Pro und Contra Pro: Warum eine Impfpflicht gegen Corona der einzig richtige Weg ist

Tim Herden
Bildrechte: ARD Hauptstadtstudio, Steffen Jänicke

Markus Söder will sie. Winfried Kretschmann auch. Angela Merkel lehnt sie ab. Die deutsche Politik streitet über eine Impfpflicht. Ist sie das beste Mittel gegen die vierte Welle der Corona-Pandemie? Auch in unserer Redaktion gehen die Meinungen pro und contra Impfpflicht dazu auseinander. Tim Herden positioniert sich klar für eine Impfpflicht.

Eine Frau zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf
Eine Impfung gegen das Coronavirus rettet Leben, notfalls verpflichtend, kommentiert Tim Herden. Bildrechte: dpa

"Wir wollen möglichst alle Kinder vor einer Masernansteckung bewahren. Denn Masern sind in höchstem Maße ansteckend und können einen sehr bösen, teils tödlichen Verlauf nehmen. Deshalb führen wir einen verpflichtenden Impfschutz gegen Masern in der Kita, Schule und bei der Kindertagespflege ein. Auch wer dort arbeitet, muss sich impfen lassen."

So äußerte sich am 16. Juli 2019 Gesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressemitteilung seines Ministeriums zur Einführung einer Impfpflicht gegen Masern. Eingeführt wurde das Gesetz ein Jahr später. So vergesslich kann Jens Spahn nicht sein, wenn er sich jetzt gegen eine Corona-Impfpflicht stellt. Dabei treffen bei Corona die gleichen Argumente wie bei den Masern zu: Corona ist eine in höchstem Maße ansteckende Krankheit und kann einen bösen, teils tödlichen Verlauf nehmen. Doch gibt es einen gravierenden Unterschied: bei Masern gab es 2019 in Deutschland bei 514 gemeldeten Infektionen keinen Todesfall. Bei Corona gab es Stand heute 5,4 Millionen Infektionen und 99.344 Todesfälle. Es wäre also höchste Zeit für eine Corona-Impfpflicht gewesen.

Nicht weiter bitten und betteln

Zu lange haben Bundesregierung und Landesregierungen mit einer Art Stuhlkreis-Therapie versucht, die Impfgegner und Impfverweigerer zur Vernunft zu bringen. Aber alles Reden und auch die spendierten Bratwürste vor Impfzentren reichten nicht. Dafür rasen wir nun sehenden Auges in den nächsten Lockdown. Wie zynisch ist es von Jens Spahn, das wahrscheinliche Ergebnis seiner eigenen verfehlten Politik der letzten Monate mit den Worten für die anstehenden Monate vorwegzunehmen: "Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters jeder geimpft, genesen oder gestorben sein."

Corona-Impfpflicht hilft vor allem langfristig

Sicher ist richtig, für die vierte Welle ist der Zug längst abgefahren. Für den Moment hilft eine Impfpflicht nicht, sondern nur Kontaktbeschränkungen. Wer sich heute eine Erstimpfung abholt und in sechs Wochen die Zweitimpfung bekommt, besitzt erst in zwei Monaten den vollständigen Impfschutz und damit die Chance, sich nicht zu infizieren und wenn doch, wenigstens nicht schwer zu erkranken und auf der Intensivstation zu landen.

Abgesehen davon würde es jetzt an genügend Impfstoff fehlen, um zugleich die Boosterimpfungen durchzuführen und die bisherigen Impfverweigerer zu immunisieren. Aber mit Blick auf die Zukunft und eine zu erwartende fünfte Welle ist eine Corona-Impfpflicht wichtig und sollte so schnell wie möglich beschlossen werden. Und zwar für jedes Jahr – bis das Virus weitgehend ausgerottet ist. Wir können nicht jedes Jahr von vorn mit der Corona-Bekämpfung anfangen. So wie es gerade wieder passiert: Lockdowns verhängen. Zehntausende Menschenleben riskieren. Wirtschaftliche Einbußen in mehrstelliger Milliardenhöhe hinnehmen. Den Niedergang von Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und vor allem der Kultur in Kauf nehmen.

Recht auf Unversehrtheit ist keine Einbahnstraße

Jene, die dagegen aufbegehren und gleich das Grundgesetz hervorkramen, sollten begreifen, dass Artikel 2, Absatz 2, "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit", keine Einbahnstraße ist. Ihr Eigensinn gefährdet die körperliche Unversehrtheit und das Leben ihrer Mitbürger. Er gefährdet vor allem jene Menschen, die sich nicht impfen lassen können, an chronischen Krankheiten und Vorerkrankungen leiden, die also selbst mit einer Impfung keine ausreichende Immunität gegen das Coronavirus aufbauen können.

Lesen Sie hier die Gegenmeinung von Markus Reher:

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