Förderung neuer Mobilität Lastenfahrräder groß im Kommen

Lastenräder bedeuten einen großen Schritt für die Verkehrswende und in Richtung Co2-freie Städte. Doch ein Standardmodell kann bis zu 5.000 Euro kosten, die Variante mit elektrischen Antrieb nochmal mehr. Das ist viel Geld. Daher fördern sowohl die Länder als auch der Bund selbst die neue Form der Mobilität.

Zwei Personen mit einem Lastenrad
Die zuständigen Ministerien von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben unter verschiedensten Bedingungen große Geldbeträge zur Förderung von Lastenfahrrädern bereitgestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lastenfahrräder sind momentan in aller Munde. Vor circa 13 Jahren kamen die ersten Modelle auf den Markt, mittlerweile sieht man immer mehr Menschen auf den CargoBikes, wie sie auch genannt werden. Da sie einen großen Schritt für die Verkehrswende und in Richtung Co2-freie Städte bedeuten, wird viel über die mögliche Nutzung dieser Räder diskutiert.

Der größte Punkt in den politischen Debatten ist die finanzielle Förderung. Ein Standardmodell kann bis zu 5.000 Euro kosten, die E-Variante nochmal mehr. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt: Für viele Menschen, die das Lastenfahrrad optimal für kurze Erledigungen nutzen könnten, ist das zu viel Geld. Aus diesem Grund fördern sowohl die Länder als auch der Bund selbst die neue Form der Mobilität.

Welches Rad kann was?

Lastenfahrrad ist nicht gleich Lastenfahrrad. Deswegen folgt hier ein kurzer Überblick über die unterschiedlichen Modelle. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen drei Arten von CargoBikes, die alle mit oder ohne Motor angeboten werden:

Christiania: Ein zweispuriges Fahrrad mit Knicklenkung, also einem Drehgelenk zwischen Fahrer und Kiste. Sie wiegen bis zu 50 Kilogramm und sind relativ kippanfällig.

Long John: Ein einspuriges Fahrrad, bei dem sich das Vorderrad vor der Transportkiste befindet. Es wird über ein Seilzugsystem gelenkt. Dieses Modell ist etwas leichter und fährt sich vom Gefühl her eher wie ein normales Fahrrad.

Long Tail: Ebenfalls einspurig mit Transportkiste direkt hinter dem Fahrer. Diese Art von CargoBike fährt sich am ehesten wie ein normales Fahrrad und hat bloß den verlängerten Hinterbau.

Die Förderprogramme in Mitteldeutschland

In den letzten beiden Jahren flossen einige Gelder in die Förderung von Lastenfahrrädern. Die zuständigen Ministerien von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben unter verschiedensten Bedingungen große Geldbeträge bereitgestellt, die ausschließlich für das Fördern von Lastenfahrrädern gedacht waren. Martin Hoffmann vom ADFC Sachsen-Anhalt erklärt: "Der Trend geht zu den Lastenfahrrädern, das Thema ist in den Kommunen Mitteldeutschlands angekommen. Die Politik weiß, wie hoch die Nachfrage momentan ist." Doch wie erfolgreich waren die Förderprogramme der Länder in Mitteldeutschland wirklich?

Sachsen:

Das Förderprogramm in Sachsen beschränkt sich auf die Unterstützung von kleinen bis mittleren Unternehmen, eingetragenen Vereinen sowie Kommunen und Zweckverbänden. Am 1. März 2021 in Kraft getreten hat das Programm erst mal kein Enddatum. Dieses Jahr befanden sich 500.000 Euro im Topf, nächstes Jahr sind 700.000 Euro in Planung. Über 200 Anträge sind 2021 im Landesamt eingegangen. Jedes Unternehmen kann pro Jahr nämlich bis zu fünf Räder beantragen, pro Rad gibt es einen Zuschuss von 500 Euro, für jedes elektrische Lastenrad sogar 1.500 Euro. Aus dem Fördertopf wurden bereits 135.000 Euro ausgezahlt.

