Förderprogramm "Kultur ans Netz": Corona-Hilfe für Kulturschaffende in Sachsen-Anhalt erneut nicht voll ausgeschöpft

In der Corona-Pandemie sind vielen Kulturschaffenden plötzlich sämtliche Einnahmen weggebrochen. Um ihnen zu helfen, setzte das Land Sachsen-Anhalt ein Stipendium auf. Doch die Resonanz auf "Kultur ans Netz" hielt sich in Grenzen. Daran hat auch eine zweite Auflage nichts geändert, die nun zu Ende gegangen ist.

Das als Corona-Hilfe gedachte Stipendium "Kultur ans Netz" ist auch bei seiner zweiten Auflage von weniger Kulturschaffenden abgerufen worden als erwartet. Das zeigen Zahlen, die die Investitionsbank Sachsen-Anhalt veröffentlicht hat. Danach bewarben sich zwischen Anfang April und Anfang Juni rund 640 Künstlerinnen und Künstler um das Stipendium. In Sachsen-Anhalts Kulturministerium war jedoch Geld für bis zu 1.000 Anträge vorgehalten worden.

Von den knapp 650 eingereichten Anträgen ist laut Investitionsbank ein großer Teil positiv beschieden worden. Rund 130 Anträge würden aktuell noch bearbeitet, hieß es. Etwa zwei Millionen Euro sind den Zahlen zufolge bereits an Kulturschaffende ausgezahlt worden – von rund 4,5 Millionen Euro, die vorgesehen waren.

Um das Interesse an dem Stipendium zu erhöhen, hatte das Land Sachsen-Anhalt vor einigen Wochen eigens Werbung in sozialen Netzwerken geschaltet. Ein Sprecher der Landesregierung hatte seinerzeit im MDR erklärt, er hoffe, dass die Zahl der Anträge auf diese Weise nach oben gehe. Mehrere Kulturschaffende hatten zudem betont, sie könnten sich das geringe Interesse an dem Programm nicht erklären.

Maues Interesse auch bei der ersten Auflage

Allerdings war bereits die erste Auflage des Programms auf deutlich geringere Resonanz gestoßen als erwartet: Statt der zuvor vom Ministerium erwarteten 2.000 Anträge gingen im vorigen Jahr lediglich rund 500 ein. Statt wie gedacht sechs Millionen Euro auszuzahlen, musste das Land lediglich rund 1,3 Millionen Euro ausgeben.

"Kultur ans Netz": Wer sich fördern lassen konnte

Logo der Investitionsbank vor dem Eingang mit Blick auf den Dom in Magdeburg
Das Geld war über die Investitionsbank Sachsen-Anhalt ausgezahlt worden. (Archivfoto) Bildrechte: Investitionsbank Sachsen-Anhalt

Mit "Kultur ans Netz" hat das Land Sachsen-Anhalt freischaffende Künstlerinnen und Künstler gefördert, die hauptberuflich in den Sparten Medienkunst, Bildende Kunst, Musik, darstellende Kunst, Literatur oder in intermedialen Kunstformen tätig sind. Dafür standen über einen Zeitraum von drei Monaten monatlich 1.500 Euro bereit. Insgesamt wurden also pro Antragssteller bis zu 4.500 Euro ausgezahlt.

Gefördert wurden unter anderem: Projekte, über die Künstlerinnen und Künstler sich weiterbilden oder neue Ansätze erarbeiten, Konzepte für die eigene künstlerische Tätigkeit oder digitale Umsetzungen eigener künstlerischer Tätigkeit.

Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden.

Debatte über den Namen des Programms

Insbesondere nach der ersten Auflage war vermutet worden, der irreführende Name des Stipendiums habe viele Kulturschaffende abgeschreckt. Mancher, argumentierte die Staatskanzlei, habe wohl gedacht, nur digitale Projekte würden gefördert. Das Landeszentrum Theater in Sachsen-Anhalt (Lanze) hatte zudem auf den "Dschungel mannigfaltiger Förderprogramm" verwiesen, in dem sich zu orientieren nicht immer leicht sei.

Im Gespräch mit dem MDR hatte Lanze-Geschäftsführerin Maria Gebhardt allerdings betont, sie rechne dem Land hoch an, dass es das übrig gebliebene Geld aus der ersten Förderrunde nicht zurückgezogen, sondern erneut ausgeschrieben habe.

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MDR KULTUR - Das Radio Fr 15.01.2021 06:00Uhr 05:20 min

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Quelle: dpa, MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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