Personalausfälle wegen Corona Braucht es neue Regeln für Quarantäne und Testen?

Deutschland steckt mitten in der Corona-Sommerwelle. Die Inzidenzen sind seit Mai kontinuierlich gestiegen und liegen teilweise um das 100-fache höher als vor einem Jahr. Kein Wunder also, dass viele Kliniken und Pflegeeinrichtungen einen hohen Krankenstand beklagen. Deshalb gibt es Stimmen, die auf eine Lockerung der Test- und Isolations-Regeln drängen. So zum Beispiel der Bruder des Bundeskanzlers, der selbst ein Krankenhaus leitet.

Ein Corona Schnelltest
Mitarbeiter in Quarantäne – das ist zurzeit ein großes Problem für viele Krankenhäuser. Bildrechte: imago images/Patrick Scheiber

Das Geschwisterpaar Scholz ist beim Thema Corona offenbar nicht in brüderlicher Harmonie vereint: Der eine, Olaf, macht als Bundeskanzler die Regeln. Der andere, Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Schleswig-Holstein, hadert damit.

Jens Scholz, 2019
Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Schleswig-Holstein. Bildrechte: dpa

Er sagte der Zeitung "Die Welt", sein Krankenhaus müsse zu viele Mitarbeiter in Quarantäne schicken, die zwar einen positiven Test hätten, denen es aber gut gehe. Das gefährde die Versorgung der Patienten. Und weiter: "Wir sollten mit Corona umgehen wie mit der Grippe: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Dafür brauchen wir weder Schnelltests noch Quarantänevorschriften." Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein fehlten wegen Corona-Infektionen zuletzt rund 600 Mitarbeiter.

Viele Krankenhäuser kämpfen mit Personalausfällen

Dieses Problem kennt die Deutsche Krankenhausgesellschaft auch aus anderen Städten. Vorstandschef Gerald Gaß: "Es ist richtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir, angesichts der wirklich knappen personellen Besetzung, die wir in einigen Krankenhäusern haben, möglicherweise durch die Verkürzung von Quarantäne die Problemlage ein Stück weit abfedern können. Generell aber zu sagen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn sie positiv und infektiös sind, grundsätzlich zur Arbeit kommen sollen, das ist keine Position, die wir zurzeit haben."

Gerald Gaß plädiert stattdessen für flexible Regelungen: "Dass Mitarbeiter nicht grundsätzlich erstmal fünf Tage wegbleiben müssen, sondern dass man sagt, sobald sich hier ein negativer Test zeigt, also keine Infektion mehr vorliegt – das kann ja auch kürzer als in fünf Tagen sein – dass man dann zurückkommen kann. Oder dass mit besonderem Infektionsschutz Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen, das ist eine Situation, die muss vor Ort entschieden werden."

So sind die aktuellen Regelungen in den Krankenhäusern

Aktuell gilt, dass Infizierte sich fünf Tage isolieren müssen – unabhängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht. Das führt auch in anderen Branchen zu Personalausfällen. Markus Jerger ist der Vorsitzende des Bundesverbands "Der Mittelstand" und spricht für rund 900.000 Unternehmen und Selbstständige: "Kleine Betriebe sind besonders anfällig: Wenn einer ausfällt, fällt die ganze Produktionskette oft aus. Ein Beispiel: Wenn der Sanitärinstallateur nicht installieren kann, kann der Fliesenleger auch das Bad nicht fertig machen."

Deshalb halte er es für wichtig, die Quarantäne-Regeln zu überprüfen, so Jerger. Aus der FDP-Fraktion bekommt er dafür Unterstützung: Parteivize Wolfgang Kubicki schlug vor, dass man sich nach drei Tagen freitesten dürfe. Die Stiftung Patientenschutz will stattdessen wieder zur zehntägigen Quarantäne zurückkehren.

Welche Strategie die Bundesregierung im Herbst fahren wird, will sie noch im Juli bekannt geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2022 | 08:11 Uhr

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