Bundestagswahl 2021 SPD und Grüne profitieren am meisten von Wählerwanderung

Die Grünen und SPD haben Hunderttausende frühere Unions-Wähler für sich gewinnen können. Bei den Kanzlerkandidaten konnte vor allem SPD-Chef Olaf Scholz punkten. Die Union verlor fast vier Millionen Wähler.

Auf einem Lineal befinden sich Spielfiguren in den Parteifarben.
Auf einem Lineal befinden sich Spielfiguren in den Parteifarben. Bildrechte: dpa

  • Grüne profitieren am stärksten von Wählerwanderung
  • SPD kann mit Spitzenkandidat Scholz bei Wählern punkten
  • Von Union wandern die meisten Wähler ab

Die Grünen haben die meisten Wählerinnen und Wähler von anderen Parteien für sich gewinnen können: insgesamt 2,69 Millionen. Nach der Auswertung von Infratest dimap konnten die Grünen die meisten Zugewinne von der Union (900.000) verzeichnen, gefolgt von Wählerinnen und Wähler der Linkspartei (400.000) und der SPD (320.000).

Auch punktete die Partei deutlich bei den Erstwählern (290.000), hier vor allem bei jungen Frauen. Zugewinne verzeichnete sie auch bei Beamten und bei Wählern mit Abitur. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock konnte jedoch keine Zugkraft entwickeln: Nur einer von zehn Grünen-Wählern gab an, sich wegen der Kanzlerkandidatin für die Partei entschieden zu haben.

Scholz mit hoher Zugkraft

Die SPD konnte ein Plus von 1,8 Millionen Wählerinnen und Wähler verzeichnen, die meisten von der Union (1,36 Millionen) und von den Linken (590.000). Die größten Zugewinne verbuchten die Sozialdemokraten vor allem bei älteren Wählern und hier vor allem bei weiblichen. Bei den Erstwählern kann die Partei dagegen nicht punkten, auch bei Beamten und Selbstständigen fällt der Zuspruch gering aus. Hohe Sympathiewerte hat Kanzlerkandidat Olaf Scholz eingefahren: Gut ein Drittel der SPD-Wähler gab an, wegen ihm für die Partei gestimmt zu haben.

Union hat Millionen Wähler verloren

Die Union hat die meisten Wählerinnen und Wähler bei dieser Bundestagswahl an andere Parteien verloren: insgesamt 3,9 Millionen, die meisten von ihnen an die SPD und die Grünen. Besonders groß fielen die Einbußen in der Altersgruppe der unter 45-Jährigen aus, bei Angestellten und Selbstständigen sowie bei Wählern, die ihre wirtschaftliche Lage positiv beurteilen.

Schwer tat sich die Union insbesondere bei jüngeren Wählerinnen und Wählern, von denen nur gut jeder Zehnte für CDU und CSU stimmte. Nur Linke und AfD schnitten bei den unter 25-Jährigen schwächer ab als die Union. Kanzlerkandidat Armin Laschet entwickelte Infratest dimap zufolge eine geringere Zugkraft als Angela Merkel bei den letzten Bundestagswahlen.

AfD hat größten Rückhalt bei Arbeitern

Die AfD hat vor allem Wählerinnen und Wähler von den Linken gewonnen: insgesamt 110.000. Ansonsten konnte sie ihren Wählerzuspruch bei den meisten Bevölkerungsgruppen halten. Während sie bei Rentnern und Beamte zwar leichte Verluste verbuchte, konnte sie bei Arbeitern hingegen dazugewinnen. Bei ihnen hatte sie schon 2017 den größten Rückhalt. Während die AfD bei Erstwählern nur schwer punkten konnte, war sie in den mittleren Altersgruppen umso erfolgreicher. In Ostdeutschland belegt die Partei in den Hochrechnungen sogar Platz zwei, nach der SPD.

Linke hat an alle anderen verloren

Die FDP konnte vor allem Wähler von Union und AfD für sich gewinnen. Wie die Grünen punktete sie bei den Erstwählern. Die Linke ist die einzige Partei, die an alle Parteien Wähler verloren hat.

In einer Runde sitzen die Bundestagswahl-Spitzenkandidaten Alice Weidel (AfD), Christian Lindner (FDP) , CSU-Chef Markus Söder, die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) sowie die Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. mit Video
Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel (l-r), FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner, CSU-Chef Markus Söder, Armin Laschet (CDU), Kanzlerkandidat der Union, die Moderatoren Rainald Becker und Peter Frey, Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, sowie die Vorsitzende der Partei Die Linke, Susanne Hennig-Wellsow, sprechen in einem Wahlstudio des ZDF bei der "Berliner Runde" über die Bundestagswahl. Bildrechte: dpa

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist nicht kommentierbar. Warum? Zur Bundestagswahl veröffentlichen wir sehr viele Inhalte. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, dass Sie sich gebündelt zur Wahl und den Ergebnissen austauschen und so mehr Gesprächspartnerinnen und -partner erreichen können. Folgenden Artikel zur Bundestagswahl können Sie dafür nutzen: Die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2021 | 21:30 Uhr

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