Jahreswechsel Experten sehen "massive" Preiserhöhungen beim Strom

Viele Versorger heben zum Jahreswechsel die Preise für Strom deutlich an. Experten zufolge fällt die Erhöhung teils drastisch aus. Sie befürchten zudem, dass der Strompreis dauerhaft hoch bleibt.

Licht leuchtet in einem Mehrfamilienaus in einer Wohnung.
Viele Haushalte müssen ab dem neuen Jahr deutlich mehr für Strom bezahlen. Experten zufolge werden die Preise so schnell auch nicht wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg sinken. Bildrechte: dpa

Verbraucher müssen zum Jahreswechsel mit zum Teil deutlich steigenden Strompreisen rechnen. Darauf haben Vergleichsportale und Verbraucherschützer hingewiesen. Thorsten Storck, Energieexperte des Vergleichsportals Verivox, betont, das neue Jahr beginne mit einer massiven Preiserhöhungswelle beim Strom. Grundversorger würden nun die höheren Marktpreise nach und nach an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben.

Verbraucherschützer: Wechsel nicht immer attraktiv

Auch Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, erklärt, dass die Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel teils drastisch ausfallen. Er gibt zugleich zu Bedenken, dass die Neukundentarife über die Vermittlungsportale noch höher ausfallen, "so dass ein Anbieterwechsel in den meisten Tarifgebieten keine Ersparnis bringt". Kunden in der Grundversorgung hätten daher momentan keine Wahl. Sieverding rät Kunden außerhalb der Grundversorgung, bei Preiserhöhungen sogar in Erwägung zu ziehen, vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und sich in die Grundversorgung fallen zu lassen. Der Grundversorgungstarif galt früher als eher teurer Tarif. Mancherorts liegt er jetzt aber unterhalb von Sondertarifen anderer Anbieter.

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Dem Vergleichsportal Check24 sind nach eigenen Angaben schon mehr als 580 Fälle von Strompreiserhöhungen in der Grundversorgung zum Jahreswechsel bekannt geworden. Dem Unternehmen zufolge sind davon rund 7,3 Millionen Haushalte betroffen. Check24 zufolge betragen die Erhöhungen im Schnitt 60,5 Prozent. Das Vergleichsportal Verivox kommt wegen einer anderen Datengrundlage auf ein durchschnittliches Plus von 54 Prozent.

Viele Versorger haben Preiserhöhungen schon angekündigt

Der Kölner Versorger Rheinenergie etwa verlangt ab Januar in der Grundversorgung pro Kilowattstunde rund 55 Cent. Das sind knapp 130 Prozent mehr als zuvor. Rheinenergie verweist zur Begründung auf die hohen Beschaffungskosten, die sich immer stärker in der langfristigen Einkaufsstrategie des Unternehmens niederschlügen. So seien im Vergleich zum Vorjahr "die Preise an den Strombörsen um mehr als 300 Prozent gestiegen, in der Spitze hatten sie sich mehr als verzehnfacht". Zusätzlich stiegen auch die Netzentgelte.

Bei den Stadtwerken München kostet die Kilowattstunde in der Grundversorgung ab Neujahr 61,9 Cent. Bisher waren es 25 Cent. Der ostdeutsche Energieversorger EnviaM aus Chemnitz verlangt künftig 48,1 Cent. Das sind 20,1 Cent mehr als bisher. Auch die Leipziger Stadtwerke haben bereits eine Preiserhöhung angekündigt.

Als eine Hauptursache für die gestiegenen Strompreise gilt der extrem gestiegene Gaspreis infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Im Börsengroßhandel bestimmt die inzwischen teure Stromerzeugung durch Gaskraftwerke oft den Strompreis für alle anderen Erzeugungsarten.

Strompreisbremse soll Entlastung bringen

ein Drehstromzähler
Die Preise für Strom sollen 2023 gedeckelt werden. Bildrechte: dpa

Um die Belastungen durch die hohen Strompreise zu dämpfen soll es im kommenden Jahr eine Strompreisbremse geben. Dabei soll bei Haushalten und kleineren Unternehmen für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs der Preis gedeckelt werden, und zwar auf 40 Cent je Kilowattstunde. Verbraucht der Kunde mehr, zahlt er den normalen Vertragspreis. Dies soll einen Sparanreiz geben. Die Versorger sollen die Strompreisbremse ab März in den Abschlägen berücksichtigen. Rückwirkend soll die Bremse dann auch für Januar und Februar gelten. Allerdings müssen die Einzelheiten noch geklärt werden. Verabschiedet ist das entsprechende Gesetz noch nicht.

Experte rechnet nicht mit sinkenden Strompreisen

Der Strommarkt-Experte Mirko Schlossarczyk vom Beratungsunternehmen Enervis geht unterdessen davon aus, dass die Strompreise für Haushalte in den kommenden Jahren nicht wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg sinken werden. Schlossarczyk sagte der Nachrichtenagentur dpa, er rechne damit, dass die Verbraucherpreise 2023 und 2024 im Schnitt deutlich über 40 Cent je Kilowattstunde brutto betragen werden. Auch in den Jahren danach würden 40 Cent wohl nicht unterschritten. Vereinzelt seien sogar 50 Cent möglich.

Zwar könnten die Großhandels-Strompreise infolge eines perspektivisch sinkenden Gaspreisniveaus und dem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien künftig auch wieder deutlicher zurückgehen. Den spürbar größeren Anteil am Endkundenpreis hätten allerdings Abgaben, Umlagen, Entgelte und Steuern. Zum Vergleich: 2020 lag der Strompreis für Haushalte durchschnittlich bei knapp 32 Cent je Kilowattstunde.

dpa (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2022 | 06:30 Uhr

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