Borreliose Nach Zeckenbissen: Wo es besonders viele Krankheitsfälle gibt

Manuel Mohr
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Mit steigenden Temperaturen und mehr Aktivitäten im Freien steigt auch das Risiko für einen Zeckenstich. Und der kann nicht nur schmerzhaft sein, sondern auch ernste gesundheitliche Folgen haben. Wie viele Krankheitsfälle durch Zecken es dieses Jahr bereits gab und wo Zecken sich besonders wohlfühlen.

Eine Zecke läuft über eine Hand
Eine Zecke am Körper sollte immer umgehend entfernt und die Wunde möglichst desinfiziert werden. Bildrechte: dpa

Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie eine kreisrunde Rötung auf der Haut: Die Borreliose – eine durch Zecken übertragene Krankheit – kann in den ersten Wochen nach einem Zeckenstich beim Menschen vielfältige Krankheitssymptome hervorrufen. Von Anfang Januar bis Ende Mai registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) deutschlandweit bereits über 1.400 Borreliose-Fälle – etwa genauso viele wie im vergangenen Jahr.

In Sachsen wurden bislang 220 Borreliose-Erkrankungen registriert, in Sachsen-Anhalt 114 und in Thüringen 35. Regional gibt es dabei allerdings große Unterschiede. So wurden in Chemnitz beispielsweise genauso viele Borreliose-Fälle gezählt wie in ganz Thüringen, wobei dort vor allem der Norden bislang so gut wie gar nicht betroffen ist. In Sachsen-Anhalt traten bislang die meisten Fälle in diesem Jahr im Landkreis Börde und dem Salzlandkreis auf.

Das sind die regionalen Zecken-Risikogebiete

Nach Angaben des RKI sind typische Lebensräume für Zecken, die ausreichend Feuchtigkeit benötigen, unter anderem lichte Wälder oder Waldränder sowie Flächen mit hohem Gras oder Büschen. Ebenfalls gute Bedingungen bieten zudem Gärten und städtische Parks. Die regionalen Unterschiede des Zeckenaufkommens und der damit einhergehenden Borreliose-Gefahr werden also auch durch Faktoren wie der vorherrschenden Vegetation und klimatischen Bedingungen beeinflusst.

In Sachsen-Anhalt wurden im Zeitraum 2010 bis 2021 gemessen an der Einwohnerzahl im Salzlandkreis, dem Landkreis Börde und dem Jerichower Land die meisten Borreliose-Fälle registriert. In Thüringen war vor allem der Süden betroffen, besonders die Stadt Suhl und der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. In Sachsen hingegen wurden nahezu flächendeckend verhältnismäßig viele Fälle von Borreliose gemeldet.

Menschen ab 50 besonders betroffen

In Deutschland besonders betroffen von Borreliose-Erkrankungen sind Personen im Alter von 50 bis 80. Denn während im Jahr 2021 umgerechnet auf 100.000 Menschen durchschnittlich 13,3 Borreliose-Fälle gemeldet wurden, lag der Wert bei Menschen ab 50 zum Teil deutlich darüber und sank erst im Alter von über 80 wieder unter den Durchschnitt. Jugendliche und junge Erwachsene sind hingegen deutlich seltener betroffen. Diese Altersverteilung war auch in den Jahren davor relativ ähnlich.

Selten, aber gefährlich: FSME-Erkrankung nach Zeckenstich

Laut RKI sollte eine Zecke am Körper immer umgehend entfernt und die Wunde möglichst desinfiziert werden. Hintergrund: Im Gegensatz zur Übertragung von Borrelien – die Bakterien, die Borreliose verursachen – durch Zecken auf den Menschen, die meist erst Stunden nach Beginn des Saugakts erfolgt, gelangen sogenannte FSME-Viren bereits bei Beginn des Saugakts von der Zecke in den Menschen. FSME steht für "Frühsommer-Meningoenzephalitis", eine Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung, die bleibende Schäden verursachen und in Einzelfällen auch tödlich verlaufen kann.

In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen findet in den Monaten Mai bis Oktober statt.

Was ist ein FSME-Risikogebiet Laut RKI wird eine Region als FSME-Risikogebiet eingestuft, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen über mehrere Jahre deutlich erhöht ist.

FSME-Impfschutz wenig ausgeprägt

Angesichts des erhöhten Risikos für eine Erkrankung empfiehlt die Ständige Impfkommission eine FSME-Schutzimpfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten in Kontakt mit Zecken kommen könnten. Dazu zählen neben Touristen auch Forstbeschäftigte und Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Besonders bei Personen im Alter über 60 Jahren ist das Risiko einer schweren Erkrankung deutlich erhöht.

Im Jahr 2021 waren nahezu alle offiziell registrierten FSME-Erkrankte gar nicht oder unzureichend geimpft. Laut RKI könnte ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen wahrscheinlich durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit hoher FSME-Inzidenz verhindert werden.

Generell sind die Impfquoten auch in FSME-Risikogebieten eher niedrig und variieren zudem stark. Nach einer Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung schwankte 2019 die kreisbezogene Impfquote innerhalb der Risikogebiete zwischen 7,7 und 38,6 Prozent bei Erwachsenen, bei Kindern zwischen 13,3 und 50,5 Prozent. Die bundeslandbezogene Impfquote lag mit rund 30,4 Prozent in Thüringen am höchsten.

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MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Juni 2022 | 14:40 Uhr

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