Arbeitswelt Homeoffice statt Büro: Wie die Pandemie die Arbeit verändert

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hat mehr als jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland zumindest tageweise im Homeoffice gearbeitet. Inzwischen sind es wieder deutlich weniger. Was bleibt von Heimarbeit und Online-Meetings? Die Handelshochschule Leipzig hat Firmen und Beschäftigte der Region befragt, das ifo-Institut ermittelte Homeoffice-Zahlen. Über die Zukunft mit und ohne Büros.

Eine Lehrerin sitzt mit ihren drei Kindern im Wohnzimmer, unterrichtet ihre Schüler einer Berufsschule im Distanzunterricht und hilft ihren Kindern bei ihren Aufgaben für die Schule.
Die Pandemie hat gezeigt, was in Deutschland an Homeoffice möglich ist, aber auch, welche Probleme es gibt. Bildrechte: dpa

Es gibt in Leipzig eine Firma, die hat kein einziges Büro. Sie hat keinen Pförtner, keine Sekretärin und es gibt auch keinen Konferenzraum mit Keksen. Die knapp 20 Mitarbeiter arbeiten, wo sie mögen. Und wenn sie sich doch mal treffen wollen, mieten sie stundenweise etwas an.

Suche nach optimalem Arbeitsumfeld

Die Firma heißt Avilox. Sie berät zur Vernetzung und Zukunft der Arbeit und lebt selbst vor, wie sie sich optimale Arbeitsbedingungen vorstellt. Mitarbeiter Konstantin Gerlach erklärt, dem Unternehmen sei wichtig, dass man in dem Umfeld arbeiten könne, wo man am produktivsten sei. Und das könne vielleicht zu Hause sein, bei anderen auch mal je nach Arbeitskontext ein Café, die Bibliothek oder auch der Park. Je nachdem, was man gerade brauche oder was angemessen sei.

Forscherin: Pandemie beschleunigt Wandel der Arbeitswelt extrem

Porträtfoto einer Frau mit brünetten Haaren.
Prof. Dr. Claudia Lehmann von der HHL Bildrechte: HHL/Daniel Reiche

Tatsächlich verändert sich das Arbeiten. In einer Studie der Handelshochschule Leipzig (HHL) sagen fast 70 Prozent, dass dieser Wandel in ihrer Firma eine relevante oder sehr relevante Rolle spiele. Homeoffice und Videokonferenzen haben demnach zwar schon vor Corona zugenommen. Doch die Pandemie habe einen Sprung von drei bis zehn Jahren bewirkt, sagt Claudia Lehmann, die digitale Innovationen erforscht.

Der Arbeitsplatz der Zukunft wird nicht mehr so aussehen, wie wir es heute haben, dass wir einen festen Arbeitsplatz haben. Es ist nicht mehr notwendig, dass ich drei oder vier Etagen in einem Hochhaus anmiete, um allen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz zu geben.

Claudia Lehmann | Handelshochschule Leipzig

Lehmann zufolge wird das in Zukunft noch extremer werden. Dann werde es vielleicht nur noch für zehn bis zwanzig Prozent der Mitarbeiter einen richtigen Arbeitsplatz geben.

Studie: Arbeitsbedingungen wichtiger als Geld

Für Ihre Studie hat die HHL Beschäftigte gefragt, was ihnen wichtig ist. An erster Stelle steht bei den meisten der Spaß an der Arbeit, noch vor einem guten Gehalt.

Er arbeitet, sie puzzelt: Vater und Tochter im Homeoffice in Berlin
Untersuchungen ergaben keine Leistungseinbußen durch Homeoffice Bildrechte: imago images / Jochen Eckel

Nach Zahlen des ifo-Instituts arbeitet noch immer ein Viertel aller Beschäftigten zumindest tageweise im Homeoffice. Für viele Unternehmen habe sich das bewährt, sagt ifo-Ökonom Jean-Victor Alipour. Die befürchteten Leistungseinbußen bei den Beschäftigten im Homeoffice hätten sich in der Regel nicht bewahrheitet – im Gegenteil.

Vielerorts wurden (durch Homeoffice) Produktivitätssteigerungen verzeichnet. Insbesondere bei Tätigkeiten, die eher in Einzelarbeit ausgeführt werden können und die weniger Abstimmungsbedarf oder Gruppenkreativität benötigen.

Jean-Victor Alipour | Ifo-Institut

In zwölf Prozent aller Stellenanzeigen wird nach Untersuchungen des ifo-Instituts inzwischen mit der Homeoffice-Möglichkeit geworben.

Die richtige Dosis Homeoffice finden

Doch eignet sich die neue Arbeitswelt überhaupt für jeden? Ärzte, Pfleger, Erzieher oder Handwerker werden ja weiterhin eng am Menschen arbeiten müssen. Das weiß auch Lydia Zillmann, die Geschäftsführerin von Avilox, der Firma ohne Büros. Und doch sagt sie, das Potenzial für digitales Arbeiten sei nicht ausgeschöpft.

Avilox arbeite auch mit gewachsenen Organisationen, die funktionierten traditionell, im Mittelstand und auch in der Versorgungswirtschaft. Zillmann erklärt, es gehe darum, dort neues Arbeiten in einer Dosis einzubringen, die gesund sei. Man dürfe nicht verlangen, 'ihr müsst jetzt hip und fancy werden'.

Homeoffice als Chance für den ländlichen Raum

Tatsächlich gibt es Potenzial gerade dort, wo man es eher nicht vermutet. Im ländlichen Raum ist die Homeoffice-Nutzung zuletzt stärker gestiegen als in den Städten. Vielleicht kann das auch eine Chance fürs Land sein. Wenn junge Leute nicht mehr weg, in die Großstadt ziehen müssen, um dort zu arbeiten.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 22. September 2021 | 07:12 Uhr

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