Krankenkassen Bericht: IGeL-Leistungen zu größtem Teil ohne Nutzen

Seit zehn Jahren gibt es sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), also Leistungen, die auch gesetzlich Krankenversicherte selbst zahlen müssen. Ein Bericht der Krankenkassen fällt ernüchternd aus.

Patient beim Arzt.
Individuelle Gesundheitsleistungen oft ohne Nutzen (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Westend61

Die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) bringen laut Krankenkassen zum größten Teil mehr Schaden als Nutzen. Wie aus dem IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund hervorgeht, werden von 55 angebotenen Leistungen nur zwei als "tendeziell positiv" bewertet.

Negativbeispiel Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs

Ultraschalluntersuchung
Ultraschalluntersuchung (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Dessen Vorstandschef Stefan Gronemeyer sagte, die IGel-Nutzenbilanz sei "nicht gut". "Bei den meisten Leistungen überwiegt der Schaden den möglichen Nutzen." Als Beispiel für eindeutig negative IGel-Leistungen nannte er etwa Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Dabei könne es zu vielen falsch positiven Ergebnissen und damit zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Eingriffen kommen. Gronemeyer erklärte, dies widerspreche den einfachsten Regeln der Patientensicherheit und sollte gar nicht mehr angeboten werden.

Dies widerspricht den einfachsten Regeln der Patientensicherheit.

Stefan Gronemeyer, Medizinischer Dienst Bund

Nutzen von Vitaminchecks unklar

Auch der Nutzen der von vielen Praxen angebotenen Vitaminchecks oder Vitaminkuren wird in dem Monitor als "unklar" bezeichnet. Bei einer systematischen wissenschaftlichen Recherche hätten sich keine Studien gefunden, die darauf hinwiesen, dass diese Leistung die Gesundheit der Betroffenen verbessere. Mögliche Schäden seien gleichzeitig aber eher unwahrscheinlich.

Patienten berichten: IGeL zu positiv dargestellt

Außerdem berichten dem Gutachten zufolge immer wieder Patienten, dass sie beim Facharzt für Regeluntersuchungen Wochen oder Monate auf einen Termin warten müssten. Für Selbstzahlerleistungen gebe es aber sofort Termine. Zudem berichteten viele Versicherte, dass die IGeL-Leistungen positiver als die Kassenleistungen dargestellt wurden.

AFP (dko)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2019 | 12:30 Uhr

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