Covid-19 Spahn und Einzelhandel rufen zu "gemeinsamer Impfwoche" auf

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ruft Länder und Kommunen ab Montag zu einer "gemeinsamen Impfwoche" auf. Der Einzelhandel will die Kampagne stärker unterstützen. So soll es mehr niedrigschwellige Impfangebote für unterwegs geben, etwa beim Einkaufen. Das RKI befürchtet ohne eine schnelle Erhöhung der Impfquote im Herbst eine "fulminante" Corona-Welle.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer, Handelsverband Deutschland (HDE), hält während vor der Bundespressekonferenz zur Impfkampagne gegen Corona ein Plakat hoch. Links beobachtet Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, die Szene.
Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) wirbt gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Spahn für Corona-Impfungen. Bildrechte: dpa

Der Einzelhandel und die Bundesregierung wollen die Corona-Impfkampagne intensivieren. Das kündigte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, Stefan Genth, bei einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an. Bislang seien in Einkaufszentren bundesweit bereits mehr als 100.000 Impfdosen verabreicht worden. Diese Initiative zur Aufklärung und mit Impfangeboten etwa auf Parkplätzen vor Supermärkten solle nun ausgeweitet werden.

Zugleicht betonte Genth, eine 2G- oder 3G-Regelung komme momentan nicht infrage. Mit täglich rund 40 Millionen Kontakten im Einzelhandel seien solche Auflagen auch nicht zu kontrollieren.

Spahn: Brauchen mehr einfache Impfangebote

Bundesgesundheitsminister Spahn setzt darauf, an öffentlichen Orten mehr Menschen für die Impfung gegen Covid-19 zu gewinnen. Es fehle noch immer an der "einfachen Gelegenheit" zum Impfen, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Er nannte Spiel- und Sportplätze, Fußgängerzonen und Einkaufsgeschäfte. Er sei Ländern, Kommunen und Helfern dankbar für viele "kreative Ideen".

Spahn äußerte sich im Vorfeld der "Impfwoche" ab Montag, bei der auch in Vereinen, Geschäften oder an öffentlichen Treffpunkten Menschen für Corona-Impfungen gewonnen werden sollen. "Wir haben das Mittel in der Hand, uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen", sagte der CDU-Politiker. Zwar sei die Impfung die persönliche und freie Entscheidung jedes Einzelnen. Es sei aber auch eine Frage, die andere betreffe.

Wir haben das Mittel in der Hand, uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Spahn hält es auch für gerechtfertigt, dass ungeimpfte Arbeitnehmer, die in Quarantäne gehen müssen, Lohnabzüge hinnehmen müssen. Er sehe nicht ein, dass andere auf Dauer dafür zahlen sollten, wenn sich Menschen trotz ausreichender Impfstoffe in Deutschland nicht impfen ließen.

Wieler warnt vor "fulminanter Welle"

Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, mahnte, wenn die Impfquote nicht drastisch steige, "kann die aktuelle vierte Welle einen fulminanten Verlauf nehmen".

Die Belegung der Intensivbetten in den Krankenhäusern habe sich in den vergangenen beiden Wochen fast verdoppelt. Es seien auch immer mehr jüngere Menschen betroffen. Das RKI schätze, dass durch die Impfungen zwischen Januar und Juli dieses Jahres 77.000 Klinikaufenthalte und 20.000 Intensivfälle verhindert worden seien.

Nach Wielers Angaben gibt es keine genauen Erkenntnisse über die Impfgegner. Sie gehörten offensichtlich teilweise bildungsfernen Schichten an und zählten zum Umfeld der "Corona-Leugner".

Die deutsche Impfkampagne war zuletzt ins Stocken geraten. Der Anteil der vollständig geimpften Menschen in Deutschland lag am Dienstag bei 61,7 Prozent. 66 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten.

Quellen: DPA, AFP, MDR AKTUELL

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