Einsparpotenzial Die Deutschen waschen zu heiß

In Deutschland wird zu heiß gewaschen. Die meisten Waschvorgänge erfolgen bei über 30 Grad. Doch das ist nicht nötig, kälteres Waschen hat einige Vorteile. Das Einsparpotenzial ist enorm.

Farbige Wäsche in einer Waschmaschine
Waschmittel liefern inzwischen schon bei 20 Grad Celsius gute Ergebnisse. Bildrechte: Colourbox.de

Nur ein Drittel der Waschgänge in Deutschland läuft bei 30 Grad Celsius oder weniger ab. Damit waschen die Deutschen im Vergleich relativ heiß: In den USA ist mehr als die Hälfte der Waschgänge kalt, in China sogar über 90 Prozent. Das sagen Zahlen des Collaborating Center on Sustainable Consumption and Production.

Sie zeigen, wie viel Einsparpotenzial es hierzulande beim Waschen gibt. Denn je heißer die Wäsche, desto mehr Energie wird benötigt, sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt: "Das Einsparpotenzial beim Waschen ist tatsächlich enorm. Man kann bis zu 40 Prozent pro Waschgang an Energie einsparen. Das geht ganz einfach, indem man mit der Waschtemperatur einmal von 40 auf 30 Grad runtergeht oder von 60 auf 40".

Experte: Lieber kalt und dafür länger waschen

Die meiste Energie kostet nicht die Laufzeit der Maschine, sagt Gast, sondern das Aufheizen. Daher gelte: Lieber kühler waschen und dafür die Maschine länger laufen lassen. "Das ist so ähnlich wie beim Autofahren: Wenn Sie beim Auto auf der Autobahn mit Vollgas fahren, kommen sie zwar schneller ans Ziel, Sie haben dann allerdings auch einen höheren Spritverbrauch", so der Experte.

Auch die Hersteller hätten ihre Verantwortung erkannt, meint Bernd Glassl, Sprecher des Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Einige machen ihre Kunden bereits darauf aufmerksam: Die Umweltschutzorganisation WWF beispielsweise startet gerade mit einem großen Waschmittelhersteller die Kampagne #wirdrehenrunter. Das Ziel: Die Haushalte in Deutschland sollen kälter waschen.

Industrieverband: Waschmittel wirken auch kalt

Angst haben, dass die Wäsche bei kälteren Temperaturen nicht sauber wird, muss man nicht, sagt Glassl: "Also gelernt wurde das vor langer Zeit mit der Kochwäsche, aber inzwischen sind die Waschmittel so gut, so leistungsfähig, dass die bei 40 oder 30 oder sogar schon bei 20 Grad gute Ergebnisse ergeben".

Empfehlung: Einmal im Monat heißer waschen

In Zeiten steigender Energiepreise auch ein wichtiger Aspekt: Wer die Temperatur runterdreht, kann die Kosten pro Wäsche deutlich senken, sagt Glassl. So koste der Waschgang bei 90 Grad rund 60 Cent. Bei 40 Grad seien es schon nur noch 20 Cent. "Das Tolle ist ja: Man kann hier was für die Umwelt tun, man kann Energie sparen und spart gleichzeitig Geld." Glassl rät allerdings, wenigstens einmal im Monat doch heißer zu waschen. Das sei wichtig für die Hygiene der Maschine – dann 60 Grad und mit Bleiche.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 30. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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