Debatte um Corona-Impfkampagne Keine Impfungen in Apotheken – aber Pflegekräfte wollen mitmachen

Während der Bund-Länder-Runde zur Coronavirus-Pandemie gab es Berichte, dass auch über Impfungen in Apotheken gesprochen werde. Das war zu dieser Zeit zwar schon nicht mehr ganz neu, und es wurde von den Ländern erstmal auch abgelehnt. Ganz vom Tisch ist damit jedoch die Frage noch nicht, wer zur Verstärkung der Impfkampagne denn noch einbezogen werden könnte.

Eine Mitarbeiterin der Apotheke Stadelhofen übergibt einen Beutel mit fünf Antigen-Schnelltests.
Apotheken haben während der Coronavirus-Pandemie viele neue Dinge zu tun bekommen. Jetzt gab es den Vorschlag, dass dort auch gegen Covid-19 geimpft werden könne. Bildrechte: dpa

Mit dem Vorschlag, jetzt auch Apotheken in die Impfkampagne gegen Covid-19 einzubeziehen, hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag für erheblichen Wirbel gesorgt. "Spiegel", "Bild" und andere Medien berichteten vor und während des Bund-Länder-Gipfels am Nachmittag.

Berichte schon am Mittwoch

Tatsächlich hatte die "Pharmazeutische Zeitung" schon am Mittwoch aus einer entsprechenden Vorlage für den Bund-Länder-Gipfel zitiert. Und am Abend erhob RKI-Chef Wieler diese Forderung auch in einer öffentlichen Online-Konferenz.

So schrieb die Zeitung, es werde vorgeschlagen, "mobile Impfteams, Impfzentren, Krankenhäuser, niederschwellige Angebote, Apotheken, Arztpraxen, Betriebsärzte, Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter und andere Möglichkeiten" mit in die Kampagne einzubeziehen, um die Impfungen noch zu verstärken.

Und dann in der gut dreistündigen Online-Diskussion des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) mit Experten am Abend sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts nach 29 Minuten:

Ich sag das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen (...) nicht gestattet, zu impfen. Wir sind in einer Notlage und in einer Notlage muss man bestimmte Dinge großzügig gestalten. Darum bin ich hier ganz klar dafür, dass unter anderem Apotheker impfen sollen.

RKI-Präsident Lothar Wieler

Länder sind vorerst dagegen

Während der Konferenz mit der Bundesregierung am Tag darauf lehnten die Länder das allerdings erstmal ab. Die "Deutsche Apotheker Zeitung" berichtete, die geschäftsführende Bundeskanzlerin sei mit ihrem Vorstoß gescheitert. Laut DAZ "fürchten die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten, das Einbeziehen der Apothekerschaft würde die Organisation verkomplizieren." Tatsächlich können Apotheken nicht impfen, ohne bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen.

Im Beschluss jedenfalls fehlen die Apotheken. Da heißt es, man wolle die Impfangebote ausweiten "auf mobile Impfteams, Impfzentren, Krankenhäuser, niederschwellige Angebote, Arztpraxen, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte, Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter oder andere Möglichkeiten." Eine Hintertür bleibe also offen, schrieb die DAZ weiter. Zudem sei ein Prüfauftrag vermerkt, ob neben Ärztinnen und Ärzten auch andere impfen könnten.

Pflegekräfte wollen mitmachen

So dürfte die Debatte über das impfende Personal weitergehen, auch wenn Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nach dem Gipfel sicher war, das nun beschlossene große Maßnahmepaket werde wirken.

So forderte am Freitag der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe eine Regelung, "mit der auch Pflegefachpersonen eigenständig impfen können". Sie seien durch ihre Ausbildung in der Lage, dies zu tun, sagte DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. Da Impfzentren abgebaut und "die Booster-Kampagne so gut wie gar nicht vorbereitet" seien, brauche es pragmatische Lösungen.

Eine Frau hält bei der Aktion «Der Pflege geht die Luft aus» der Bundespflegekammer und des Berliner Walk of Care ein Plakat mit der Aufschrift "Klatschen reicht nicht. Wir wollen Anerkennung".
"Wieder nicht mitgedacht" - Pflegekräfte könnten auch selbst impfen. Bildrechte: dpa

Drei Jahre ausgebildete Pflegekräfte "können intramuskuläre Injektionen", sagte Bienstein. Noch aber müssten Ärzte sie verordnet haben und auch anwesend seien. Der DBfK denkt hier vor allem an Booster-Impfungen in der Langzeitpflege, weil die Menschen dann nicht in eine Praxis müssten.

Diese Möglichkeit könne und müsse politisch geschaffen werden, forderte Bienstein. Dazu gehöre, die Leistung beim Impfen dann auch abrechnen zu können, um nicht "einfach eine Zusatzbelastung aufgebürdet bekommen." Generell seien "Pflegefachpersonen in der Pandemiebekämpfung auch hier wieder nicht mitgedacht" worden.

Quelle: MDR AKTUELL (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 19. November 2021 | 14:06 Uhr

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