MDRfragt Extremwetter: Zwei Drittel befürchten unzureichende Alarmierung

Ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser im Ahrtal befürchten zwei Drittel der MDRfragt-Mitglieder, dass bei ähnlichen Katastrophen die Alarmierung nicht ausreichen könnte. Dabei ist die Sorge groß, dass es künftig zu weiteren Extremwetterereignissen, auch in unserer Region, kommen könnte. Das sind Ergebnisse der Befragung mit mehr als 26.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Personen stehen im überfluteten Ahrtal
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Der letzte bundesweite Aktionstag im September 2020, bei dem in ganz Deutschland Probealarme ausgelöst worden waren, hatte schwere Defizite in den Warnsystemen offenbart. Auch bei der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr gab es viel Kritik, dass Warnungen teilweise zu spät herausgegeben wurden. 66 Prozent der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bereitet das Sorge: Sie fürchten, dass auch in unserer Region im Katastrophenfall nur eine unzureichende Alarmierung stattfinden könnte. 31 Prozent sind da unbesorgter.

Diagramm: Sorge vor unzureichender Alarmierung
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Viele MDRfragt-Mitglieder haben uns in Kommentaren geschrieben, was sie bei diesem Thema besonders bewegt:

Die Technik ist veraltet, die Feuerwehren teils gar nicht mehr in der Norm. Dafür ist leider kein Geld da. Aber vielleicht merkt man langsam, wo man investieren muss und wie man Leute anlockt. Ganz sicher nicht mit museumsreifer Technik.

Michael O., 29 Jahre, Zwickau

Man sollte sich als Bundesregierung endlich davon verabschieden, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und andere Hilfsorganisationen (z.B. DLRG) in der Breite auf das Ehrenamt abzuwälzen und dann dort nicht mal für eine ausreichende technische Ausrüstung sorgen. Viele kleine Ortsfeuerwehren sind immer wieder auf Spenden angewiesen, um Ausrüstung anzuschaffen. Das ist doch ein Armutszeugnis!

Nikola F., 54 Jahre, Mansfeld-Südharz

Der Abbau von Sirenen in vielen Landesteilen war sicher ein Fehler, von Apps halte ich gar nichts.

Wolfgang D., 65 Jahre, Schmalkalden-Meiningen

So, wie diesem MDRfragt-Teilnehmer, geht es dem Großteil der Befragten: Rund zwei Drittel nutzen keine Notfall-Warnapps auf dem Handy. 35 Prozent der MDRfragt-Teilnehmer haben dagegen welche installiert.

Knapp drei Viertel beobachten mehr Extremwetterereignisse

Hochwasser, Waldbrände, Starkregen: Fast drei Viertel der MDRfragt-Teilnehmer haben das Gefühl, dass Extremwetterereignisse in ihrer Region in den letzten Jahren zugenommen haben. Ein gutes Viertel macht diese Beobachtung nicht.

Diagramm: Zunahme von Extremwetterereignissen in den letzten Jahren
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Zwei Drittel sorgen sich vor Zunahme von Wetterkatastrophen

Dass extreme Wetterereignisse künftig in ihrer Region zunehmen und zu ernsthaften Schäden führen könnten, macht fast zwei Dritteln der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, Sorgen. Ein Drittel (34 %) teilt diese Sorgen nicht.

Diagramm: Sorge vor weiterer Zunahme von Extremwetterereignissen
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Fast alle fordern mehr Investitionen in Katastrophenschutz

Um besser vor Extremwetterereignissen geschützt zu werden und im Ernstfall schnelle Hilfe zu erhalten, fordern so gut wie alle MDRfragt-Mitglieder, dass mehr investiert wird - sowohl in Warnsysteme, den Hochwasserschutz als auch in den Katastrophenschutz allgemein.

Diagramm: Mehr Investitionen
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Einige MDRfragt-Mitglieder haben uns geschrieben, dass sie vor allem das Thema Hochwasserschutz beschäftigt:

Flutungsbereiche gibt es immer noch nicht annähernd ausreichend. Ich möchte nicht mehr Mauern in der Stadt als Schutz, sondern mehr Platz für das Wasser vor der Stadt.

Dirk D., 55 Jahre, Landkreis Leipzig

Insbesondere Hochwasserschutz bedeutet für mich, die Nichtbebauung von Flussauen und gewässernahen Gebieten. Da müssen mehr Verbote her. Vieles wird im Nachhinein zurückgebaut, was gar nicht hätte erst genehmigt und gebaut werden dürfen.

Anja B., 43 Jahre, Nordsachsen

Warum werden immer mehr Flächen versiegelt? Warum werden Naturereignisse so wenig bei der Stadtplanung berücksichtigt?

Katrin F., 52, Saalfeld-Rudolstadt

Über diese Befragung Die Befragung vom 24.06.-27.06.2022 stand unter der Überschrift:
Inflation und Energiekrise – ist da noch Platz für Klimaschutz?

Insgesamt sind bei MDRfragt 61.33 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 27.06., 10 Uhr).

26.528 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 314 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 4.025 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 11.188 Teilnehmende
65+: 11.001 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 13.639 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.454 (24 Prozent)
Thüringen: 6.435 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 11.546 (44 Prozent)
Männlich: 14.925 (56 Prozent)
Divers: 57 (0,2 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.


Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 13. Juli 2022 | 19:30 Uhr