Sachsen-Anhalt:

In Sachsen-Anhalt trat das Förderprogramm am 1. April 2020 mit 150.000 Euro in Kraft. 2021 kam dann nochmal derselbe Betrag oben drauf. Die insgesamt 300.000 Euro waren bereits nach zweieinhalb Wochen vollkommen ausgeschöpft. 339 Anträge sind beim Landesamt eingegangen, 262 davon wurden bewilligt. Ob neues Geld in den Fördertopf kommt, ist bis jetzt noch unklar. Im Gegensatz zu Sachsen können sich im Land Sachsen-Anhalt nicht nur Unternehmen, Verbände und Vereine sondern auch Privatpersonen fördern lassen.

Thüringen:

Die Lastenfahrräder im Bundesland Thüringen werden vom Umweltministerium gefördert. Auch hier richtet sich die Förderung vor allem an kleine Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen. Das Förderprogramm "Cargobike Invest" trat am 16. Juni 2020 mit 240.000 Euro in Kraft. Der Topf wurde schnell auf die Summe von einer Million Euro erweitert. Bisher sind 704 Anträge eingegangen, 600 davon wurden bewilligt.

Nicht nur Lastenräder werden gefördert

Bei den Förderprogrammen werden nicht nur Lastenfahrräder selbst unterstützt und anteilig bezahlt. Neben dem Standardmodell Cargobikes fördern die Länder auch Lastenpedelecs, also Fahrräder mit elektronischem Antrieb sowie Stellplatz-Infrastrukturen. Da die Lastenfahrräder mehr Platz wegnehmen als ein herkömmliches Rad, braucht es Orte, an denen die kleinen Ersatzautos geparkt werden können. All das beinhalten die Förderungen der Bundesländer in Mitteldeutschland.

Alternativen zum eigenen Lastenrad

Da sich nun nicht jeder ein eigenes CargoBike fördern lassen kann und will und selbst gar keinen Platz hat um die großen Drei/Vierräder unterzustellen, gibt es mittlerweile einige Möglichkeiten, trotzdem nicht auf ein Lastenfahrrad verzichten zu müssen. Der ADFC bietet sowohl in Sachsen als auch in Sachsen-Anhalt kostenlose Leihlastenräder an. In Leipzig gibt es bereits zwei, in Dresden 17, in Magdeburg vier und in Halle immerhin schon eins. Laut Martin Hoffmann vom ADFC Sachsen-Anhalt ist die Nachfrage riesengroß. Das kann man am Buchungskalender auf der Website des ADFC erkennen. Hier kann man sich für die Leihe eintragen.

Auch der große Bikesharing-Anbieter NextBike ist bereits auf den Lastenfahrradzug aufgesprungen. Angebote gibt es beispielsweise schon in Freiburg und Mannheim, in Mitteldeutschland allerdings noch nicht. Mareike Rauchhaus, Pressesprecherin von nextbike, erzählt: "Wir nutzen die CargoBikes mittlerweile auch für den Service. Wenn es um kleine adhoc Reparaturen geht, muss nicht der Transporter rausfahren, um die Räder in die Werkstatt zu bringen. Da wird das Werkzeug mit dem Lastenrad transportiert und vor Ort repariert".

Lastenfahrräder bringen uns zusammen

An sieben Orten in Sachsen-Anhalt läuft mittlerweile die Kampagne "Radeln mit Herz zu  zweit auf drei Rädern". Hierbei setzen sich ältere oder bewegungseingeschränkte Personen in die Transportkiste vorne am Lastenrad. Hinten drauf sitzen ehrenamtliche Menschen, in diesem Projekt dann Piloten genannt. Gemeinsam werden dann bei gutem Wetter Kilometer zurückgelegt und Zeit an der frischen Luft verbracht.

Ob Lieferverkehr, Klimaschutz oder Verkehrssicherheit. Lastenfahrräder bringen einige Vorteile mit sich und bieten ein riesengroßes Spektrum um Städte und Gemeinden vom Autoverkehr zu entlasten. Viele PKW-Wege sind unter 5 Kilometer und können sehr einfach vor allem mit E-Unterstützung auf einem Lastenfahrrad zurückgelegt werden. Frei oder gegen Spende ausleihbare Lastenräder gibt es mittlerweile in den meisten größeren Städten und auch immer mehr kleinere Kommunen übernehmen die Entwicklungen. Auf der Seite CargoBike.jetzt kann sich informiert werden, wo in der näheren Umgebung Lastenfahrräder zum Verleih verfügbar sind.

Quelle: MDR Umschau

Mehr zum Thema Lastenfahrrad

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 14. September 2021 | 20:15 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland