Klima-Podcast Energieökonomin Kemfert: Atomkraft ist kein Klimaretter

In der EU setzen sich Frankreich und andere Länder dafür ein, den Bau von Atomkraftwerken zu fördern. Energieökonomin Claudia Kemfert sieht in der Atomkraft allerdings keine Antwort auf den Klimawandel. Die Kosten dafür seien gigantisch. Allein in Deutschland sei die Atomenergie bisher mit bis zu 300 Milliarden Euro subventioniert worden.

Akw Finnland
Der Bau von neuen Reaktoren in Finnland hat fünf Mal so viel gekostet wie geplant. Bildrechte: dpa

Die EU sollte nach Ansicht der Energieökonomin Claudia Kemfert im Kampf gegen den Klimawandel nicht auf Atomkraft setzen. Die Wissenschaftlerin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte MDR AKTUELL: "Die Kosten sind einfach gigantisch." Für Atomkraft dürften keine EU-Gelder verwendet werden. Wenn Frankreich sich diese Technologie wie angekündigt leisten wolle, müsse das Land den eigenen Staatshaushalt belasten.

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Kemferts Klima-Podcast 51 min
Bildrechte: MDR / Oliver Betke

Atomkraft ohne Subventionen nicht finanzierbar

Nach Aussage von Kemfert wird Atomkraft in Frankreich ähnlich wie in Russland und in China stark subventioniert. In Ländern mit freier Marktwirtschaft und echten Preisvergleichen rechne sich kein Atomkraftwerk. Es gebe zwar Staaten, die bereit seien, diese hohen Subventionen zu bezahlen. "Aber es ist eindeutig nicht die Antwort", sagte Kemfert. Ohne üppige Subventionen "gibt es keine Bank, die das finanziert". Das gelte auch für neuere Anlagen. Als Beispiel nannte die Energieökonomin neue Reaktoren in Finnland. Bei einer Bauzeit von 15 Jahren seien die Kosten fünf Mal so hoch wie geplant. Für das Geld hätte man das "ganze Land mit erneuerbaren Energien abdecken können und hätte heute eine sichere Energieversorgung".

"Die Sonne schickt keine Rechnung"

In Deutschland wurde die Atomkraft nach Angaben von Kemfert bisher mit bis zu 300 Milliarden Euro subventioniert. Der Rückbau der Kraftwerke dauere Jahrzehnte. Außerdem müsse der Atommüll Jahrtausende eingelagert werden. Das sei ein Risiko für die Gesellschaft. "Es ist eine menschenfeindliche Technologie", sagte Kemfert. Bei den erneuerbaren Energien sei die Anfangsinvestition in Deutschland über den Strompreis finanziert worden. Wenn aber eine Anlage gebaut sei, rentiere sie sich: "Die Sonne schickt keine Rechnung, der Wind auch nicht."

Die Sonne schickt keine Rechnung, der Wind auch nicht.

Energieökonomin Claudia Kemfert | Klima-Podcast MDR AKTUELL

Frankreich setzt sich für Atomenergie ein

Frankreich und weitere Staaten pochen auf einen Ausbau der Atomkraft in Europa als Teil des Kampfes gegen den Klimawandel. Sie wollen Investitionen in Atomenergie auf EU-Ebene als "grüne Investitionen" einstufen lassen, um die Finanzierung zu vereinfachen. Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sagte nach einem EU-Gipfel, die Europäische Union benötige neben den Erneuerbaren eine "stabile" Energiequelle, nämlich die Atomenergie.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sprach sich gegen EU-Fördergelder für den Bau von Atomkraftwerken aus. "Eine Energieform, die nachfolgenden Generationen dauerhaft immens hohe Kosten und Gefahren aufbürdet, kann nicht nachhaltig sein", sagte die SPD-Politikerin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2021 | 14:45 Uhr

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