Autoindustrie Chipkrise: Auch Gebrauchtwagen Mangelware

Wer sich aktuell ein neues Auto zulegen will, braucht Geduld – bei bis zu sechs Monaten Lieferzeit minimum. Grund sind coronabedingte Lieferengpässe von Bauteilen, vor allem Chips. Sind Gebrauchtwagen eine Alternative?

Roboter im Volkswagen-Werk in Zwickau montieren einen Audi Q4 e-tron.
Auch im VW-Werk in Zwickau leidet die Produktion unter dem aktuellen Chipmangel. Bildrechte: dpa

Seit vier Jahrzehnten betreibt Klaus Zimmermann sein Autohaus am Lindenauer Markt in Leipzig. Sonst hat er um die neun Gebrauchtwagen gleichzeitig im Hof zu stehen. Und das für mehrere Monate. Jetzt sind es gerade einmal zwei. "Die Autos, die da stehen sind schon weg", erklärt Zimmermann. "Es findet sich eigentlich für jeden Gebrauchtwagen ein Kunde. Für uns ist es gut."

Mittlerweile nimmt er Interessenten per Warteliste auf. Tatsächlich kommt er mit der Nachfrage nicht hinterher. Früher hätten die Wagen da gestanden. Er sei froh gewesen, wenn ein Kunde kam und sie mitgenommen hat. Heutzutage sei es andersrum. Es seien keine Wagen da. Wenn sie rein kämen, gingen sie wieder raus, sagt Zimmermann. Selbst ein sonst unbeliebter Diesel sei schon verkauft.

Gebrauchtwagen mehr als 20 Prozent teurer

Nicht nur bei Klaus Zimmermann ist das so. Der gesamte Markt kann sich vor Nachfragen nicht retten. Ansgar Klein, Vorstand vom Bundesverband freier KfZ-Händler, erklärt: "Die Lage auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist für die Händler recht erfreulich, für die Kunden weniger. Denn die Preise sind stark gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass die Halbleiterkrise insofern durchschlägt, dass diejenigen, die sich eigentlich ein neues Auto kaufen wollten und keines bekommen, nun mehr auf den Gebrauchtwagen zurückgreifen."

Die hohe Nachfrage nach Elektroautos sowie Plug-in-Hybrid-Autos und der Chip-Mangel führen zu langen Lieferzeiten bei Neuwagen. Durch die Corona-Pandemie suchen zudem mehr Menschen ein Auto, weil sie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollen. Und das schlägt sich auf die Preise im Gebrauchtwagensektor.

Eine Auswertung des Online-Portals mobile.de zeigt: der Durchschnittspreis ist bei Gebrauchtwagen seit Sommer 2020 um fast 21 Prozent gestiegen. Den größten Preisanstieg gibt es im Kleinwagen-Segment von über 24 Prozent auf durchschnittlich knapp 16.000 Euro. Die obere Mittelklasse stieg im November erstmalig über die 40.000-Euro-Grenze.

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Wer nicht unbedingt ein Auto braucht, sollte warten

Ansgar Klein vom Bundesverband freier KfZ-Händler schätzt, dass es erst Mitte nächsten Jahres wieder besser wird: "Wir würden jedem raten, der nicht unbedingt ein Auto braucht, im Moment zu warten, egal ob neu oder gebraucht. Das ist einfach die Marktsituation. Und die Händler stehen inzwischen vor der Problematik, dass sie selbst wesentlich höhere Einkaufspreise zahlen müssen."

Denn wenn keine Neuwagen kommen, geht auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt das Angebot aus. Gerade jetzt, wo die Nachfrage so hoch ist, sollte man beim Kauf eines Gebrauchten besonders aufpassen, empfiehlt Autohändler Zimmermann. Im Internet könne man sich einen preislichen Überblick verschaffen. Aber Kunden sollten sich das Auto unbedingt anschauen, so Zimmermann. Der Zustand der Sitze oder die Unterseite des Autos böten einen guten ersten Eindruck. "Wichtig ist, dass, wenn man sich ein gebrauchtes Auto kauft, dass man den Service-Nachweis hat. Warum? Der Kilometerstand, der eingetragen wird, das ist ein Dokument. In einer Fachwerkstatt oder in einer Vertragswerkstatt wird da sehr Wert darauf gelegt, dass die Kilometerstände stimmen." Klaus Zimmermann selbst würde zudem das Auto zusätzlich immer beim TÜV oder der Dekra prüfen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Dezember 2021 | 08:20 Uhr

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