Sachsen, Thüringen & Sachsen-Anhalt Zahlreiche Windräder müssen ersetzt werden

Die Bundesregierung plant, dass in Zukunft noch viel mehr Strom durch Wind erzeugt wird. In Sachsen-Anhalt könnte das aber ein Problem werden. Denn ein Drittel der Windräder dort muss ersetzt werden – Abstandsregelen lassen einen Neubau von Winderädern an alten Standorten aber oft nicht zu. In Thüringen und Sachsen gibt es ein ähnliches Problem.

Windräder Sonne
Viele Windräder fallen aus der EEG-Förderung - oft werden sie dann zurückgebaut. Bildrechte: Umschau

Ende vergangenen Jahres waren es knapp 2.800 Windräder in Sachsen-Anhalt. Viele davon sind aber schon über 20 Jahre alt. Das ist ein Problem, erklärt Felix Langner, Leiter der Geschäftsstelle Sachsen-Anhalt vom Bundesverband Windenergie: "Die Problematik ist, dass diese Anlagen aus der EEG-Förderung fallen und am freien Markt nicht bestehen können, weil sie nicht so effizient sind. Die Folge ist: Sie werden zurückgebaut, also abgerissen."

37,6 Prozent von Sachsens Windkraftanlagen fallen aus der EEG-Förderung

Die EEG-Förderung ist die Förderung der erneuerbaren Energien durch den Bund und auch in Sachsen ein Thema, wie Hans-Jürgen Schlegel von der Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien erklärt: "Die Problematik ist eigentlich, wenn man theoretisch betrachtet, riesengroß. Wir haben in Sachsen zum 31. Dezember 2021 880 Windenergieanlagen in Betrieb gehabt. 331 davon fallen ab 2021 aus der EEG-Förderung. Das sind 37,6 Prozent. Etwas mehr als ein Fünftel der Leistung ist da raus."

"Repowering": Alte Flächen sollen mit neuen Windrädern bestückt werden

Für Schlegel besteht die Antwort im "Repowering": Das ist der Aufbau neuer Anlagen auf den alten Flächen. "Ich möchte die kleinen Maschinen eigentlich alle weg haben und durch eine geringere Anzahl, aber wesentlich größere, leistungsstärkere Maschinen ersetzen."  Denn die alten Anlagen seien nicht mehr klimaschutzgerecht. Sie erzeugten viel weniger Strom als moderne Windkraftanlagen.

Doch auf den alten Flächen können eigentlich gar keine neuen Windräder entstehen – denn die Regeln haben sich seitdem geändert. So dürfen Windräder heute maximal 1.000 Meter an einer Ortschaft stehen. Eine Regelung, die in Absprache mit den Kommunen jedoch versucht wird, zu umgehen.

Ramona Rothe von der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur sagt über diesen Lösungsansatz: "Hier muss man wirklich sehen, in Thüringen die 1000-Meter-Regel nicht ganz so restriktiv zu setzen, sondern vielmehr auch zu schauen, dass man dort, wo eine Kommune schon jahrelang den Windpark hat und sagt, wir können uns auch vorstellen, in 800 Metern eine Neuanlage zu errichten – dass das eben möglich werden soll. Jede Windenergieanlage zählt im Moment."

Bundesverband für Windenergie: Neue Flächen müssen her

Alte Flächen mit neuen Windrädern bestücken – das könne nur ein Teil der Lösung sein, um auf Dauer viel Strom durch Wind zu erzeugen, sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer beim Bundesverband für Windenergie: "Auch wenn wir über ein Repowering in den Bestandsflächen neue Anlagen bauen, wird es trotzdem neue Flächen brauchen, weil aufgrund der Weiterentwicklung der Anlagentechnologie größere Anlagen nicht mehr so dicht wie vor zehn oder 15 Jahren stehen können. Wir benötigen also deshalb schon eine andere Flächenkulisse."

Bundesweit gestalte sich das Problem aktuell eher überschaubar, sagt Jürgen Quentin von der Fachagentur Windenergie an Land. "In der Summe ist es so, dass wir jedes Jahr – abhängig von den Windverhältnissen – mehr Strom erzeugen. Aber wir könnten natürlich auch deutliche Strommengen verlieren, wenn jetzt viel mehr Anlagen stillgelegt werden. Im Moment ist das nicht zu befürchten, aber sollte die Preissituation am Markt sich deutlich verändern in der nächsten Zeit, dann könnte es auch zu einer großen Stilllegungswelle kommen."

Bei einer Stilllegungswelle wäre das Ziel der Bundesregierung, die Leistung der Windräder an Land bis 2030 zu verdoppeln, wohl nur schwer zu erreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2022 | 06:09 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland