Masken- und Isolationspflicht Krebsgesellschaft gegen Ende der Corona-Maßnahmen

Die Krebsgesellschaft in Sachsen-Anhalt wünscht sich, dass die Corona-Maßnahmen nicht beendet werden. Viele Patientinnen und Patienten seien etwa auf den ÖPNV angwiesen. Ein Ende der Maskenpflicht oder Isolationspflicht wäre deshalb für Krebserkrankte und auch andere vulnerable Gruppen ein Problem.

Eine Frau steigt mit Mund-Nasen-Schutz aus einer Straßenbahn.
Die Krebsgesellschaft ist gegen ein Ende der Maskenpflicht, unter anderem im ÖPNV. Bildrechte: dpa

Die Krebsgesellschaft Sachsen-Anhalt hat sich gegen ein Ende der Corona-Maßnahmen ausgesprochen. Der Geschäftsführer des Verbands, Sven Weise, sagte in der MDR-Talk-Runde "Fakt ist!" am Montag, wenn jetzt die Corona-Maßnahmen – etwa die Maskenpflicht und die Isolationspflicht – aufgehoben würden, wäre das für Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sowie andere vulnerable Gruppen schwierig.

Krebserkrankte bilden große vulnerable Gruppe

Sie könnten viele Orte nicht mehr besuchen, insbesondere Orte, an denen viele Menschen sind, darunter Apotheken und Supermärkte. Über die Angst Betroffener vor Corona sagte Weise: "Hinter der Angst steckt ganz konkret, dass man die Erkrankung überleben möchte."

Die Gruppe der krebserkrankten Menschen in Sachsen-Anhalt, die das betrifft, ist nach Angaben von Weise relativ groß: Es gebe etwa 18.000 Neuerkrankungen jedes Jahr sowie weitere 100.000 Menschen, die bereits erkrankt sind. Hinzu kämen 50.000 bis 60.000 Personen, die nach einer Krebserkrankung im Krankenhaus behandelt werden. Außerdem müssten sich auch Angehörige, Freunde und Kollegen der betroffenen Menschen schützen.

Viele Krebspatienten auf öffentlichen Nahverkehr angewiesen

Die ehemalige Krebspatientin Simone Pareigis aus Halle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sie möchte, dass die Maskenpflicht, "zumindest in Straßenbahnen und bei der Deutschen Bahn, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen sowieso, bleibt." Derzeit würde sie nicht in die Straßenbahn einsteigen wollen und das Auto nehmen.

Sven Weise betonte dazu, dass nicht jede Person sich leisten kann, auf den öffentlichen Personennahverkehr zu verzichten. "Eine Taxi-Fahrt ist teuer, das kann nicht jeder bezahlen." Die Krankenkassen würden auch nicht mehr alle Taxi-Fahrten bezahlen.

Kekulé: Maskenpflicht weiterhin an vielen Orten sinnvoll

Der Epidemiologe Alexander Kekulé aus Halle findet eine Maskenpflicht weiterhin sinnvoll im Krankenhaus und in den Arztpraxen: "Weil man denkt, da sind Menschen dabei, die müssen geschützt werden und da will man nicht, dass die infiziert werden."

Diese Pflicht solle, auch aus Solidarität mit Risikogruppen, weiterhin dort gelten, "wo alle Menschen hinmüssen, man nicht so freiwillig entscheiden kann, also in der Apotheke, in Arztpraxen, in Bus und Bahn."

So ist derzeit die Corona-Lage in Sachsen-Anhalt Die 7-Tage-Inzidenz beträgt in Sachsen-Anhalt derzeit 216,4. So viele Menschen haben sich pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen im Land mit Corona angesteckt und die Infektion per PCR-Test bestätigt bekommen. Der Inzidenzwert ist im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Am vergangenen Dienstag lag er bei 183,2. Von Anfang September bis Mitte Oktober hatte es einen deutlichen Anstieg der bestätigten Corona-Infektionen auf knapp 800 gegeben, in Sachsen-Anhalt, aber auch deutschlandweit. Dann war die Inzidenzkurve wieder abgeflacht.

Die Hospitalisierungsrate beträgt in Sachsen-Anhalt derzeit 8,94. Das heißt, dass pro 100.000 Einwohnern knapp neun in den vergangenen sieben Tagen wegen Covid-19 ins Krankenhaus gekommen sind. Vor einer Woche lag der Wert bei 6,64. Derzeit werden 31 Menschen in Sachsen-Anhalt intensivmedizinisch wegen Covid-19 behandelt, 13 von ihnen müssen beatmet werden. 29 Betten zur Behandlung von Covid-19 sind im ganzen Land noch verfügbar.

Die Isolationspflicht mache epidemiologisch hingegen keinen Sinn mehr, so Kekulé in der Diskussion: "Der Grund für die Isolationspflicht war ja, weil man die Inzidenz herunterdrücken wollte, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten und insgesamt den Infektionsdruck herauszunehmen." Diesen Grund gebe es nun nicht mehr.

Hausarzt: "Sehe das ein bisschen entspannter"

Der Hausarzt und Vorsitzende des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt, Torsten Kudela, sagte bei "Fakt ist" am Montag, die Arztpraxen seien aktuell wegen einer Infektionswelle voll, allerdings wegen des RS-Virus bei Kindern. Für den Verband sei die Diskussion um Lockerung der Maßnahmen ein "politisches Problem".

Persönlich würde er die Einhaltung der Corona-Maßnahmen jedem und jeder selbst überlassen: "Ich als Hausarzt an der Front sehe das ein bisschen entspannter. Ich denke, das ist eine Erkrankung, die wir jetzt kennengelernt haben, mit der können wir uns arrangieren." Bei einer Grippe werde man auch nicht isoliert.

MDR (Stefan Bernschein,Johanna Daher,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 28. November 2022 | 22:10 Uhr

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