrechte: xcitepress
Ein Hubschrauber steht in der Luft.
Mit Erkundungshubschraubern wird der Waldbrand aus der Luft beobachtet. Bildrechte: xcitepress
Rauchschwaden von den brennenden Waldflächen ziehen durch den Nationalpark Sächsische Schweiz
Rauchschwaden von den brennenden Waldflächen ziehen durch den Nationalpark Sächsische Schweiz. Bildrechte: dpa
Von einem bewaldeten Berg steigt Rauch auf
Kein Morgennebel, sondern Rauch steigt aus dem Wald in der Hinteren Sächsischen Schweiz. Aktuell stehen demnach rund 250 Hektar Waldfläche in Flammen. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Ein Löschhubschrauber fliegt über ein Waldgebiet
Ein weiteres Feuer hat sich von der Böhmischen in die Sächsische Schweiz ausgebreitet. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter, um einen Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.
In der Kernzone des Natioinalparks, der Hinteren Sächsischen Schweiz, sind Löschuhubschrauber pausenlos im Einsatz. Bildrechte: dpa
Karte Waldbrand - Nationalpark Böhmische Schweiz Stand 27.7.22 12:00
Die rot markierte Fläche zeigt die Ausdehnung des Waldbrandes im Nationalpark Böhmische Schweiz am 27. Juli 2022. Bildrechte: MDR / openmaptiles
Feuerwehrleute arbeiten am Elbufer an der Löschwasserversorgung im Kampf gegen die Waldbrände im Nationalpark Sächsische Schweiz.
Über 270 Einsatzkräfte bemühen sich weiter den Brand einzudämmen. Bildrechte: dpa
Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter aus der Elbe Wasser auf um einen Brand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.
Mehrere Löschhubschrauber sind seit Tagen im Einsatz, um Das Feuer in der Böhmischen und Sächsischen Schweiz zu löschen. Bildrechte: dpa
 Eine steile Felswand auf der Bäume stehen und brennen
Auch am Felsen Pechofen/ Bärenfangwände brennt der Wald. Haupt-Brandherd befindet sich direkt hinter dem Klettergipfel "Vorderes Pechofenhorn". Bildrechte: Daniel Förster
Oberhalb eines Hauses an einem Hang brennt der Wald lichterloh
Zwischen Schmilka und Hrensko und oberhalb eines Travelershops brennt der Wald lichterloh. Bildrechte: Daniel Förster
Ein Löschhubschrauber steht an der Elbe.
Auch an Tag drei werden Löschhubschrauber eingesetzt, um den Waldbrand in der Sächischen Schweiz zu bekämpfen. Bildrechte: Daniel Unger
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Große Kampagnen müssten wieder gefahren werden, sagt Rullmann und erinnert an ein kleines Eichhörnchen, mit einem roten Flammenschweif, das noch vor dreißig, vierzig Jahren sehr viel häufiger als Mahnung am Waldrand zu sehen war.

Rechtslage reiche zum Waldschutz aus

Aber auch der flächendeckende Ausbau von automatischen Waldbrandüberwachungssystemen sei wichtig. Das sieht Andreas Bitter ähnlich. Er ist Professor an der TU Dresden und Präsident des Waldeigentümer-Verbands AGDW und sagt: "Aus Sicht der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer ist die Möglichkeit, den Wald zu sperren, dringend notwendig. Wir sind aber auch der Meinung, dass die gesetzlichen Regelungen, wie sie heute bestehen, ausreichend sind."

Dass das derzeit gültige Rechtsinstrumentarium ausreicht, um schwere Waldbrände zu verhindern, findet auch Horst Sproßmann, Pressesprecher beim Thüringenforst. Er weist noch auf einen anderen zentralen Aspekt hin: "Grundsätzlich ist es so, dass das gesetzlich geregelte Waldbetretungsrecht nach §6 Thüringer Waldgesetz ein hohes Rechtsgut ist. Es ist Teil der Freiheitsrechte, die jeder Deutsche für sich in Anspruch nehmen kann. Insofern ist eine Einschränkung dieses Freiheitsrechtes zum Beispiel durch ein Betretungsverbot natürlich mit einer hohen Hürde ausgestattet."

Die Möglichkeit zur Sperrung des Waldes ab Waldbrandgefahrenstufe 5 sei ausreichend. Sperrungen etwa ab Gefahrenstufe 3 oder 4 halte er für nicht notwendig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 29. Juli 2022 | 05:00 Uhr

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