Erdgasversorgung Gashandelskonzern VNG: "Die Russen sind verlässliche Vertragspartner"

Die VNG AG mit Sitz in Leipzig ist Deutschlands drittgrößter Erdgasimporteur, mit seinem Tochterunternehmen VGS auch drittgrößter Speicherbetreiber. Vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Konflikts äußert sich der Vorstandsvorsitzende Ulf Heitmüller im Interview mit MDR AKTUELL zur aktuellen Situation der Erdgasversorgung in Deutschland.

Der Schriftzug des Energieunternehmens Gasprom auf einem Hausdach in St. Petersburg
Gazprom ist der russische Gasexporteur für Westeuropa. Bildrechte: dpa

VNG mit langer Partnerschaft zu Gazprom

Die VNG AG habe fast 50 Jahre Geschäftsbeziehungen zu Gazprom, sagt Ulf Heitmüller, der Vorstandsvorsitzende des Gashandelskonzerns. Auch in den schwierigsten Zeiten des Kalten Krieges habe man immer Erdgas bekommen, Russland habe immer zu seinen Lieferverpflichtungen gestanden. "Von daher sehen wir auch keinen Anlass, in irgendeiner Art und Weise zu glauben, dass sich das verändern könnte. Die Russen sind verlässliche Vertragspartner", sagt Ulf Heitmüller im Gespräch mit MDR AKTUELL.

Auch bei einer Verschärfung der Russland-Ukraine Krise gehe er davon aus, dass die Erdgaslieferungen eingehalten würden. In den Gesprächen mit den Vertragspartnern sei das kein Thema. "Das wäre etwas, was für uns nahezu unvorstellbar ist", so der VNG-Vorstandsvorsitzende.

Deutschland im europäischen Gasmarkt gut vernetzt

Zu zusätzlichen Gaslieferungen sagte Heitmüller, Europa habe einen gut integrierten Gasmarkt, und Deutschland liege in der Mitte dieses Marktes. Deutschland sei daher gut angebunden an die verschiedensten Möglichkeiten, Gas zu beziehen. Neben dem russischen Gas gehe es dabei um Norwegen, Holland und auch verflüssigtes Erdgas, LNG, aus Katar oder Nigeria. In der Kombination sei man sehr gut aufgestellt.

Für zusätzliches Gas sei in erster Linie die Infrastruktur wichtig, auch um die Preise langfristig zu stabilisieren. Das brauche mehr LNG-Kapazitäten, weitere Pipelines zwischen den europäischen Märkten und auch Nordstream II für zusätzliche Erdgaskapazitäten. Jede Lieferung, die darüber hinaus nach Europa komme, sei herzlich willkommen. Im Rahmen der Diversifizierung sei das eine gute Geschichte, so Heitmüller, weitere LNG-Kapazitäten zu erschließen. (Hinweis: LNG steht für Flüssigerdgas.)

Lieferausfall wäre aber nicht zu kompensieren

VNG-Vorstandsvorsitzender Heitmann geht davon aus, dass Deutschland die Lieferpartnerschaft mit Russland auch langfristig brauchen werde: "Man wird aus diesen anderen Quellen nicht in der Lage sein, einen Komplettausfall der russischen Lieferungen zu kompensieren – ohne dass man drastische Einschnitte in der Energieversorgung in Europa in Kauf nimmt, mit entsprechenden Schleifspuren in der europäischen Wirtschaft".

Die hohen Preise, so bitter das manchmal sei, setzten die Signale für die Produzenten, Gas nach Europa zu liefern. Dies gelte insbesondere auch für die LNG-Lieferungen, wo Deutschland mit den asiatischen Märkten konkurriere. In Sachen Preisentwicklung müsse man konstatieren, dass Energie ein teureres Gut bleiben werde als in der Vergangenheit. Das habe mit der Angebots- und Nachfragesituation zu tun und mit Faktoren wie der CO2-Bepreisung. Es gebe allerdings kein Zurück zu einem Energiepreislevel der Vor-Corona-Zeiten, erläuterte Heitmüller.

Kapazitätsausbau möglich

Heitmüller zeigte sich allerdings optimistisch, dass im Rahmen der langfristigen Liefervereinbarungen mit Russland ein weiterer Ausbau der Lieferkapazitäten möglich sei. Man könne in den kommenden Monaten hier deutliche Schritte voran machen. Nordstream II hält Heitmüller für ein energiewirtschaftlich sinnvolles Projekt. Jede Infrastruktur, die zusätzliches Gas nach Europa bringen könne, würde preisdämpfend wirken.

VNG offen für neue Projekte in der Zukunft

Für die künftige Zusammenarbeit mit Russland sieht Heitmüller ein enormes Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien. Es sei politisch und wirtschaftlich gut, in einer engen Lieferbeziehung zu stehen. Er sehe perspektivisch hervorragende Möglichkeiten, weiter partnerschaftlich zu agieren. Im Bereich grüner Energien sei sein Unternehmen in intensiven Beratungen mit den russischen Partnern. In Zeiten, die politisch so schwierig seien, sei es gut, in solchen Projekten voran zu kommen und weitere Dialogformate offen zu halten.

Heitmüller würde es sehr begrüßen, wenn Russland in der Zukunft weiter ein sehr wichtiger Energiepartner bleibe. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass diese Art von Partnerschaft ein Garant für Frieden in Europa sei.

Das Interview führte Wolfgang Brinkschulte, MDR-Wirtschaftsexperte.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 31. Januar 2022 | 19:30 Uhr

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