Wirtschaftsstandort Ostdeutschland E-Mobilität "Made in Germany": Tesla eröffnet Werk in Grünheide

Der US-Autokonzern Tesla hat seine Fabrik im brandenburgischen Grünheide in Betrieb genommen. Bundes- und Landespolitiker lobten die Ansiedlung als wichtiges Signal im Kampf gegen den Klimawandel sowie für den Standort Ostdeutschland. Umweltschützer kritisierten den Konzern dagegen und blockierten zur Eröffnung ein Werkstor.

Bundeskanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Elon Musk, Tesla-Chef, nehmen an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil
Elon Musk und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Eröffnung der "Gigafactory" in Grünheide. Bildrechte: dpa

Nach gut zwei Jahren Bauzeit hat der US-Konzern Tesla seine Autofabrik in Grünheide offiziell in Betrieb genommen.  Bei der feierlichen Eröffnung der so genannten Gigafactory war neben Tesla-Gründer Elon Musk auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor Ort. Scholz sagte, Elektromobilität werde "die Mobilität der Zukunft prägen". Das Projekt zeige: "Deutschland kann schnell sein."

Künftig bis zu 12.000 Mitarbeiter

Produziert wird in Grünheide, gut eine Autostunde südöstlich von Berlin, zunächst das Modell Y Performance: ein Mittelklassewagen mit einer offiziellen Reichweite von gut 500 Kilometern. Künftig will Tesla bis zu 500.000 Fahrzeuge des Modells vom Band laufen lassen. Errichtet wird auf dem 300 Hektar großen Gelände auch ein Werk zur Produktion von Batteriezellen. Aktuell sind in Grünheide nach Unternehmensangaben bereits rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt, bei Vollauslastung sollen es bis zu 12.000 sein.

Tesla hatte im Frühjahr 2020 mit dem Bau der Fabrik begonnen. Die Dauer der Fertigstellung lobte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Eröffnung: "Diese kurze Zeit des Fabrikbaus kann natürlich ein bisschen auch eine Maßgabe sein für Tesla-Tempo auch in anderen Bereichen." Habeck nannte Musks Vorgehen "eine andere Unternehmens-Wagemut-Kultur". Habeck sagte außerdem, er freue sich, dass mit der E-Auto-Fabrik die Abkehr vom Öl neuen Schub bekomme.

Planungsverfahren mit Hindernissen

Tesla-Gründer Musk sagte mit Blick auf den Klimawandel, das Problem werde gelöst werden. Diese Fabrik sei ein großer Schritt dorthin. Der 50-Jährige twitterte zudem "Danke Deutschland!!" und versah seine Kurznachricht mit vier Bundesflaggen.

Die endgültige Genehmigung für die Anlage - Tesla spricht von Produktionseinheiten auf einer Gesamtfläche von über 227.000 Quadratmetern und Investitionen in einstelliger Milliardenhöhe - kam erst vor rund zwei Wochen, als bereits der Probebetrieb lief. Die Bauarbeiten waren begleitet worden von Klagen durch Umweltverbände und Sorgen von Bürgerinitiativen um die Wasserversorgung in der Region. Erst Anfang März erhielt Tesla die endgültige Genehmigung.

Lob und Kritik für Tesla

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) äußerte sich zufrieden über die Kooperation mit Tesla beim Planungsverfahren. In seiner Ansprache in der Produktionshalle sagte Woidke: "Wir haben Tesla vor manche schwere Aufgabe gestellt und ich sage ganz unumwunden: Tesla hat auch uns vor manche schwere Aufgabe gestellt, aber am Ende haben wir es gemeinsam gerockt". Gleichzeitig mahnte Woidke, die Region um Grünheide werde sich verändern: "Die Infrastruktur von Kita über Wohnen bis Bahnanbindung muss ausgebaut werden." Woidke äußerte sich zuversichtlich, "dies gemeinsam zu schultern".

Teilnehmer einer Demonstration gehen von dem Bahnhof Grünheide zur Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg.
Teilnehmer einer Demonstration gehen von dem Bahnhof Grünheide zur Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg. Bildrechte: dpa

Begleitet wurde der Produktionsstart am Dienstag allerdings von Protesten von Umweltschutzaktivisten. Wie die Gruppen "Sand im Getriebe", "Ende Gelände" und "Extinction Rebellion" mitteilten, blockierten Aktivisten ein Werktor der neuen Gigafactory. Nötig seien "nicht immer mehr Autos", sondern stattdessen "kollektive Formen der Mobilität, ein ticketfreier und gut ausgebauter ÖPNV, vor allem auf dem Land, sowie ein Umbau der Autoindustrie, gemeinsam mit den Beschäftigten", forderte Lou Winters von "Sand im Getriebe".

Tesla verweist darauf, dass es die Mission des Unternehmens sei, "den globalen Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen". Zudem sei die Gigafactory Berlin-Brandenburg unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien erbaut worden. 

dpa/AFP(jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2022 | 15:00 Uhr

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